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Essens-Lieferdienste - Lieferando ist ein Gewinner der Corona-Pandemie – doch mit Wolt, Uber Eats und Delivery Hero treten Rivalen an

Angriff auf den Platzhirsch

Von 
Friederike Vogel
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Der Deutschland-Umsatz von Lieferando schnellte im Coronajahr 2020 um 82 Prozent nach oben. Solche Wachstumsraten locken neue Wettbewerber. © dpa

Berlin. Die Lieferdienste wachsen und wachsen. Nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie. Restaurants waren geschlossen, wer nicht selbst kochen wollte, griff oft zur App. Ein paar Klicks, ein bisschen Wartezeit, und Pizza, Burger und Sushi stehen auf dem Tisch. In Deutschland war Lieferando lange der Platzhirsch der Branche. Doch jetzt drängen neue Konkurrenten auf die Straße.

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„Die Corona-Pandemie hat vieles auf den Kopf gestellt“, sagt Andreas Resch, der die Branche für die Commerzbank beobachtet. Das betreffe nicht nur Deutschland, es sei ein globaler Trend.

Lieferando, das zum niederländischen Konzern Just Eat Takeaway gehört, dominierte bisher den deutschen Markt. 26 000 Restaurants in 39 Städten gehörten Ende 2020 zum Portfolio, der Umsatz schnellte hierzulande im Krisenjahr 2020 um 82 Prozent auf 374 Millionen Euro nach oben. 588 Millionen Bestellungen lieferte Just Eat Takeaway weltweit aus. Davon übernahm Lieferando in Deutschland 112 Millionen – 62 Prozent mehr als im Jahr davor.

Aber der Branchenprimus ist nicht mehr unangefochten. „Große Märkte mit wenig Konkurrenz, wie es in Deutschland der Fall ist, ziehen naturgemäß neue Spieler an“, meint Branchenexperte Resch.

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Seit August 2020 macht das finnische Start-up Wolt Lieferando Konkurrenz. „Monopole sind nie gut“, sagt ein Wolt-Sprecher unserer Redaktion. Mit der Entwicklung des Geschäftes in Deutschland sei man sehr zufrieden. In Berlin fing alles an, mittlerweile bringen 4000 Wolt-Fahrerinnen und -fahrer auch in Frankfurt, München, Hannover und Köln Speisen nach Hause. Düsseldorf soll bald folgen.

Speisen, Getränke, Alltagswaren

Auch Wolt profitierte von der Pandemie. „Covid-19 hatte natürlich einen Einfluss. Wir sind etwa fünf bis sechs Monate vor unserer Planung.“ Das Unternehmen habe ein „schnelles Wachstum“ hingelegt und erreiche Ziele, die erst gegen Ende des Jahres 2021 für Deutschland geplant gewesen seien. 285 Millionen Euro setzte Wolt 2020 in 23 Ländern um, eine Verdreifachung zum Vorjahr. Wolt will eine „App für alles“ werden. Also nicht mehr nur Essen liefern, sondern auch Waren des täglichen Bedarfs. Das Gleiche plant auch Lieferando.

Doch Konkurrenz kommt von vielen Seiten. Uber Eats, der Ableger des US-Fahrdienst-Vermittlers Uber, drängt ebenfalls auf den deutschen Markt. Weltweit ist Uber Eats längst ein Schwergewicht, machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 3,9 Milliarden Dollar. Noch liefert Uber Eats nur in Berlin aus. Andere Städte sollen bald folgen. „Aus unserer Sicht war es ein sehr guter Start“, sagt Sprecher Tobias Fröhlich. Für konkrete Zahlen oder eine Bilanz sei es noch zu früh.

Anders als etwa Lieferando stellt Uber die Fahrerinnen und Fahrer nicht direkt an. Das übernehmen Logistikpartner. „Wir wollen unseren Restaurants nicht nur eine Plattform bieten, sondern durch unsere Partner auch die Lieferinfrastruktur zur Verfügung stellen“, so der Sprecher.

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Und dann ist da noch Delivery Hero. Der Berliner Dax-Konzern hatte sich 2019 aus dem deutschen Markt zurückgezogen und Delivery Hero Germany sowie Foodora an Just Eat Takeaway verkauft. Ab August ist die Rückkehr unter der Marke Foodpanda geplant.

Von der neuen Konkurrenz könnte vor allem die Kundschaft profitieren. „Es gibt nur wenige Faktoren, mit denen sich die unterschiedlichen Anbieter voneinander abgrenzen können“, meint Resch. Dazu zählten Liefergeschwindigkeit und Zuverlässigkeit: Wolt etwa will innerhalb von 35 Minuten liefern, Uber Eats in 30 Minuten.

Für die Kundinnen und Kunden fällt eine Liefergebühr von bis zu 2,90 Euro an. Profitabel ist das bislang nicht: Delivery Hero etwa machte 2020 zwar einen Umsatz von 2,47 Milliarden Euro, und dennoch stand am Ende des Jahres ein Minus von 1,4 Milliarden Euro.

Dass der starke Wettbewerb in der Branche die Lage der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verbessert, sieht Christoph Schink von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten nicht: „Die Arbeitsbedingungen sind bei egal welchem Lieferdienstanbieter knallhart. Die nehmen sich alle nicht viel.“

Tarifvertrag angestrebt

Das Geschäft würde zwar für die „Rider“, die Kurierfahrerinnen und -fahrer, belebt, aber „es wird sich für die Beschäftigten durch mehr Wettbewerber nicht automatisch etwas verbessern, dafür müssen wir als Gewerkschaft gemeinsam mit den Beschäftigten kämpfen“, so Schink. Ziel sei es, einen Tarifvertrag für die Branche zu erreichen.

Was bleibt vom Boom der Lieferdienste, wenn die Pandemie vorbei ist? Experte Resch glaubt an weiteres Wachstum. Allerdings nicht für alle: „Eine derartige Dynamik schreit geradezu nach Konsolidierung. Viele neue Mitbewerber könnten nach einiger Zeit an Grenzen stoßen, auch finanziell.“ Resch geht davon aus, dass es in zwei bis drei Jahren wieder zu Konsolidierungen kommen wird – und nur wenige Anbieter langfristig überleben.

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