Lebensmittel Alnatura mit neuem Öko-Siegel zertifiziert

Von 
Hannes Koch
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Der Alnatura Markt in Heidelberg © Alnatura

Berlin/Darmstadt. Berlin/Darmstadt. Verbraucher und Unternehmen können sich an einem neuen Standard für ökologisch und sozial hergestellte Lebensmittel orientieren. Die Träger des Siegels „We Care“ (Englisch für „Wir kümmern uns“) nehmen für sich in Anspruch, Firmen der Lebensmittelbranche und ihre Lieferketten erstmals komplett zu erfassen. Als erste Unternehmen haben der Darmstädter Bio-Einzelhändler Alnatura und Lebensbaum die kostenpflichtige Zertifizierung durchlaufen.

„Ergänzung bisheriger Standards“
Getragen wird das neue Siegel von dem ursprünglich aus der Schweiz stammenden Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FIBL). Laut FIBL-Deutschland-Chef Robert Hermanowski geht es darum, die zertifizierten Unternehmen „als ganze“ zu erfassen, nicht nur einzelne Produkte oder Aspekte ihrer Fertigung. Dementsprechend prüft „We Care“, ob das Management des gesamten Geschäfts an sozialen und nachhaltigen Kriterien ausgerichtet ist. Das Siegel richte sich an alle Firmen der Lebensmittelwirtschaft, es soll zum „Branchenstandard“ werden.
Das Zertifikat ist als „Ergänzung bisheriger Standards“ gedacht, erklärte Jenny Teufel. Für das Öko-Institut leitet sie den Steuerungskreis. Tatsächlich existieren schon zahlreiche Zeichen, die Verbraucherinnen und Verbraucher auch auf den Verpackungen von Lebensmitteln finden, etwa EU-Bio, Bioland, Demeter oder Fairtrade. Und bald dürfte das Lieferkettengesetz der Bundesregierung in Kraft treten, das für die gesamte Wirtschaft, damit auch für Nahrungsmittel gilt.
Allerdings sei „We Care“ sinnvoll, um die „Lücken zwischen den bisherigen Zertifikaten zu füllen“, schilderte Henning Osmers-Rentzsch von der Firma Lebensbaum seine Erfahrung. So werde umfassender als bisher verlangt, sämtliche sozialen und ökologischen Risiken zu beleuchten. Sein Betrieb unterstütze jetzt beispielsweise Bauern auch darin, ihre Kinder zu weit entfernten Schulen zu schicken.
Die Zertifizierer bewerten Händler und Produzenten anhand von 164 Kriterien in den Bereichen Unternehmensführung, Lieferkettenmanagement, Umweltmanagement und Mitarbeiterverantwortung. Durchleuchtet werden sollen alle Stufen der Fertigung bis zum letzten Vorlieferanten in Entwicklungsländern. Unter anderem geht es dabei um Klimaschutz, Tierwohl, auskömmliche Preise für Rohwaren und Herstellung ohne Gentechnik.
Bei der Entlohnung der Beschäftigten in Entwicklungs- und Schwellenländern bleibt „We Care“ allerdings hinter anderen Kriterien-Katalogen zurück. Hier wird nur „faire Bezahlung, mindestens gemäß dem gesetzlichen Mindestlohn des jeweiligen Landes“ gefordert. Die Organisation Fairtrade dagegen hat sich auf den Weg zu existenzsichernden Löhnen gemacht. Der Unterschied: Die staatlich festgesetzten Mindestlöhne sind oft zu niedrig, um den Lebensunterhalt der Beschäftigten zu decken.

Auch Wasserverbrauch dargelegt
Als Beispiel für die Wirkung von „We Care“ nannte Hermanowski den Anbau von Avocados. Bisherige Siegel würden zwar die Bio-Qualität bescheinigen, beispielsweise aber die Menge des verwendeten Wassers ausklammern. Nun sollen hiesige Unternehmen auch darlegen, wie sich der Wasserverbrauch reduzieren lasse. Manon Haccius von Alnatura erläuterte, dass es laut „We Care“ nicht reiche, Ökoenergie einzusetzen. Die Unternehmen müssten sich auch Gedanken machen, wie sie ihren Energieverbrauch insgesamt verringern könnten.

We-Care-Zertifizierung: Vorgaben für Lieferanten

  • Eine der Grundlagen für die We-Care-Zertifizierung von Alnatura ist die nach Unternehmensangaben bereits seit 2014 geltende Alnatura Policy Sozialstandards.
  • Diese definiert Vorgaben an Herstellerpartner, die Rohwaren für Alnatura-Produkte in sogenannten „Risikoländern“ einkaufen und verarbeiten. Als Risikoländer bezeichnet das Unternehmen eigenen Angaben zufolge Länder mit schwierigen politischen, rechtlichen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen .
  • Alnatura dulde entsprechend dieser Richtlinien „für keines seiner Produkte Diskriminierung, unfaire Bezahlung oder prekäre Arbeitsbedingungen“. red
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