Urteil - Oberlandesgericht München bestätigt, dass Ursprungsort von Früchten und Gemüse bekannt sein muss / Foodwatch-Klage gegen US-Onlinehändler Amazon muss Herkunftsland von Obst angeben

Von 
dpa
Lesedauer: 
Der Lieferservice Amazon-Fresh hat gegen eine EU-Verordnung verstoßen. © dpa

München. Das Gesetz gilt für alle – deshalb muss auch der Online-Händler Amazon seinen Kunden bei der Bestellung von frischem Obst und Gemüse das Herkunftsland angeben. Genauso wie der Supermarkt um die Ecke und der Händler auf dem Wochenmarkt. Das hat das Oberlandesgericht München klargestellt und ein Urteil des Landgerichts München bestätigt. Wie der Senatsvorsitzende Andreas Müller erklärte, müssen Lebensmittelhändler den Verbrauchern das Land angegeben, in dem das Obst und Gemüse geerntet wurde. Diese transparente Produktinformation schreibe eine EU-Verordnung zum Schutz der Verbraucher vor.

AdUnit urban-intext1

Die Angabe, dass die Weintrauben aus Italien oder Brasilien oder Indien oder zehn anderen Ländern kommen, verstoße gegen diese Vorgaben. „Vielleicht möchte ich im Herbst Weintrauben aus einem europäischen Land haben und nicht aus Südafrika“, sagte der Richter. Ebenso verstoße es gegen das Gesetz, wenn Mangos aus dem Senegal bestellt, dann aber aus Israel geliefert würden. Der Verbraucherschutzverein Foodwatch hatte das festgestellt und Amazon verklagt.

Geschäftsmodell geändert

Amazon argumentierte dagegen, dass die Angabe von nur einem Ursprungsland im Online-Lebensmittelhandel gar nicht möglich sei. Und dass die Kunden das auch gar nicht erwarten würden. Wenn Erdbeeren für ein Fest in drei Wochen bestellt würden, hänge es vom Wetter und der Ernte ab, woher die Ware letztendlich komme, sagte die Amazon-Anwältin.

So geht’s nicht, hatte schon das Landgericht dem Konzern ins Stammbuch geschrieben: Wenn das Amazon-Geschäftsmodell damit nicht funktioniere, müsse der Online-Händler sein Geschäftsmodell eben ändern und nicht umgekehrt. Dass das – anders als zunächst behauptet – auch geht, hat Amazon inzwischen gezeigt. Wie die Anwältin des Unternehmens vor Gericht sagte, gibt Amazon fresh jetzt ein konkretes Ursprungsland an. Allerdings könnten Kunden jetzt nur noch drei Tage im Voraus bestellen, das Angebot sei kleiner geworden, und „die Verkaufsmenge ist um über 20 Prozent gesunken“.

AdUnit urban-intext2

Ein harter Schlag, denn nach Einschätzung des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI verdient in Deutschland noch niemand Geld mit dem Online-Lebensmittelhandel – von Spezialisten wie Weinversendern abgesehen. Deshalb tummeln sich auch nur wenige auf diesem Feld. Während im Einzelhandel vor Ort die Supermärkte und Discounter die größten Umsätze machen, ist es in der Online-Welt genau umgekehrt: Da sind die Lebensmittelhändler die Zwerge mit zwei Prozent Geschäftsanteil. 

Mehr zum Thema

Wohltätigkeit MacKenzie Scott verschenkt Milliarden für gute Zwecke

Veröffentlicht
Von
Jonas Erlenkämper
Mehr erfahren