Industrie - Mitarbeiterzahl soll steigen / Erneut Verlust im laufenden Geschäftsjahr erwartet / Konzernumbau läuft Heidelberger Druck setzt auf China

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Alexander Jungert
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Wiesloch-Walldorf. Den größten Silberstreif am Horizont erkennt Rainer Hundsdörfer in China, dem größten Einzelmarkt für Heidelberger Druckmaschinen. Dort nehme das Geschäft nach der Corona-Pandemie wieder Fahrt auf, sagt der Vorstandsvorsitzende. Vor allem beim Verpackungsdruck. Etwa 850 Beschäftigte hat das Unternehmen in China, künftig sollen es 1000 werden. „Wir haben einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent“, sagt Hundsdörfer. Wiesloch-Walldorf soll von dem Aufschwung profitieren. „Je höher die Nachfrage ist, desto mehr Teile müssen wir am Stammsitz produzieren und nach China schicken“, so der Vorstandsvorsitzende.

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Auch weitere Märkte erholen sich. Deshalb ist Heidelberger Druck für das laufende Geschäftsjahr verhalten optimistisch. Die erhebliche Unsicherheit durch das Coronavirus aber bleibt. Hundsdörfer sagt: „Es ist wie ein Hindernislauf bei eingeschränkten Sichtverhältnissen.“ Entscheidend sei, ob und wie Kunden nun investierten. Schließlich spürten auch sie die Folgen von Corona: Druckaufträge mussten verschoben werden, notwendige Betriebsmittel fehlten, der direkte Kundenkontakt ebenso.

Heidelberger Druck rechnet im laufenden Geschäftsjahr 2020/2021 wegen der Corona-Pandemie und hausgemachter Probleme erneut mit einem deutlichen Umsatzrückgang. Zudem werden die Kosten für den eingeleiteten Konzernumbau das Ergebnis belasten – so dass unter dem Strich erneut ein Verlust nach Steuern stehen wird. Allerdings soll dieser nicht mehr so hoch ausfallen wie noch zuvor. Im vergangenen Geschäftsjahr (Ende März) ging der Umsatz wie bereits bekannt um sechs Prozent auf 2,35 Milliarden Euro zurück. Insgesamt betrug das Minus 343 Millionen Euro.

Der Umbau des kriselnden Konzerns läuft seit Wochen auf Hochtouren. Heidelberger Druck werde künftig nicht mehr durch seine Größe profitieren, erklärt Hundsdörfer. Wichtiger sei es, schnell und agil zu sein. Der Vorstandsvorsitzende verlangt einen klaren Fokus auf das Kerngeschäft Drucken und darauf, profitabel zu wirtschaften.

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Verlustbringende Maschinen wurden bereits aufgegeben, mittlere Führungsebenen und auch der Vorstand verkleinert. Weltweit sollen 1600 Jobs mit „tiefen und schmerzhaften Einschnitten“ gestrichen werden, 1000 davon am Stammsitz Wiesloch-Walldorf. Vorrangig über Altersteilzeit, in einem zweiten Schritt ist eine Transfergesellschaft geplant. So sollen betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden.

„Wir wollen das Vertrauen in der Öffentlichkeit und an der Börse wiederherstellen“, verspricht Hundsdörfer. Am Dienstag ging der Aktienkurs um mehr als vier Prozent zurück und lag bei etwa 65 Cent.

Redaktion Alexander Jungert, 1980 in Bruchsal geboren, hat beim "Mannheimer Morgen" volontiert und ist seit 2010 Wirtschaftsredakteur. Während des Studiums arbeitete er unter anderem für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und den "Tagesspiegel" in Berlin. Schreibt am liebsten darüber, was regionale Unternehmen und deren Mitarbeiter umtreibt.