Finanzen - Institut erzielt ersten Jahresgewinn seit 2014 Deutsche Bank schafft Trendwende

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Rolf Obertreis
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Frankfurt. „Großartig“ hätten sich die noch knapp 85 000 Beschäftigten im vergangenen Jahr für „ihre“ Bank eingesetzt. Christian Sewing, Vorstandschef der Deutschen Bank, klingt am Donnerstag auf der virtuellen Jahrespressekonferenz schon fast ein wenig euphorisch. Nach fünf Jahren mit Verlusten von insgesamt rund 15 Milliarden Euro hat das größte deutsche Geldhaus 2020 erstmals wieder einen Nettogewinn verbucht.

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Mit 624 Millionen Euro ist es gleich doppelt so viel wie von Experten erwartet. Ganz unter dem Strich nach Abzug von Zinszahlungen ist es mit 113 Millionen Euro aber doch nur ein relativ bescheidener Ertrag, andererseits eine radikale Wende nach dem Verlust von 5,7 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Auch Corona hat die Deutsche Bank nicht bremsen können. „Wir haben so starke Ergebnisse erzielt, dass wir die großen Belastungen durch die Pandemie und den Umbau mehr als ausgleichen konnten“, betont Sewing.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing sieht seine Strategie bestätigt. © dpa

Getragen wurde das Ergebnis in allererster Linie vom Investmentbanking, also dem Geschäft mit Anleihen und Emissionen. Allein hier schnellte der Vorsteuergewinn von 500 Millionen Euro im Vorjahr auf fast 3,2 Milliarden Euro nach oben und sorgte nahezu allein dafür, dass die Bank den gesamten Vorsteuergewinn auf eine Milliarde Euro steigern konnte nach einem Verlust von 2,6 Milliarden Euro im Vorjahr. Vor allem im Privatkundengeschäft kommt die Deutsche Bank aber nur langsam voran. Die Sparte verbuchte mit minus 124 Millionen Euro erneut einen Vorsteuerverlust, auch wenn er um mehr als die Hälfte geringer war als 2019.

Weiter auf der Kostenbremse

Sewing ist gleichwohl überzeugt, dass die Bank 2019 die richtige Strategie eingeschlagen hat: „Unser Geschäftsmodell funktioniert.“ Man habe die Flexibilität, um auf außergewöhnliche Situationen reagieren zu können. Trotz des schwersten Wirtschaftseinbruchs in der Nachkriegsgeschichte habe die Bank im vergangenen Jahr nichts von ihrer Finanzstärke eingebüßt. „In Gegenteil“. Dabei habe man die Kunden gerade in der Pandemie unterstützt und Zugang zu mehr als zwölf Milliarden Euro verschafft. „Wir waren auch die aktivste Bank in den Förderprogrammen der KfW“.

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Massiv sind die Verluste mit mehr als zwei Milliarden Euro in der Abbaubank, in der sie Vermögenswerte gesteckt hat, von denen sie sich trennen will. Zum guten Ergebnis haben erneut auch erhebliche Kostensenkungen beigetragen. Fast 3000 Stellen wurden im vergangenen Jahr gestrichen, davon mehr als die Hälfte in der Privatkundensparte, aber nur 100 in der Investmentbank. Allerdings sollen nach den 2019 angekündigten Plänen bis Ende 2022 noch weitere gut 10 000 Vollzeitstellen auf dann nur rund 74 000 wegfallen. Bei Deutscher Bank sollen 100 von aktuell noch 500 und bei der Postbank ebenfalls 100 von zuletzt noch 800 Filialen geschlossen werden.

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Korrespondent Seit mehr als 20 Jahren arbeite ich für den Mannheimer Morgen und für andere wichtige Regionalzeitungen wie den Tagesspiegel/Berlin, die Badische Zeitung/Freiburg, die Südwest Presse/Ulm und den Münchener Merkur als Wirtschaftskorrespondent in Frankfurt. Banken, Europäische Zentralbank, Bundesbank, Börse und in Frankfurt ansässige Unternehmen wie Lufthansa und auch Verbände wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA zählen zu meinen Schwerpunkten. Daneben auch die Luftfahrt. Zudem befasse ich mich über die KfW Bankengruppe und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit Fragen der Entwicklungszusammenarbeit.