Elektro - US-Autozulieferer will Darmstädter Batteriehersteller übernehmen / Aktionäre sollen 120 Euro je Anteil erhalten BorgWarner bietet für Akasol

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Rolf Obertreis
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Am Hauptsitz Darmstadt sowie in der Produktion in Langen arbeiten insgesamt rund 300 Menschen für Akasol. © dpa

Frankfurt/Darmstadt. Einer der zukunftsträchtigen deutschen Batterie- und Batterie-System-Hersteller geht in US-amerikanische Hände. Für rund 730 Millionen Euro übernimmt der US-Autozulieferer BorgWarner die Darmstädter Akasol AG. Vorstand und Aufsichtsrat begrüßen die Offerte und die damit verbundene „strategische“ Partnerschaft. Die Übernahme ermögliche Akasol eine „hervorragende Perspektive“, sagt Akasol-Vorstandschef und Mitgründer Sven Schulz. „BorgWarner teilt unsere Vision der emissionsfreien Mobilität.“ Gemeinsam mit BorgWarner und deren weltweiter Plattform werde man in der Elektromobilität weiter wachsen und die Technologie- und Marktführerschaft für hochentwickelte Batteriesysteme ausbauen. Akasol soll eigenständig bleiben und als Marke weitergeführt werden.

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Die Unternehmensgründer um Schulz, der das Unternehmen weiter leiten wird, haben sich zur Abgabe ihrer Aktien bereits verpflichtet. Sie halten knapp 60 Prozent der Anteile, allein bei Schulz und dessen Familienholding mit Sitz im schwäbischen Ravensburg liegen 47,41 Prozent der Akasol-Aktien. Das 1990 gegründete Unternehmen ist seit Juni 2018 an der Frankfurter Börse notiert. Im vergangenen Jahr hat sich der Kurs auf knapp 100 Euro nahezu verdreifacht, in diesem Jahr wurde die Schwelle überwunden. BorgWarner bietet 120 Euro, der Akasol-Kurs kletterte am Montag um zeitweise fast 19 Prozent auf 124 Euro.

Alstom und Hyundai als Kunden

Wann die Übernahme abgeschlossen sein wird, lassen Akasol und die deutsche BorgWarner-Vertretung in Mannheim offen. Um die Komplett-Übernahme abschließen zu können, muss sich das US-Unternehmen 95 Prozent der Anteile sichern. Aktuell zählen die US-Investmentbank Morgan Stanley sowie eine Investmentgesellschaft mit jeweils rund fünf Prozent zu den Großaktionären. Gut 32 Prozent der Akasol-Aktien sind breit gestreut.

Akasol hat sich auf Batteriesysteme für elektrisch angetriebene Busse, Lkw, Züge, Baumaschinen und Schiffe spezialisiert. Vereinbarungen gibt es unter anderem mit den Bahn-Herstellern Alstom und Bombardier, mit MTU Friedrichshafen und dem koreanischer Autohersteller Hyundai. Für VW entwickelt Akasol Batteriesysteme für mobile E-Ladesäulen. Bis 2027 stehen Aufträge von zwei Milliarden Euro in den Büchern. Das Unternehmen beschäftigt am Stammsitz in Darmstadt und in der Produktion im südhessischen Langen rund 300 Menschen. In Darmstadt entsteht derzeit eine „Gigafactory“, die Mitte 2021 die Produktion aufnehmen soll. In den USA wurde die erste Fabrik in Betrieb genommen. BorgWarner mit Sitz in der Nähe von Detroit zählt weltweit rund 48 000 Beschäftigte und hat in der Vergangenheit bereits Zulieferer in Deutschland übernommen.

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Allerdings steckt Akasol auch wegen hoher Investitionen und wegen der Corona-Pandemie noch in den roten Zahlen. In den ersten neun Monaten 2020 belief sich der Verlust auf 8,1 Millionen Euro bei einem Umsatz von 40,6 Millionen Euro, ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für das gesamte Jahr 2020 hatte Akasol einen Umsatz von 60 bis 70 Millionen Euro angepeilt. Ob es erstmals zu einem Gewinn gereicht hat, ist noch offen. Vorstandschef Schulz erhofft sich bis 2023 einen Umsatz von rund 300 Millionen Euro.

Korrespondent Seit mehr als 20 Jahren arbeite ich für den Mannheimer Morgen und für andere wichtige Regionalzeitungen wie den Tagesspiegel/Berlin, die Badische Zeitung/Freiburg, die Südwest Presse/Ulm und den Münchener Merkur als Wirtschaftskorrespondent in Frankfurt. Banken, Europäische Zentralbank, Bundesbank, Börse und in Frankfurt ansässige Unternehmen wie Lufthansa und auch Verbände wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA zählen zu meinen Schwerpunkten. Daneben auch die Luftfahrt. Zudem befasse ich mich über die KfW Bankengruppe und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit Fragen der Entwicklungszusammenarbeit.