Industrie Daimler erwartet höhere Auslastung in Mannheim

Von 
Alexander Jungert
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Blick in das Lkw-Motorenwerk Mannheim. Das Bild wurde vor der Corona-Pandemie aufgenommen. © Daimler AG

Mannheim. Daimler geht davon aus, dass sich die Weltwirtschaft im Jahr 2021 deutlich erholen wird – folglich will der Konzern mehr Fahrzeuge verkaufen, mehr Umsatz erzielen und das operative Ergebnis steigern. Das ist die Prognose des Vorstandsvorsitzenden Ola Källenius. „Wir sind zuversichtlich, dass wir unsere positive Dynamik beibehalten können“, erklärte er am Donnerstag bei der Vorlage der Jahresbilanz 2020. Obwohl der Umsatz um elf Prozent auf 154 Milliarden Euro gesunken ist, legte das Konzernergebnis um 48 Prozent auf vier Milliarden Euro zu.

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Zwar hat der gesamte Konzern das Corona-Jahr weit besser überstanden als gedacht. Allerdings ist der Absatz von Lastwagen und Bussen deutlich zurückgegangen. Daimler ist mit rund insgesamt 8600 Beschäftigten Mannheims größter Arbeitgeber. Im Werk von Mercedes-Benz werden Lkw-Motoren hergestellt, im Werk von Evobus Busse für den öffentlichen Nahverkehr.

„Die Pandemie hatte im vergangenen Jahr erhebliche Auswirkungen auf die komplette Busbranche“, sagte Evobus-Chef Till Oberwörder laut Mitteilung. „Ursprünglich hatten wir für 2020 ein Absatz-Rekordjahr für Daimler Buses prognostiziert. Vor diesem Hintergrund sind die Geschäftszahlen für das Jahr 2020 natürlich sehr ernüchternd.“ Trotzdem ist das Unternehmen nach eigenen Angaben in den Kernmärkten – EU, Brasilien, Mexiko, Türkei und Argentinien – weiterhin Marktführer. In Deutschland lag demnach der Absatz auf dem Vorjahresniveau, was vor allem an einem besser als erwarteten Stadtbusgeschäft lag. Während die Auslastung in Mannheim deshalb gut ist, steht die Produktion von Reisebussen im Werk Neu-Ulm quasi seit Wochen still. Corona hat das Geschäft zum Erliegen gebracht. Reiseveranstalter investieren derzeit nicht in neue Fahrzeuge.

„Auch die Nachfrage nach schweren Lkw entwickelte sich aufgrund der Wirtschaftskrise für viele wichtige Daimler-Absatzmärkte stark rückläufig“, erklärte Andreas Moch, Standortverantwortlicher Mercedes-Benz-Werk Mannheim. Entsprechend hätten der Absatz von Daimler Trucks im Jahr 2020 und die Auslastung im Mercedes-Benz-Werk Mannheim deutlich unter dem Vorjahresniveau gelegen. Besonders stark betroffen sei das erste Halbjahr gewesen; im zweiten Halbjahr habe „eine deutliche Erholung“ eingesetzt. Ähnlich wie Daimler-Konzernchef Källenius rechnete Moch mit anziehenden Geschäften. „Wir erwarten für 2021 einen deutlichen Absatzanstieg, was gut für unsere Produktionsauslastung im Mercedes-Benz-Werk Mannheim ist.“

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Rund 1,4 Milliarden Euro will der Konzern als Dividende an die Aktionäre ausschütten. Das wären 1,35 Euro pro Aktie, 45 Cent mehr als im Vorjahr - ein überraschned hoher Anstieg. Die Pkw- und Vans-Sparte Mercedes-Benz soll schon in diesem Jahr auf eine bereinigte Umsatzrendite von acht bis zehn Prozent kommen. Bei den zuletzt schwer gebeutelten Lastwagen und Bussen rechnen die Stuttgarter mit sechs bis sieben Prozent operativer Marge. Die Ziele entsprechen im Wesentlichen dem, was sich Daimler – damals noch in etwas anderer Konzernstruktur – in Normalzeiten vorgenommen hatte.

Seine jetzige Struktur hatte der Konzern erst 2019 bekommen. Nun soll sie schon wieder geändert werden. Das komplette Geschäft soll künftig auf nur noch zwei unabhängige börsennotierte Unternehmen verteilt werden – Mercedes-Benz für Autos und Vans und Daimler Truck für Lastwagen und Busse. Die Daimler AG wird langfristig verschwinden. Die beiden Unternehmen könnten sich damit besser auf ihre jeweiligen Stärken konzentrieren und mehr Potenzial entfalten, betonte Källenius am Donnerstag erneut. Details sollen im dritten Quartal stehen, dann soll es auch eine außerordentliche Hauptversammlung geben.

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Arbeitnehmervertreter zeigten sich zuletzt erleichtert darüber, dass die Zukunftssicherung – die betriebsbedingte Kündigungen bis Ende dieses Jahrzehnts ausschließt – weiterhin gilt und dass es bei Daimler Truck einen zusätzlichen Innovationsfonds über 1,5 Milliarden Euro geben soll.

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"Wir sind davon überzeugt, dass wir als unabhängiges Unternehmen noch stärker sein werden und unsere Kunden noch besser bedienen können", sagte der Mannheimer Lkw-Motorenwerk-Verantwortliche Moch weiter. "Mir ist wichtig zu betonen: Was sich dabei verändern wird, ist die Aktionärsstruktur von Daimler Truck, nicht aber die Ausrichtung unseres Standorts. Wir sind und bleiben ein wichtiger Bestandteil der Daimler Truck AG.“

Redaktion Alexander Jungert, 1980 in Bruchsal geboren, hat beim "Mannheimer Morgen" volontiert und ist seit 2010 Wirtschaftsredakteur. Während des Studiums arbeitete er unter anderem für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und den "Tagesspiegel" in Berlin. Schreibt am liebsten darüber, was regionale Unternehmen und deren Mitarbeiter umtreibt.