Konjunktur II - Nachfrage ist wegen der Pandemie im Keller – deutsche Industrie macht sich für staatliche Unterstützung stark Autohersteller rufen nach Corona-Kaufprämie

Von 
dpa
Lesedauer: 
Mehr als 800 000 Menschen arbeiten in der deutschen Autoindustrie – die Branche fordert als Schlüsselindustrie vehement Stützungsmaßnahmen. © dpa

Berlin/Wolfsburg. Um die in der Corona-Krise abgestürzte Nachfrage anzukurbeln, fordert die deutsche Autoindustrie staatliche Prämien für den Neuwagen-Kauf. Damit soll auch der Austausch alter Benziner und Dieselwagen gefördert werden. Volkswagen konkretisierte am Montag seine Vorschläge. „Die Produktion der Automobilindustrie kann nur hochfahren, wenn auch der Absatz der Fahrzeuge gesichert ist“, sagte VW-Kernmarkenchef Ralf Brandstätter. Strittig ist jedoch etwa die Frage, ob sich eine mögliche Förderung auf klimafreundliche Antriebe beschränken oder auf alle Arten von Autos erstrecken könnte.

AdUnit urban-intext1

Der coronabedingte „Lockdown“ hat die Branche schwer in Bedrängnis gebracht. Einerseits waren Autohäuser wochenlang geschlossen, und viele Kunden zögern mit der Anschaffung von langlebigen Konsumgütern wie Fahrzeugen. Andererseits rissen zahlreiche Lieferketten. Die Firmen mussten zudem den Gesundheitsschutz in den Werken verbessern.

Die Auto-Neuzulassungen brachen im März ein. Bundesregierung und Ökonomen rechnen mit einer tiefen Rezession in Deutschland. Der private Konsum als Stütze der Wirtschaft geht zurück. Zigtausende Beschäftigte sind in Kurzarbeit, viele haben Einkommensverluste.

„Braucht besonderen Impuls“

Am 5. Mai sind nach dpa-Informationen Beratungen von Bund und Autobranche zu möglichen Stützungsmaßnahmen geplant. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ darüber berichtet. Wie die Zeitung unter Berufung auf Industriekreise meldete, würden auch andere Instrumente diskutiert – etwa eine reduzierte Mehrwertsteuer oder bessere Abschreibungsregeln.

AdUnit urban-intext2

Brandstätter sprach sich für Maßnahmen aus, die gezielt wie auch in der Breite wirkten und Jobs sicherten. Die Öffnung der Autohäuser sei ein erster wichtiger Schritt. Das allein werde aber nicht reichen. „Um Absatz von Neuwagen anzustoßen, braucht es einen besonderen Impuls.“ Automobil- ist neben dem Maschinenbau die deutsche Schlüsselbranche, mehr als 800 000 Menschen arbeiten hier.

Eine Absatzförderung könne ein sinnvoller Beitrag zum Klimaschutz sein, sagte der VW-Manager. „Eine Idee wäre beispielsweise, dass sich die Höhe der Förderung an der Höhe des CO2-Ausstoßes des jeweiligen Neufahrzeuges bemisst. Damit ließe sich der Austausch von alten Fahrzeugen mit Abgasnorm Euro-2 bis Euro-5 beschleunigen.“ Eine Prämie solle auch moderne Verbrenner einschließen.

AdUnit urban-intext3

Umweltschützer sehen Prämien für Benziner oder Diesel skeptisch. Kaufbeihilfen müssten auf jeden Fall an ökologische Kriterien geknüpft sein, sagte BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg. Förderungen von Pkw mit Verbrennungsmotor seien maximal für eine kurze Phase akzeptabel – wenn gleichzeitig festgelegt werde, dass andere Vergünstigungen schrittweise abgebaut werden, etwa die steuerliche Besserstellung von Dieselkraftstoff. 

Mehr zum Thema

Konjunktur Heil für mehr Kurzarbeitergeld

Veröffentlicht
Von
Stefan Vetter
Mehr erfahren