Konjunktur - Baden-württembergische Unternehmen mit deutlichem Plus im Inland / Starker Pharma-Bereich sorgt für Wachstum / Prognose „leicht optimistisch“ Chemiebranche schlägt sich wacker

Von 
Peter Reinhardt
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Wichtige Branche: In den Chemieverbänden in Baden-Württemberg sind 471 Unternehmen mit 108 000 Beschäftigten organisiert. © dpa

Baden-Baden. Die baden-württembergischen Chemie-Unternehmen sind bisher gut durch die Corona-Krise gekommen. Der Branchenumsatz stieg 2020 um 3,4 Prozent auf 22,1 Milliarden Euro. Mit Plus 7,3 Prozent ist das Inlandsgeschäft weit überdurchschnittlich gewachsen. „Wir haben erfreuliche Umsatzzahlen bei Pharma, eine schwarze Null bei Körperpflege und Waschmitteln, aber deutlich negative Zahlen und Tendenzen im Bereich unserer Automobilzulieferer“, sagte Ralf Müller, Geschäftsführer bei Chemie.BW mit Sitz in Baden-Baden. In einer aktuellen Konjunkturumfrage zeigen sich die Firmen für das laufende Jahr „vorsichtig optimistisch“. Aber jedes fünfte Unternehmen, vor allem aus dem Bereich der Autozulieferer, rechnet mit Kurzarbeit.

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Die Chemiefirmen in Baden-Württemberg haben sich deutlich besser geschlagen als die deutschen Konkurrenten: Im nationalen Durchschnitt musste die Branche einen nach Müllers Worten „drastischen Einbruch“ um fünf Prozent verkraften. „Wir haben einiges besser abgeschnitten“, sagte er. Das 3,4-Prozent-Wachstum im Südwesten resultiere vor allem aus dem hier starken Teilbereich Pharma. Im Vorfeld der Pandemie hätten Privatleute, aber auch Ärzte und Apotheker Vorräte angelegt. Das hat die Umsätze im März gegenüber dem Vorjahresmonat um 25 Prozent nach oben getrieben. Ausgewirkt habe sich auch, dass leicht Erkrankte aus Angst vor Infektionen weniger zum Arzt gegangen sind und sich die Arzneien nach der Beratung in den Apotheken gekauft haben. Im zweiten Halbjahr stieg dann die Nachfrage nach Schnelltests, Reagenzien und Materialien für Labore. Davon habe zum Beispiel Roche Diagnostics in Mannheim profitiert.

Lockdowns behindern Export

Im Schatten der Pandemie standen dagegen die Zulieferer der Automobilindustrie. Bei Lacken und Farben sind die Umsätze nach Müllers Worten „regelrecht eingebrochen“, das Minus bewege sich im zweistelligen Bereich. Besser seien Bautenfarben gelaufen, im Geschäft mit Heimwerkern seien die Absätze sogar sehr gut gewesen. Doch dieses Segment werde von Firmen aus Baden-Württemberg kaum bedient. Der Export sei durch die Lockdowns in vielen Staaten behindert worden.

Gut ein Drittel der Firmen spürt die negativen Folgen der Corona-Krise. Bei fünf Prozent sind die Probleme existenziell, erläuterte Müller. Bei Lieferanten für die Autoindustrie verschärfen die technologischen Umwälzungen die konjunkturelle Lage. Auf der anderen Seite gehen mehr als 40 Prozent der Unternehmen davon aus, dass sie bereits in diesem Jahr wieder das Vorkrisenniveau erreichen. In Summe rechnet der Verband für 2021 mit einem Umsatzwachstum zwischen zwei bis drei Prozent.

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In den Chemieverbänden in Baden-Württemberg sind 471 Unternehmen mit 108 000 Beschäftigten organisiert. Angesichts der vergleichsweise guten Lage erwartet fast ein Viertel der Firmen einen Anstieg der Beschäftigung. Die Zahl der Mitarbeiter könnte sich nach Müllers Worten „leicht erhöhen“.

Korrespondent Landespolitischer Korrespondent in Stuttgart