Konsum - Waren selber scannen, zahlen mit Karte oder Smartphone – kontaktlose Anwendungen verbreiten sich in der Pandemie Corona verändert den Einkauf

Von 
Erich Reimann, Michael Brehme
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Laut Experten war 2020 das wachstumsstärkste Jahr für bargeldloses Zahlen in Deutschland. © dpa

Düsseldorf/Renningen. Einkaufen in Corona-Zeiten, das ist auch immer ein kleines bisschen Risiko. Viele Verbraucher versuchen deshalb, die Infektionsgefahr beim Shoppen so gering wie möglich zu halten – oft indem sie bargeldlos zahlen und manchmal auch, indem sie die Waren aus dem Einkaufskorb selber scannen statt an der Kasse in der Schlange zu stehen. Die Corona-Krise ist dabei, das Einkaufen nachhaltig zu verändern.

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Wohin diese Entwicklung mal gehen könnte, kann man seit Dienstag in Renningen beobachten: Am Bahnhof der Stadt im Kreis Böblingen testen die Deutsche Bahn und der Lebensmittelhändler Edeka Südwest neuerdings ein Modell mit einem digitalisierten und rund um die Uhr geöffneten Mini-Supermarkt, der ohne Mitarbeiter auskommt.

Robotertechnik hilft

Kontaktlos bezahlen in Supermärkten immer beliebter

  • Der Wandel beim kontaktlosen Bezahlen findet überall statt – in den Supermärkten, aber auch bei den Discountern.
  • Der Discounter Aldi-Süd berichtete bei einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur: „Im Januar wurden über 40 Prozent der Zahlungen mit Karte getätigt. Etwa 60 Prozent davon erfolgten kontaktlos.“
  • Auch Aldi Nord meldete, das Zahlen mit der EC-Karte oder dem Handy werde immer beliebter. „Für viele unserer Kunden ist das bargeldlose Bezahlen komfortabel und hygienisch.“ Teilweise werde mittlerweile knapp jeder zweite Einkauf bargeldlos bezahlt.
  • Edeka und Rewe berichteten ebenfalls, das bargeldlose Zahlen habe durch die Corona-Pandemie zusätzlich einen weiteren Schub bekommen.

Stattdessen soll eine mechanische Anlage die von Kunden per Smartphone-App oder am Automaten bestellten Waren mithilfe einer Robotertechnik zusammensuchen und dann an einer Ausgabe bereitstellen. Zur Eröffnung des Marktes am Morgen, die nach Bahn-Angaben wie geplant über die Bühne ging, standen den Interessenten zunächst rund 300 verschiedene Produkte zur Verfügung. Später sollen es mal bis zu 800 werden – darunter Grundnahrungsmittel, gekühlte Waren und Drogerieartikel.

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Bezahlt werden kann bei dem Modellmarkt in Renningen zwar auch bar am Automaten – im Regelfall dürften die Kunden aber zur App oder zur Karte greifen. Das passt zur Gesamtentwicklung: Nach einer Studie des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI wurden 2020 eine Milliarde Einkäufe weniger mit Bargeld bezahlt als im Vorjahr. Insgesamt gingen damit 28 Milliarden Euro Bargeld weniger über die Ladentheken als 2019. Das Jahr 2020 werde „als das wachstumsstärkste Jahr für unbares Bezahlen in Deutschland“ seit Beginn der Erhebungen durch das EHI vor gut 25 Jahren in die Aufzeichnungen eingehen, berichtete EHI-Experte Horst Rüter.

Girocard überholt Bargeld

Krisengewinner ist vor allem die Girocard. Die Umsätze mit der Girocard an den Einzelhandelskassen übertrafen 2020 erstmals die Barzahlungen, wie das EHI berichtete. Doch auch Kreditkarten werden beim Einkaufen öfter gezückt. Eine untergeordnete Rolle spielt aktuell noch das Zahlen mit dem Smartphone. Wenig spricht dafür, dass nach der Pandemie eine Rückbesinnung auf das Bargeld erfolgt. Bei einer Umfrage der Beratungsgesellschaft EY unter 1600 Verbrauchern in Deutschland gab gut jeder fünfte Befragte an, sein Zahlungsverhalten während der Pandemie geändert zu haben und dies auch künftig beibehalten zu wollen.

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Doch ist das Bezahlen ja nur ein Teil des Einkaufs. Vorher muss die Ware im Supermarkt noch ausgesucht und gescannt werden. Und auch beim Scannen geht der Trend zunehmend zum Do-it-yourself-Prinzip, weil viele Verbraucher dies in der Pandemiezeit für hygienischer halten. „Im Lebensmittelhandel boomt das Thema und auch bei Drogerien nimmt es stetig weiter zu“, beobachtet EHI-Handelsexperte Frank Horst.

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Lange Zeit setzte der Handel dabei in erster Linie auf Selbstbedienungskassen am Ausgang, wo der Einkauf vom Verbraucher – wie an der normalen Kasse – Stück für Stück aus dem Einkaufswagen genommen und gescannt werden musste. Doch mittlerweile gewinnt eine andere Lösung zunehmend an Bedeutung: Apps, die es dem Kunden erlauben, die Einkäufe mit dem eigenen Handy zu scannen, wenn er sie in den Einkaufswagen legt. Am Ausgang muss der Kunde dann nur noch den „Jetzt zahlen“-Button auf dem Handy-Screen drücken und den dann erscheinenden QR-Code an einem Terminal am Ausgang einscannen. Oder er kann die Bezahlung sogar komplett über das Smartphone abwickeln.

Zu den Vorreitern dieser Lösung gehören die Supermarktkette Rewe und ihre Discounttochter Penny. Bereits im vergangenen Sommer startete die Rewe-Gruppe Testläufe mit einer Scan&Go-App in mehr als 100 Penny-Filialen und 50 Rewe-Märkten.

Eigenes Gerät gewöhnt

„Für den Kunden ist es leichter, das eigene Handy zu nutzen. Er muss sich nicht an ein neues Gerät gewöhnen“, beschrieb damals der Penny-Projektleiter Lukas Fischer in einem der Testmärkte in Erkrath bei Düsseldorf den Vorteil des Systems gegenüber anderen Lösungen, bei denen der Kunde etwa die Ware erst an der Kasse selber scannt. Auch Edeka hat mittlerweile eine Scan&Go-Funktion in die Edeka-App integriert. Noch kann das Angebot allerdings nur in wenigen Märkten genutzt werden.

Die Discounter Aldi und Lidl sind bislang beim Thema Self-Scanning zurückhaltender. Doch das muss nicht das letzte Wort sein. „Wir sind immer an innovativen Technologien interessiert, die dazu beitragen, unseren Kunden den Einkauf noch angenehmer zu machen“, hieß es bei Lidl. 

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