Finanzen - Erstes Quartal bleibt von Corona-Krise und möglichen Kredit-Ausfällen unberührt / 66 Millionen Euro Überschuss / Analysten hatten mit Minus gerechnet Deutsche Bank erzielt überraschenden Gewinn

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Rolf Obertreis
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Frankfurt. Vor Steuern 206 Millionen Euro Gewinn, nach Steuern ein Überschuss von 66 Millionen Euro – die Deutsche Bank hat im ersten Quartal überraschend gut und deutlich besser abgeschnitten als von Analysten erwartet. Sie hatten im Durchschnitt mit einem Netto-Verlust von knapp 390 Millionen Euro gerechnet. „Wir sind sehr zufrieden, dass die Ergebnisse für das erste Quartal unsere Fortschritte beim Umbau unserer Bank, die operative Stärke unseres Geschäfts und unsere Widerstandskraft bestätigen“, sagt Vorstandschef Christian Sewing. Grund für die guten Zahlen und die dafür verantwortlichen höheren Einnahmen und Umsätze könnte eine deutlich höhere Kreditvergabe im Zuge der Corona-Pandemie sein.

Risikovorsorge aufgestockt

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Der Netto-Gewinn liegt allerdings deutlich unter dem Wert für das erste Quartal 2019. Da waren es noch 201 Millionen Euro und vor Steuern 292 Millionen. Weil die Zahlen den Erwartungen deutlich widersprechen, sah sich die Deutsche Bank zu einem ungewöhnlichen Schritt gezwungen und veröffentlichte sie am späten Sonntagabend kurz vor Mitternacht. Im Detail will sie die Zahlen erst am Mittwoch erläutern. Die Deutsche Bank hat im ersten Quartal rund 6,4 Milliarden Euro eingenommen, rund 700 Millionen mehr als Analysten erwartet hatten. Allerdings muss das Geldhaus auch die Risikovorsorge für das Kreditgeschäft wegen der Corona-Pandemie deutlich erhöhen auf eine halbe Milliarde Euro nach 140 Millionen Euro im ersten Quartal 2019. Man erwarte insgesamt mehr Kreditausfälle.

Aber das Kreditbuch habe eine hohe Qualität und sei gut diversifiziert. 90 Prozent der Kredite seien an Schuldner mit hoher Bonität und Kreditwürdigkeit vergeben und fast ein Drittel entfalle auf solide Hypothekendarlehen in Deutschland. Branchenbeobachter rechnen damit, dass sich das Volumen notleidender Kredite in Deutschland insgesamt aufgrund der Krise von 33 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf 100 Milliarden Euro verdreifachen könnte. Trotz der Krise verspricht Deutsche Bank-Chef Sewing die Kundinnen und Kunden zur Seite zu stehen. Dafür nimmt das Geldhaus in Kauf, dass das Kapital und damit die Rücklagen vorübergehend geschwächt wird. Bei der wichtigen Kernkapitalquote könnte, so Sewing, das angestrebte Ziel von 12,5 Prozent bezogen auf mit Risiken belegten Krediten und Vermögenswerten leicht unterschritten werden. Aber selbst mit weniger als 12,5 Prozent liege man noch deutlich über den Anforderungen der Bankenaufseher. An der Börse kamen die Zahlen am Montag gut an, der Kurs der Deutsche Bank-Aktie legte zeitweise um mehr als elf Prozent zu.

Korrespondent Seit mehr als 20 Jahren arbeite ich für den Mannheimer Morgen und für andere wichtige Regionalzeitungen wie den Tagesspiegel/Berlin, die Badische Zeitung/Freiburg, die Südwest Presse/Ulm und den Münchener Merkur als Wirtschaftskorrespondent in Frankfurt. Banken, Europäische Zentralbank, Bundesbank, Börse und in Frankfurt ansässige Unternehmen wie Lufthansa und auch Verbände wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA zählen zu meinen Schwerpunkten. Daneben auch die Luftfahrt. Zudem befasse ich mich über die KfW Bankengruppe und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit Fragen der Entwicklungszusammenarbeit.