Verkehr - Mannheimer Flughafen und Rhein-Neckar Air erleiden in der Corona-Krise starke Einbußen – bleiben aber zuversichtlich City Airport vor Millionendefizit

Von 
Sophia Gehr
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Eine Maschine vom Typ Dornier 228 steht auf dem Mannheimer City Airport. Der Flugverkehr dort ist um bis zu 95 Prozent zurückgegangen. © Achim Keiper

Mannheim. Es ist ruhig am Mannheimer City Airport. Die Schranken zum Parkhaus am Flughafen stehen offen. Von dort blickt man auf die leere Start- und Landebahn. Nur ein Hubschrauber der DRF Luftrettung steht dort. „Die fliegen zu etwa 1500 Einsätzen im Jahr“, sagt Reinhard Becker (kleines Bild oben), Geschäftsführer des City Airport. Ansonsten bleibt es ruhig auf dem Flugplatz. Aufgrund der Corona-Pandemie ist der Flugverkehr um 75 Prozent zurückgegangen, „bei Business-Fliegern um 95 Prozent“, so Becker. 16 Firmenjets großer regionaler Unternehmen sind am City Airport stationiert. Diese würden die Firmen zurzeit nur „äußerst zurückhaltend“ nutzen.

Luftfahrt in Mannheim

  • Der City Airport Mannheim ist der einzige Flughafen der Region mit regelmäßigem Linienverkehr (Berlin, Hamburg, Sylt).
  • Er gehört mehrheitlich der Stadt Mannheim (60 Prozent). Weitere Anteile besitzen die Städte Ludwigshafen und Heidelberg (zusammen 15 Prozent) sowie das Land Baden-Württemberg (25 Prozent).
  • Der City Airport beschäftigt 30 Mitarbeiter. 400 bis 500 weitere Mitarbeiter am Flughafen kommen von Arbeitgebern wie der Polizei, Feuerwehr, Gastronomie oder Werftbetrieben.
  • Die in Mannheim ansässige Fluggesellschaft Rhein-Neckar Air (RNA) wurde 2014 von einem Förderverein gegründet, dem zehn große Unternehmen aus der Region angehören.
  • Seit 2016 gehört die RNA mehrheitlich privaten Investoren.
  • Die RNA hat keine eigenen Flugzeuge. Sie hat drei Turbopro-Maschinen vom Typ Dornier 328 der MHS Aviation GmbH gechartet. Diese stellt auch das Cockpit- und Kabinenpersonal. soge

Fast ein Viertel weniger Flüge

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Grundsätzlich sei das Fliegen am Regionalflughafen aber möglich und erlaubt. Etwa 250 Flugzeuge starten und landen wöchentlich in der Quadratestadt, rund 950 waren es vor der Krise. Einmal am Tag fliege eine Maschine einer Frachtlinie, die medizinische Produkte transportiere, berichtet Becker. Geschlossen bleibt vorerst also nur das Terminal.

Die in Mannheim ansässige Fluggesellschaft Rhein-Neckar Air (RNA) hat ihren Flugbetrieb nach Berlin und Hamburg aufgrund der mangelnden Nachfrage bis einschließlich 31. Mai ausgesetzt. Bei der Frage nach dem dritten Flugziel Sylt bleibt RNA-Geschäftsführer Dirk Eggert (kleines Bild unten) optimistisch. „Aktuell ist die Insel für Besucher gesperrt. Das soll im Mai aber schrittweise gelockert werden“, sagt er. Wenn diese Lockerungen dann auch für Gäste von Ferienwohnungen und Hotels gelten, will Eggert den Linienverkehr wieder aufnehmen. Etwa 10 000 Passagiere reisen pro Saison mit der Fluggesellschaft auf die Nordseeinsel.

„Wir können schnell reagieren“, sagt auch Becker. In nur zwei bis drei Tagen könne der gesamte Flugbetrieb wieder hochgefahren werden. Kunden, die von der aktuellen Aussetzung betroffen sind „werden automatisch nach Reihenfolge des geplanten Abflugdatums kontaktiert“, heißt es auf der Internetseite der RNA. Der Flug kann kostenlos umgebucht oder storniert werden.

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Die aktuelle Corona-Krise forderte von beiden Geschäftsführern im April auch, Kurzarbeit anzumelden. Bei der RNA seien alle rund 45 Mitarbeiter von dieser Maßnahme betroffen, berichtet Eggert. Becker spricht von einem „Großteil“ seiner 30 Beschäftigten. Die Kurzarbeit sei nun bis Jahresende beantragt, bei der RNA bis zum Sommer. „In der gesamten Branche wird Normalität wohl erst relativ spät wieder einsetzen“, befürchtet der Geschäftsführer des City Airport. „Weltweit gelten Reisebeschränkungen und in Flugzeugen sitzen die Passagiere eben ziemlich eng beieinander.“

Durch einen Beschluss der Landesluftfahrtbehörde konnte der City Airport seine Öffnungszeiten verkürzen. Damit müssten die Regionalflughäfen weniger Personal stellen und könnten die „sehr hohen Fixkosten“, etwa für Feuerwehr oder Flugsicherung reduzieren, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums für Verkehr. Das reiche jedoch nicht aus, finden die beiden Geschäftsführer. Denn auch während der verkürzten Öffnungszeiten würden RNA und City Airport auf den festen Kosten für Wartungsarbeiten und Personal sitzen bleiben.

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Finanzielle Hilfen brauche nun jeder in dieser Branche. Auch die RNA habe einen Antrag auf einen KfW-Kredit beim Bundeswirtschaftsministerium eingereicht. „Wir sind zu klein, um auf dem Schirm der Politik aufzutauchen“, fügt der RNA-Geschäftsführer hinzu. „Es ist schwer, sich Gehör zu verschaffen.“

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Allgemein stehe der City Airport im Vergleich zu anderen Regionalflughäfen „sehr gut“ da, so Becker. Das liege vor allem an der „starken Wirtschaftsregion Rhein-Neckar und den vielen großen Industriebetrieben“, die den Flugverkehr nutzen würden. Für 2020 hatte man vor der Krise mit einem Defizit von 350 000 Euro gerechnet. „Das wird sich nun auf schätzungsweise 1,4 Millionen Euro verschlechtern“, prognostiziert Becker. Der Fortbestand des Mannheimer Flughafens sei dadurch jedoch nicht in Gefahr.

„Sehr starke Gesellschafter“

Das bestätigt auch Eggert. „Hinter uns stehen sehr starke Gesellschafter, die großes Interesse daran haben, dass die Fluggesellschaft weiter besteht“, sagt er. 700 Unternehmen aus der Region würden die Airline nutzen.

Im Terminal steht ein Schild mit der Aufschrift: „Check In öffnet 60 Minuten vor Abflug.“ Wenn dieses Schild in Zukunft auch wieder für Gäste der Linienflüge bestimmt ist, hofft Eggert sogar auf Passagier-Zuwachs. „Wenn überhaupt, werden eher Reisen im eigenen Land möglich sein“, so Eggert. „Hier könnten sich Passagiere dann für Mannheim statt Frankfurt entscheiden. Wir sind überschaubarer, hier haben sie weniger soziale Kontakte.“ (BILDer: gehr)

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