Heidelberger Druckmaschinen Bis zu 500 Jobs sollen in neuem Gewerbepark entstehen

Von 
Alexander Jungert
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Blick auf den Stammsitz von Heidelberger Druckmaschinen in Wiesloch-Walldorf. VGP hat eine Fläche von rund 130 000 Quadratmetern gekauft. Darauf befinden sich vier Produktionshallen aus den 1960er Jahren (rote Umrahmung). Sie sollen ab Sommer abgerissen werden. © Heidelberger Druckmaschinen AG

Wiesloch-Walldorf. „Das ist nicht nur ein Verkauf von Flächen“, sagt Rainer Hundsdörfer, Vorstandsvorsitzender von Heidelberger Druckmaschinen. „Es ist viel mehr.“ Auf einem Gelände am Stammsitz Wiesloch-Walldorf, das der Konzern nicht mehr benötigt und an den Projektentwickler VGP verkauft hat, soll ein Industrie- und Gewerbepark entstehen. „Mit qualifizierten, guten Arbeitsplätzen für die Region und mit Synergien zu unseren Fähigkeiten“, wie Hundsdörfer erklärt.

77 Parks in Europa

  • Die VGP Gruppe aus Belgien entwickelt, baut und vermietet Industrie- und Logistikimmobilien sowie dazugehörige Bürogebäude.
  • Insgesamt betreibt das Unternehmen 77 Parks in Europa, davon 32 in Deutschland – und zwei in der Region, genauer: in der Pfalz. VGP hat die Hallen für das Amazon-Logistikzentrum in Frankenthal gebaut und vermietet in Bobenheim-Roxheim Gewerbeflächen an den Großhändler Lekkerland.
  • In Europa arbeiten fast 300 Menschen für VGP, davon 120 in Deutschland. 
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VGP lässt sich das rund 130 000 Quadratmeter große Areal einen „mittleren zweistelligen Millionenbetrag“ kosten, also etwa 50 Millionen Euro. Der Vertrag wurde vor Weihnachten unterschrieben. Darius Scheible, einer der beiden Geschäftsführer von VGP Deutschland, sagt: „Aus Erfahrung mit vergleichbaren Projekten rechen wir hier mit etwa 300 bis 500 Arbeitsplätzen.“

Vier Hallen aus den 1960er Jahren – die sich inmitten des Werksgeländes befinden – sollen ab Sommer abgerissen werden. Dann beginnt der Bau der ersten Gebäude. Energieeffizient sollen sie sein, mit Photovoltaikanlagen auf den Dächern. Um den neuen Industrie- und Gewerbepark wird kein Zaun gezogen. Scheibles Kollege Daniel Sigmann erklärt: „Der Park soll sich in die bestehende Umgebung einbetten und nicht wie ein Monolith wirken.“ Auch ein Boulevard samt Grünflächen ist geplant. Der Boulevard bildet den zentralen Bewegungsraum für Fußgänger und Radfahrer. Autos werden schon zuvor „abgefangen“.

Überdimensionierte Hallen

Die künftigen Mieter werden nach Angaben von VGP sowohl mit Heidelberger Druck als auch mit den Städten Wiesloch und Walldorf abgestimmt. Es sollen Betriebe mit eigener Fertigung und Produktion sein. Auf konkrete Branchen legt man sich noch nicht fest. Hundsdörfer wünscht sich jedenfalls einen „technologischen Schulterschluss“.

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In den vergangenen Jahren ist Heidelberger Druck durch verschiedene Sparprogramme stark geschrumpft, tausende Stellen wurden abgebaut. Der Stammsitz ist überdimensioniert für die noch rund 5000 Mitarbeiter. Hallen stehen teilweise oder komplett leer – für den Konzern ist das teuer.

Heidelberger Druck will die Einnahmen aus dem Flächenverkauf für die eigene Liquidität während der Corona-Krise nutzen und zudem in Digitalisierungsprojekte investieren. Weil die Hallen nicht mehr betrieben werden müssten, würden zudem „mehrere Millionen“ gespart, sagt Hundsdörfer.

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Insgesamt umfasst der Stammsitz ein Areal von rund 840 000 Quadratmetern. Davon sollen rund 270 000 Quadratmeter neu vermarktet werden. Die Partnerschaft mit VGP ist der erste Schritt. Über die restlichen Flächen wird zu „gegebener Zeit“ entschieden.

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Heidelberger Druck macht einen tiefgreifenden Wandel durch. Längst ist der Konzern kein „typischer“ Maschinenbauer mehr. Mittlerweile arbeiten in Wiesloch-Walldorf mehr Software-Ingenieure als klassische Maschinenbau-Ingenieure. Das Geschäft wird immer digitaler. Der Konzern will deshalb Zukunftstechnologien vorantreiben, etwa gedruckte organische Elektronik. Mit speziellen Sensoren bestückte Folie ermöglicht es einem Zahnarzt, von dem Gebiss des Patienten einen 3-D-Abdruck zu erstellen.

„Ganz schön geschlaucht“

Mitten in den technologischen Umbruch fällt die Corona-Pandemie. Sie habe Heidelberger Druck „ganz schön geschlaucht“, sagt Hundsdörfer. Doch seit dem vergangenen Frühjahr ziehen die Märkte wieder an. Vor allem in China, dem wichtigsten Einzelmarkt des Unternehmens, lief es zuletzt wieder deutlich besser. Allgemein ist der Dezember nach Angaben von Hundsdörfer recht stark gelaufen.

Er ist fest davon überzeugt, dass die Nachfrage weiter steigt, sobald sich die Corona-Lage bessert. Man werde einen Boom erleben – immerhin gebe es einen riesigen Nachholbedarf.

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Redaktion Alexander Jungert, 1980 in Bruchsal geboren, hat beim "Mannheimer Morgen" volontiert und ist seit 2010 Wirtschaftsredakteur. Während des Studiums arbeitete er unter anderem für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und den "Tagesspiegel" in Berlin. Schreibt am liebsten darüber, was regionale Unternehmen und deren Mitarbeiter umtreibt.