Finanzen - Erstes Quartal verlief besser als erwartet – obwohl das Institut nach endgültigen Zahlen doch Verlust gemacht hat Deutsche Bank vor nächstem schwierigen Jahr

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Rolf Obertreis
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Frankfurt. Frankfurt. Die Deutsche Bank hat entgegen ihren eigenen ersten Angaben vom Wochenanfang im ersten Quartal doch einen Verlust verbuchen müssen. Dies geht aus dem detaillierten Zwischenbericht hervor, den Finanzvorstand James von Moltke am Mittwoch erläuterte. Danach steht unter dem Strich bei Einnahmen von 6,4 Milliarden Euro nach Abzug von Zinszahlungen für bestimmte Anleihen ein Verlust von 43 Millionen Euro nach einem Überschuss von 97 Millionen im ersten Quartal 2019. Am Montag hatte die Bank dies nicht angegeben und einem Gewinn von 66 Millionen Euro genannt.

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Ob es im gesamten Jahr endlich wieder zu einem Netto-Überschuss reicht, könne man derzeit aufgrund der schwierigen Umstände nicht sagen, betont von Moltke. „Der Start ins Jahr war zwar besser als erwartet, aber es ist noch nicht abzusehen, wie sich der Rest des Jahres entwickeln wird.“ Die gesamte Branche dürfte aber durch die weltweite Rezession als Folge von Covit-19 hart getroffen werden. Analysten erwarten auch 2020 einen Verlust von gut zwei Milliarden Euro. 2019 hatte das Geldhaus das fünfte Verlustjahr in Folge verbucht – mit einem Minus von 5,7 Milliarden Euro.

„Robust und widerstandsfähig“

In einem Brief an die Beschäftigten nennt Vorstandschef Christian Sewing gleichwohl das Geschäftsmodell der Bank als „robust“ und „widerstandsfähig“. „Das zeigt sich in diesen turbulenten Zeiten ganz besonders.“ Die Deutsche Bank könne aus einer Position der Stärke heraus handeln.

Die Auswirkungen der Pandemie zeigen sich freilich auch in der Entwicklung bei der Deutschen Bank in den ersten drei Monaten. Das Volumen der ausgereichten Kredite stieg um 25 Milliarden Euro, wobei die Hälfte davon im Zusammenhang mit der Pandemie stand. Mehr als 5200 Kunden habe man Zugang zu den Krisenkrediten der Förderbank KfW im Volumen von 4,4 Milliarden Euro eröffnet. Insgesamt, so Vorstandschef Sewing, habe man 20 Milliarden Euro an neuen Krediten für Unternehmenskunden vorgesehen.

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Gleichzeitig musste das Institut ihre Risikovorsorge für mögliche Probleme bei Krediten oder komplette Ausfälle von 140 Millionen Euro im Vorquartal auf 506 Millionen Euro erhöhen. Auch davon ist die Hälfte nach Angaben von Moltke auf die Pandemie zurückzuführen. Im zweiten Quartal rechnet er mit einem weiteren Anstieg bevor es wieder zu einer Normalisierung kommen dürfte. Ob die Risikovorsorge, wie von Beobachtern vermutet, in diesem Jahr auf rund zwei Milliarden Euro steigen könnte, lässt der Finanzchef offen.

Korrespondent Seit mehr als 20 Jahren arbeite ich für den Mannheimer Morgen und für andere wichtige Regionalzeitungen wie den Tagesspiegel/Berlin, die Badische Zeitung/Freiburg, die Südwest Presse/Ulm und den Münchener Merkur als Wirtschaftskorrespondent in Frankfurt. Banken, Europäische Zentralbank, Bundesbank, Börse und in Frankfurt ansässige Unternehmen wie Lufthansa und auch Verbände wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA zählen zu meinen Schwerpunkten. Daneben auch die Luftfahrt. Zudem befasse ich mich über die KfW Bankengruppe und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit Fragen der Entwicklungszusammenarbeit.