AdUnit Billboard
Finanzen - Auch im engsten Kreis raten Expertinnen dazu, Bedingungen zu vereinbaren und sich vertraglich abzusichern

Geld verleihen in der Familie?

Von 
tmn
Lesedauer: 
In Notlagen helfen viele den Verwandten eher unbürokratisch aus.

Berlin/Bremen. Die eine hat’s, der andere braucht’s: Innerhalb der Familie hilft man sich schon mal gegenseitig aus. Etwa wenn es um Geld geht. Doch selbst im nahen Verwandtenkreis gilt es sicherzustellen, dass eine Leihe am Ende kein Reinfall wird. Wie das geht, erklären zwei Expertinnen.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Was sollte man beim Verleihen von Geld unbedingt beachten?

„Juristisch gesehen handelt es sich bei der Leihe von Geld meist um einen Darlehensvertrag“, sagt Rechtsanwältin Johanna Mathäser. Das geliehene Geld muss spätestens bis zum Ablauf der vereinbarten Frist zurückbezahlt werden. Bevor ein solches Geschäft zustande kommt, sollten sich Darlehensgeber in jedem Fall über die Rahmenbedingungen der Leihe Gedanken machen, rät Mathäser.

Also etwa: Was soll mit dem Geld finanziert werden? Wie nahe steht einem das Familienmitglied? Wie schwer wiegt der Ausfall des Geldes, falls der Darlehensnehmer das Geld nicht zurückbezahlen kann? Was könnte das zwischenmenschlich für Auswirkungen haben? Soll ein Zins vereinbart werden? Ist die Grundlage gelegt, bleibt die Frage: Wie übergibt man das Geld am besten? Im Idealfall per Überweisung, sagt Mathäser. Und zwar mit Angabe des Verwendungszwecks Darlehen, damit über die Rückzahlungspflicht des Darlehensnehmers keine Zweifel entstehen.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Wer das Geld bar übergeben will, sollte sich den Empfang zumindest per Unterschrift bestätigen lassen, sagt Annabel Oelmann, Vorständin bei der Verbraucherzentrale Bremen.

Sollte man die Leihe vertraglich absichern?

„Unbedingt“, sagt Oelmann. So können Unklarheiten zwischen den Parteien ausgeschlossen werden. Außerdem sei eine schriftliche Vereinbarung jederzeit nachvollziehbar – etwa für den Fall, dass einer Partei etwas zustoßen sollte, so Mathäser.

Der Vertragsinhalt kann von den Parteien frei bestimmt werden. Sinnvoll sei mindestens die Regelung des Betrags, des genauen Rückzahlungszeitpunktes und der Zinsen, sagt Mathäser. Zudem, ob das Geld am Stück oder in Raten zurückbezahlt werden soll. Geht es um höhere Beträge, könne auch das Thema Sicherheiten vertraglich festgehalten werden, sagt Verbraucherschützerin Oelmann. In den Vertrag müssen außerdem die Namen, Adressen und Unterschriften beider Parteien.

AdUnit Mobile_Pos4
AdUnit Content_3

Sollte man eine Verzinsung des geliehenen Geldes vereinbaren?

„Bei einem Fuffi oder bei 100, 200 Euro würde ich nicht auf die Idee kommen, Zinsen zu verlangen“, sagt Annabel Oelmann. „Aber wenn es über einen gewissen Betrag und Zeitraum hinausgeht, ist ein Zins natürlich gerechtfertigt.“

Die Höhe der Verzinsung sollte sich dabei mindestens an den Leistungen eines Tagesgeldkontos orientieren, rät Oelmann. Laut der Zeitschrift „Finanztest“ (4/2022) liegt der rentabelste Tagesgeld-Zinssatz derzeit bei 0,2 Prozent. Man müsse daher aktuell nur sehr wenig bieten, um besser als jedes Tagesgeldkonto zu sein, aber immer noch günstiger als jeder Verbraucher- oder Immobilienkredit, sagt Oelmann. Und genau das sei der Zinsraum, der für beide Parteien interessant sein kann.

Was, wenn das Geld nicht zurückbezahlt wird wie vereinbart?

Fließt das Geld nicht zurück wie vereinbart, sollte man den Darlehensnehmer freundlich an die Zahlung erinnern, sagt Oelmann. Geschieht weiterhin nichts, rät sie: „Ab zum Anwalt.“ Hat der Darlehensnehmer kein pfändbares Vermögen, bringt aber auch ein Gerichtsverfahren wenig. Dann ist das Geld im Zweifel weg. tmn

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1