Vermögen - Immer mehr Anleger wollen nicht nur möglichst gewinnbringend, sondern auch nachhaltig investieren Rendite mit gutem Gewissen

Von 
Leonard Kehnscherper
Lesedauer: 

Umweltprojekte können Anleger auch mit ihren Investments fördern. Allerdings sollten sie bei bestimmten nachhaltigen Finanzprodukten vorsichtig sein.

© dpa

Bremen. Wer mit seinem Geld nicht jede Industrie unterstützen will, kann in sogenannte nachhaltige Anlagen investieren. Damit können Anleger bedenkliche Geschäftspraktiken wie Kinderarbeit, Rüstungsdeals oder Massentierhaltung in ihrem Depot vermeiden, erklärt Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen. Auch könnten Anleger gezielt klimafreundliche Projekte finanzieren, wie Solarparks oder energieeffiziente Immobilien.

Tipps bei der Auswahl der Produkte

  • Grundsätzlich sollten Anleger Produkte vorziehen, die schon eine etwas längere Expertise vorweisen können, oder Fondshäuser wählen, die sich auf das Thema Nachhaltigkeit spezialisiert haben.
  • Vermögensmanager Andreas Görler empfiehlt zudem: "Bei größeren Fondsgesellschaften sollten Anleger prüfen, ob der verantwortliche Manager zumindest schon länger in diesem Bereich unterwegs ist."
  • Da das Heraussuchen guter Aktien in diesem Segment noch schwieriger sei als gewöhnlich, rät Görler zudem zu einem aktiven Managementansatz. "Dann muss der Privatanleger nicht auch noch das Timing für die Investition berücksichtigen."
  • Die meisten Portfolios bestünden allerdings aus Aktien. Anleger müssten deshalb darauf achten, dass ihr Engagement nicht zu hohe Wertschwankungen beinhaltet.
AdUnit urban-intext1

Bislang ist es eine Nische, die aber größer wird. 2016 lag das Gesamtvolumen für nachhaltige Anlagen in Deutschland bei knapp 157 Milliarden Euro, berichtet Claudia Tober, Geschäftsführerin des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG). Seit 2008 hat der nachhaltige Anlagemarkt jedes Jahr stärker zugelegt als der konventionelle. Allerdings ist der Anteil mit rund 2,8 Prozent am Gesamtmarkt nach wie vor gering.

Und woran erkennen Interessierte eine nachhaltige Anlage? Sie beziehen den Einfluss von sogenannten ESG-Kriterien ein, erläutert Tober. Übersetzt steht ESG für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Hierfür gibt es verschiedene Strategien: So schließen manche Fonds Investments in bestimmte Branchen aus. Die Best-in-Class-Strategie ist weniger streng. Sie wählt die Unternehmen aus, die ökologische und ethische Standards in ihrer Branche zumindest am besten umsetzen. Die konkreten Anlagestrategien variieren jedoch je nach Finanzprodukt. Diese Vielfalt sei mit Blick auf die Wünsche der Anleger auch sinnvoll, so Tober. Schließlich spielten die Lebenssituation, das Werteverständnis oder die Religion in den individuellen Nachhaltigkeitsbegriff hinein.

"Dennoch ist Nachhaltigkeit kein relativierbarer Begriff", stellt Tober klar. Deshalb habe ihr Verband mit dem FNG-Siegel vor gut zwei Jahren einen Qualitätsstandard für nachhaltige Geldanlagen im deutschsprachigen Raum eingeführt. Um das Siegel zu erhalten, müssen Fonds Waffen und Kernkraft aus ihren Depots ausschließen. Ebenso müssen sie die vier Bereiche des sogenannten Globalen Pakts zwischen Unternehmen und den Vereinten Nationen berücksichtigen. Dazu gehören Menschen- und Arbeitsrechte, Umweltschutz sowie die Bekämpfung von Korruption und Bestechung. Derzeit haben 39 Fonds das FNG-Siegel.

AdUnit urban-intext2

"Nachhaltige Investitionsmöglichkeiten finden sich mittlerweile bei nahezu allen Finanzprodukten und Anlageklassen", sagt Tober. Anleger können in Fonds oder Anleihen, Lebensversicherungen, fondsgebundene Versicherungen oder Rentenversicherungen investieren. Doch ist die Rendite dabei niedriger als bei herkömmlichen Anlagen?

Dies sei leider ein weit verbreitetes Vorurteil, so Tober. Zahlreiche Studien belegten, dass nachhaltige Investments keine Nachteile für die Performance bedeuten. "Aufgrund des guten Risikofilters von Nachhaltigkeit zeigen einige Studien sogar, dass nachhaltiges Investment leichte Vorteile bietet", erklärt Tober. Viele dächten bei nachhaltigen Investments zwar häufig an risikoreiche erneuerbare Energien. Diese machen Tober zufolge jedoch nur einen kleineren Bereich des gesamten Segments aus.

AdUnit urban-intext3

Vorsichtig sollten Anleger bei Angeboten aus dem grauen Kapitalmarkt sein, warnt Oelmann. Dazu gehören Direktbeteiligungen und Nachrangdarlehen. "Das sind riskante Anlageformen, die für den Privatanleger in der Regel nicht geeignet sind", sagt Oelmann. Nur weil ein Investment gut für den Klimaschutz ist, bedeute das nicht, dass der Anleger einen sicheren Ertrag erzielt. Bei diesen kaum regulierten Produkten könnten Anleger sogar ihr Geld verlieren.

AdUnit urban-intext4

Zudem könnten bei Aktien kleinerer Unternehmen Liquiditätsengpässe an den Börsen entstehen, ergänzt Andreas Görler, Vermögensmanager bei der Pruschke & Kalm GmbH. Das werde regelmäßig problematisch, wenn Anleger ihr Investment wieder verkaufen wollen. "Bei Ökologiefonds, die zusätzlich einen Nachhaltigkeitsausschuss als Überwachungsgremium vorhalten oder externe Firmen beauftragen, entstehen ebenfalls zusätzliche Kosten", sagt Görler. Langfristige Vergleiche seien jedoch nur selten möglich. Denn viele Anlageprodukte wurden erst in den letzten Jahren aufgelegt.