Walldorfer Softwarekonzern SAP bereitet virtuelle Hauptversammlung vor

Von 
Alexander Jungert
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Archivbild. © dpa

Walldorf. Christian Klein hat sich seine erste Hauptversammlung als Vorstandssprecher von SAP sicher anders vorgestellt. Auf großer Bühne in der Mannheimer SAP Arena. Mit Generaldebatte und vor 3000 Aktionären, so wie im vergangenen Jahr. Doch die Corona-Pandemie macht einen Strich durch die Rechnung. Große Menschenansammlungen sind verboten.
Der Softwarekonzern richtet seine Hauptversammlung an diesem Mittwoch deshalb rein virtuell aus. Klein wird in einem Konferenzraum in der Walldorfer Zentrale sitzen statt in der Arena, mit ihm weitere Vorstandsmitglieder, der Veranstaltungsleiter und der Notar. SAP überträgt live über das Internet. Aktionäre können elektronisch abstimmen und Fragen im Vorfeld einreichen.
Zu besprechen gibt es sicher viel: der abrupte Abschied von Co-Chefin Jennifer Morgan, die gerade erst öffentlich gemachten Sicherheitslücken in einigen Cloud-Plattformen, die Integration milliardenschwerer Zukäufe. Derzeit ist der Aktienkurs niedriger als beim Ausscheiden des langjährigen Konzernchefs Bill McDermott Mitte Oktober. Und dann ist da noch die Corona-App, die SAP gemeinsam mit der Telekom im Auftrag der Bundesregierung entwickelt. Sie soll es ermöglichen, Infektionsketten in der Bevölkerung aufzuspüren und einzudämmen.
Das allein würde schon reichen. Nun kommt kurz vor der Hauptversammlung Kritik an der Zusammensetzung des Vorstandes auf. Dieser sei „für einen Konzern in der Größe und Internationalität von SAP sehr klein, sehr jung, sehr deutsch und sehr technologielastig“, wird Aktionärsvertreter Markus Golinski von der Fondsgesellschaft Union Investement in der Nachrichtenagentur Reuters zitiert. Neben Klein sitzen fünf Mitglieder im Vorstand: Adaire Fox-Martin (Kundenerfolg), Luka Mucic (Finanzen), Jürgen Müller (Technologie), Thomas Saueressig (Produktentwicklung) und Personalchef Stefan Ries. Noch im Februar waren es acht Mitglieder.
Auch Ries wird zur Hauptversammlung ausscheiden. „Über seine Nachfolge wird gerade diskutiert“, sagt ein Konzernsprecher. „Hierbei sind verschiedene Optionen denkbar.“ Details lässt er offen.
Klein, Müller und Saueressig sind alle in den 1980er Jahren geboren. Fox-Martin ist die einzige Person im Vorstand mit ausländischem Pass – sie hat die irisch-australische Staatsbürgerschaft. SAP weist die Kritik von Union Investment zurück. Auch wenn der Vorstand gerade sehr „deutsch“ wirke, sei man in den Ebenen darunter sehr vielfältig aufgestellt.
Dividende unverändert
Die ehemalige Co-Chefin Morgan sollte Bindeglied zu den USA sein. Analysten und Fondsgesellschaften warnen deshalb davor, den wichtigen Markt aus dem Fokus zu verlieren. Die Fondsgesellschaft Deka fordert gar, im Vorstand nachzurüsten.
SAP hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019 im Tagesgeschäft deutlich profitabler abgeschnitten. Weil der Konzern aber viel Geld für einen Stellenabbau ausgab, ging der Gewinn zurück. Mitten in der Corona-Krise – fast alle der weltweit 100 000 Mitarbeiter sind im Homeoffice – will SAP seine Aktionäre bei der Stange halten. Die Dividende soll 1,58 Euro je Aktie betragen, acht Cent mehr als im Vorjahr. Für das aktuelle Geschäftsjahr hat SAP wegen der Corona-Pandemie seine Prognose schon Anfang April eingedampft.

Redaktion Alexander Jungert, 1980 in Bruchsal geboren, hat beim "Mannheimer Morgen" volontiert und ist seit 2010 Wirtschaftsredakteur. Während des Studiums arbeitete er unter anderem für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und den "Tagesspiegel" in Berlin. Schreibt am liebsten darüber, was regionale Unternehmen und deren Mitarbeiter umtreibt.