Corona-Tests aus Mannheim retten Roches Geschäftsjahr

Von 
Madeleine Bierlein
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Basel/Mannheim. Im Kampf gegen das Coronavirus ist Roche seit Beginn der Pandemie ganz vorne mit dabei. Dennoch hat die Corona- Krise den Schweizer Pharmakonzern im vergangenen Geschäftsjahr 2020 stark belastet. Die Umsätze gingen konzernweit um 5 Prozent auf rund 58,3 Milliarden Franken (53,9 Mrd Euro) zurück, wie das Unternehmen am Donnerstag in Basel mitteilte. Wegen geringerer Wertberichtigungen stieg der Gewinn unter dem Strich jedoch um sieben Prozent auf rund 15,07 Milliarden Franken.

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Ein großes Problem: In der Pandemie „gingen die Menschen nicht mehr zum Arzt“, sagte Roche-Chef Severin Schwarz bei der Präsentation der Jahreszahlen. Das bremste sowohl die Geschäfte in der Pharmasparte als auch in der Routinediagnostik. Dazu kommt der starke Schweizer Franken. Auch der abgelaufene Patentschutz für ältere Krebsmedikamente und die damit einhergehenden Nachahmerprodukte schmerzen den Konzern.

Produktion auf Hochtouren im Mannheimer Werk: Seit Beginn der Pandemie wurden hier rund 50 neue Stellen geschaffen. © Roche

Mannheim spielt wichtige Rolle

Positive Nachrichten gab es hingegen von der Diagnostiksparte, die im vergangenen Jahr ihre Verkäufe währungsbereinigt um 14 Prozent ankurbeln konnte. „Das Wachstum wurde vor allem durch Covid-19-Tests getrieben“, berichtete Thomas Schinecker, Chef der Roche-Diagnostik-Sparte. So hat das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr insgesamt zwölf Tests in Zusammenhang mit Covid-19 entwickelt, darunter PCR-Tests und Schnelltests, die eine Infektion anzeigen, außerdem Antikörper-Tests, die klären sollen, ob in der Vergangenheit eine Infektion vorlag.

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Die deutschen Standorte Mannheim und Penzberg spielen dabei eine zentrale Rolle. Denn dort werden die Testkits produziert und abgefüllt und anschließend vom globalen Logistikzentrum in Mannheim aus in 170 Länder verschickt. Der tägliche Umschlag an Paletten hat sich in der Pandemie von rund 600 auf mehr als 1100 gesteigert.

Entsprechend erfreut zeigte sich Claus Haberda, Geschäftsführer und Leiter Finanzen der Roche Diagnostics GmbH. „Wir sind stolz darauf, mit unseren diagnostischen und therapeutischen Lösungen zu Covid-19 einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie zu leisten“, sagte er. „Die Lieferfähigkeit sicherzustellen ist dabei eine große Verantwortung und motiviert uns jeden Tag.”

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Virus wird bleiben

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Um der steigenden Nachfrage nach Medikamenten und diagnostischen Tests gerecht zu werden, baute Roche in Mannheim im vergangenen Jahr seine Mitarbeiterzahl auf rund 8400 aus. In der Diagnostika-Produktion wurden rund 50 neue Stellen geschaffen, im Logistikzentrum kamen 85 hinzu. Damit behauptet sich Mannheim als größter Roche-Standort in Deutschland und drittgrößter weltweit. Erst im Dezember hatte der Konzern angekündigt, 206 Millionen Euro in Mannheim zu investieren - 106 Millionen Euro in Diagnostik und Produktion, den Rest in Modernisierungsmaßnahmen vor allem von Arbeitsplätzen.

Für das Geschäftsjahr 2021 zeigte sich das Management optimistisch. Es befänden sich zahlreiche Medikamente in der Entwicklung, hob Pharma-Chef Bill Anderson hervor. Insgesamt rechnet der Konzern ähnlich wie im Vorjahr währungsbereinigt mit einem Wachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Corona-Tests dürften dabei weiterhin eine große Rolle spielen. „Auch wenn wir die Pandemie überwinden, wird das Virus unter uns bleiben, so wie Grippe-Viren“, betonte Severin Schwarz. Auch dafür braucht es dann Diagnostik-Möglichkeiten und zielgenaue Medikamente - an denen Roche ebenfalls arbeitet.

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