Finanzen - Ein Sparbuch lohnt sich kaum – mehr Rendite für Kinder oder Enkel bringen Aktien mit Sparplan Geldanlagen für den Nachwuchs

Von 
Nicolas Heronymus
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Berlin. Sparen für Kinder war lange ganz einfach: Ein Sparbuch bei der Bank um die Ecke brachte drei oder vier Prozent Zinsen. Heute bringt es kaum noch Zinsen. Bei Tages- und Festgeld sieht es ebenfalls düster aus. Wer heute gewinnbringend Geld anlegen will, muss ein gewisses Risiko auf sich nehmen – und in Aktien investieren. Am besten in einen sogenannten Indexfonds (ETF). An die Stelle des Sparbuchs tritt das Wertpapierdepot. Auch das können Eltern auf den Namen ihres Kindes eröffnen.

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Wichtig: Auch Kinder haben eine eigene Steuer-ID und eigene Steuerfreibeträge. Im Jahr 2021 könnte ein Kind steuerfrei Gewinne von bis zu 10.581 Euro erzielen – solange es keine anderen Einkünfte hat. Eltern haben zwar die Vollmacht über das Depot, dürfen das Geld aber weder für den Unterhalt des Kindes noch für sich selbst ausgeben – auch nicht in Notlagen. Das Geld gehört dem Nachwuchs. Und am 18. Geburtstag erlischt die Vollmacht.

Depot eröffnen – so funktioniert’s

Ein Kinderdepot können Neukunden online eröffnen. Wichtig sind: die Geburtsurkunde und Steuer-ID des Kindes sowie Ausweise und Steuer-IDs der Eltern.

Sind die Eltern nicht verheiratet oder stellt ein Alleinerziehender den Antrag, fordern die Anbieter meist einen Sorgerechtsnachweis. Denn ein Depot fürs Kind können nur die gesetzlichen Vertreter eröffnen.

Es müssen auch alle den Antrag unterschreiben. Großeltern müssen sich an die Eltern wenden, wenn sie für ihre Enkel sparen wollen.

Beim Antrag müssen Eltern auch angeben, ob sie Kenntnisse und Erfahrungen im Wertpapierhandel haben. Anbieter müssen sicherstellen, dass ihre Kunden die Produkte verstehen, in die sie investieren.

Allerdings können Kunden auch in ETFs anlegen, wenn sie keine bisherigen Kenntnisse angeben. Dafür müssen sie vor dem Kauf eines Anteils einen Warnhinweis beherzigen – oder ihre Angaben anpassen.

Ist der Antrag ausgefüllt, müssen die Eltern ihn an die Bank schicken und sich in einer Postfiliale oder in einem Videoanruf identifizieren.

Wer ein Kinderdepot eröffnet, sollte darauf achten, dass es kostenlos geführt werden kann – und auch für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren nur geringe Gebühren anfallen. Zudem sollte es Sparpläne auf geeignete Indexfonds anbieten.

Direktbanken erfüllen Kriterien

Depots, die all diese Kriterien erfüllen, gibt es nach Finanztip-Recherchen bei Direktbanken. Die besonders günstigen Online-Broker, also auf Wertpapierhandel spezialisierte Anbieter, haben dagegen noch keine Depots für Kinder im Angebot.

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Ein wichtiger Unterschied zwischen den Banken sind die Gebühren für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren. Einige berechnen die Ordergebühren im Verhältnis zur Anlagesumme, andere nehmen einen Pauschalbetrag. Wer nur ab und zu Geld aufs Kinderdepot überweist und in neue Fonds anlegt, fährt mit pauschalen Gebühren günstiger – wie zum Beispiel bei der DKB. Wer in vielen kleinen Sparraten unter 100 Euro anlegt, für den eignet sich eher ein Anbieter, der prozentuale Gebühren nimmt – wie zum Beispiel die Comdirect oder die Consorsbank.

Ist das Depot eröffnet (s. Infokasten), müssen die Eltern einen passenden ETF für das Kind finden. Finanztip empfiehlt breit aufgestellte Aktien-ETFs. Das kann zum Beispiel ein ETF auf den MSCI World sein – das globale Gegenstück zum deutschen Dax. Dieser investiert in mehr als 1600 Unternehmen aus 23 Industriestaaten. Beim Dax sind es bloß 30 Firmen aus einem Land. Mit einer solch breiten Streuung sinkt das Risiko, dass sich die Kurse schlecht entwickeln und Anleger Verluste hinnehmen müssen. Wenn also einzelne Unternehmen oder ganze Branchen schwächeln, dann bringt das nicht gleich den ganzen Fonds aus dem Gleichgewicht. Am Schluss müssen die Eltern noch entscheiden, ob sie regelmäßig sparen oder nur hin und wieder etwas anlegen wollen.

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Die meisten Direktbanken bieten fürs regelmäßige Investieren Sparpläne an, mit denen Kunden ab 25 Euro im Monat anlegen können

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Ein Sparplan hat den Vorteil, dass monatlich nur ein kleiner Betrag fällig wird, sich über 15 oder 20 Jahre aber eine große Summe ansammeln kann. Denn der Zeitraum ist lang genug, um Schwankungen an der Börse wieder auszugleichen. In den vergangenen 18 Jahren lag die Rendite bei rund acht Prozent pro Jahr. Und wer Monat für Monat nur 25 Euro eingezahlt hätte, käme jetzt nach Finanztip-Berechnungen auf gut 12.800 Euro. Dabei wären nur 5400 Euro eingezahlt worden. Klar ist aber auch: Der Aktienmarkt kann sich auch schlechter entwickeln.

Sind Dauerauftrag und Freistellungsauftrag eingerichtet, heißt es zurücklehnen und abwarten, wie sich die Geldanlage entwickelt. zrb

Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit . Der Ratgeber für Verbraucher gehört zur Finanztip-Stiftung. finanztip.de