Finanzen - Rund 10 000 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden / Zahl der Filialen soll von 790 auf 450 sinken Commerzbank plant Kahlschlag

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Rolf Obertreis
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Frankfurt. Der neue Commerzbank-Chef Manfred Knof will radikal durchgreifen: Bei der zweitgrößten deutschen Geschäftsbank sollen bis 2024 rund 10 000 Vollzeitstellen gestrichen werden. In Deutschland würde dies jeden dritten Arbeitsplatz betreffen, teilte das Institut am Donnerstag mit. Die Zahl der Filialen soll von derzeit 790 auf nur noch 450 reduziert werden. Gleichzeitig will die Bank in den nächsten vier Jahren 1,7 Milliarden Euro in die IT stecken und alle Prozesse umfassend digitalisieren. „Wir werden mit aller Konsequenz Komplexität reduzieren, die Kosten senken und auf unsere Stärken konzentrieren“, sagte Knof.

Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt. Nächste Woche soll der Aufsichtsrat die radikalen Sparpläne von Vorstandschef Manfred Knof absegnen. © dpa

Profitabilität statt Wachstum

Teure Sparpläne

Bisher hatte die Commerzbank nur den Abbau von netto 2900 Vollzeitstellen bis 2024 angekündigt. Brutto sollten es 4300 sein. Dafür waren Kosten in Höhe von 800 Millionen Euro eingeplant.

Ende September beschäftigte das Institut weltweit noch gut 47 500 Menschen in Vollzeit- und Teilzeit, davon rund 33 400 in Deutschland.

200 ihrer Anfang 2020 noch 1000 Filialen hatte die Commerzbank geschlossen, weitere 200 waren wegen der Corona-Pandemie angeblich nur vorübergehend nicht geöffnet. Auch sie werden jetzt wegfallen. otr

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Künftig werde der Profitabilität konsequent der Vorzug vor Wachstum eingeräumt, teilt das Institut mit. Für 2024 strebt Knof eine Eigenkapitalrendite von 6,5 bis sieben Prozent an. Die Kosten sollen dann um 1,4 Milliarden Euro oder 20 Prozent unter dem Niveau von 2020 liegen. Die Aufwendungen für den Umbau belaufen sich nach Angaben der Bank auf insgesamt 1,8 Milliarden Euro. Sie sollen komplett aus eigenen Mitteln aufgebracht werden und vollständig im Geschäftsjahr 2021 gebucht werden. Mit 800 Millionen Euro sei bereits im vergangenen Jahr Vorsorge getroffen worden. Dazu kommen 100 Millionen aus dem Jahr 2019.

Überraschend hat der neue Bank-Chef die drastischen Pläne zum Umbau der Commerzbank und zur nachhaltigen Kostensenkung bereits jetzt präsentiert. Sie müssen am 3. Februar noch vom Aufsichtsrat und danach vom Vorstand abgesegnet werden. Bislang seien noch keine Entscheidungen getroffen worden, betonte Knof. Aber die Zustimmung beider Gremien zu den radikalen Einschnitten dürfte außer Zweifel stehen. Welche Filialen wegfallen sollen, ist bislang noch nicht bekannt.

Mit Blick auf den geplanten Stellenabbau werde man alles daransetzen, gemeinsam mit der Arbeitnehmervertretung „faire und soweit wie möglich“ sozialverträgliche Lösungen vereinbaren. Das soll möglichst zügig geschehen, um die Pläne auch schnell umsetzen zu können. Bereits am Jahresanfang hatte Knof in einem Brief an die Beschäftigten betont, je schneller der Umbau beginne um so besser sei es. Es werde nicht bequem und der Weg sei mit „noch mehr harten Entscheidungen und weiteren Restrukturierungsmaßnahmen verbunden“.

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Der seit Jahresanfang amtierende, frühere Privatkunden-Chef der Deutschen Bank sieht nur mit radikalen Einschnitten eine Chance, die „führende“ Position der Commerzbank als Bank für den Mittelstand und für elf Millionen Privat- und Unternehmerkunden zu festigen. Mit dem Umbau soll das Institut, das zu knapp 16 Prozent dem Bund gehört, bis 2024 wieder deutlich profitabler arbeiten. Im vergangenen Jahr ist die Commerzbank vermutlich wieder tief in die Verlustzone gerutscht. Experten rechnen mit einem Verlust von bis zu einer Milliarde Euro. Allein 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro stellt die Bank für Risiken im Kreditgeschäft in Folge der Corona-Pandemie zurück. Am 11. Februar wird Knof die Bilanz vorlegen.

Widerstand vom Großaktionär

Im vergangenen Jahr waren Vorstandschef Martin Zielke und Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann mit ihren Sparplänen am Widerstand vor allem von Großaktionär Cerberus gescheitert und traten daraufhin zurück. Den Aufsichtsrat leitet seit Spätsommer Hans-Jörg Vetter, ehemaliger Chef der Landesbank Berlin und der Landesbank Baden-Württemberg. Er holte den 55-jährigen Knof von der Deutschen Bank.

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Korrespondent Seit mehr als 20 Jahren arbeite ich für den Mannheimer Morgen und für andere wichtige Regionalzeitungen wie den Tagesspiegel/Berlin, die Badische Zeitung/Freiburg, die Südwest Presse/Ulm und den Münchener Merkur als Wirtschaftskorrespondent in Frankfurt. Banken, Europäische Zentralbank, Bundesbank, Börse und in Frankfurt ansässige Unternehmen wie Lufthansa und auch Verbände wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA zählen zu meinen Schwerpunkten. Daneben auch die Luftfahrt. Zudem befasse ich mich über die KfW Bankengruppe und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit Fragen der Entwicklungszusammenarbeit.