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Expertin für Umweltschutz

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tat
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Eva Boll leitet den neuen Environmental Social Governance Council von Heideldruck. Das Gremium ist für die Nachhaltigkeitsstrategie zuständig. Zuvor verantwortete Boll den produktbezogenen Umweltschutz in der Entwicklung des Unternehmens.

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„Jede eingesparte Kilowattstunde zählt“



Heidelberger Druckmaschinen setzt sich Ziele zur Klimaneutralität. Eva Boll, Nachhaltigkeitsmanagerin bei dem Unternehmen, erklärt den Weg dahin.

Frau Boll, der Begriff „klimaneutral“ wird häufig verwendet, ist aber ziemlich schwammig. Wie definieren Sie das Ziel für Heidelberger Druckmaschinen konkret?

Eva Boll: Unser Ziel ist, dass bis 2030 alle unsere Produktions- und Vertriebsstandorte klimaneutral sind – weltweit. Wir wollen den Ausstoß aller Treibhausgase – nicht nur CO2, sondern auch andere – dort so weit es geht reduzieren. Die Emissionen, die dann noch nicht vermeidbar sind, gleichen wir über Zertifikate aus. Bis 2040 wollen wir diese nicht mehr brauchen, unsere Produktionsprozesse und die dafür verwendete Energie sollen dann emissionsfrei sein. Parallel schauen wir uns unsere sogenannten Scope-3-Emissionen an.

Was ist das genau?

Boll: Das sind Emissionen, die nicht direkt bei uns in der Fabrik anfallen, aber trotzdem durch unser Geschäft entstehen: zum Beispiel bei Lieferanten, von denen wir Rohstoffe und Vorprodukte beziehen. Auch bei unseren Kunden gibt es Emissionen, wenn sie unsere Druckmaschinen in Betrieb haben. Dieser Scope-3-Bereich macht unter dem Strich den Löwenanteil des CO2-Fußabdrucks aus, der mit unserem Geschäft verbunden ist – nur etwa 15 Prozent davon entstehen unmittelbar in unserer Produktion.

Inwieweit können Sie den Rest überhaupt beeinflussen?

Boll: Das geht nur bedingt. Natürlich achten wir darauf, dass unsere Lieferanten nachhaltig arbeiten. Dazu müssten wir aber bis 2030 von allen verlässliche Daten bekommen, welchen CO2-Rucksack ihre jeweiligen Produkte mitbringen. Auf Kundenseite können wir unter anderem Einfluss nehmen, indem wir Maschinen bauen, die möglichst wenig Strom verbrauchen und Produktionsabfälle minimieren. Aber ob der Kunde sein Geschäft mit grüner Energie oder mit Kohlestrom betreibt, liegt nicht in unserer Hand.

Kommen wir zu Ihren Standorten: Wie gehen Sie da vor?

Boll: In diesem Jahr machen wir an allen Standorten eine Potenzialanalyse. Der Fokus liegt dabei erst einmal klar auf der Frage, wo wir den Energieverbrauch senken können: Jede eingesparte Kilowattstunde zählt. Im zweiten Schritt stellen wir die Versorgung unserer Standorte auf grünen Strom um, den wir teils selbst produzieren und teils zukaufen werden. Schon heute rüsten wir zum Beispiel modernisierte Hallen mit Photovoltaikanlagen aus.

Wo liegen die größten Herausforderungen?

Boll: Zum Beispiel an unserem Standort Amstetten mit seiner Gießerei. Dort entstehen im Moment 50 Prozent unserer Emissionen. Neben der Reduktion des Stromverbrauchs ist dort ein großes Thema die Sandwirtschaft: In der Gießerei braucht man viel Sand. Hier stellt sich die Frage, wie man die Aufbereitung optimieren kann, um einerseits Rohstoffe zu sparen und anderseits die Abfallmengen zu reduzieren. Außerdem wird im Gießprozess an vielen Stellen Wärme benötigt, wofür heute noch gasbefeuerte Öfen zum Einsatz kommen. Auch hierfür müssen bis 2040 alternative Technologien entwickelt und eingeführt werden.

Wie sieht es am Stammsitz Wiesloch aus?

Boll: Da haben wir beim Thema Beleuchtung noch großes Einsparpotenzial, indem wir auf LED umstellen. Auch die Wärmeversorgung lässt sich optimieren, und wir planen, eine Ladeinfrastruktur auf unseren Parkplätzen aufzubauen. Hier wollen wir uns vernetzen mit anderen Akteuren in der Region, zum Beispiel SAP, um zu schauen, ob es gemeinsame Lösungen gibt. Insgesamt reduzieren wir unseren Energieverbrauch in Wiesloch auch stark, weil wir große Flächen, die wir nicht mehr brauchen, verkaufen.

Die BASF investiert in Windparks, um sich Ökostrom zu sichern. Ist das auch für Heidelberger Druckmaschinen denkbar?

Boll: Das ist sicher eine Option, die wir prüfen werden. Wenn wir künftig grünen Strom einkaufen, muss für uns in jedem Fall gesichert sein, dass der jeweilige Anbieter mit dem Geld neue Ökostromanlagen errichtet.

Die Industrie im Südwesten drängt seit langem auf einen Netzausbau, um den Windstrom im Land zu verteilen. Haben Sie Hoffnung, dass es durch die Ampel-Pläne schneller geht?

Boll: Ich rechne damit, dass sich die Situation bessert, aber ob es schnell genug geht, ist fraglich. Die bürokratischen Hürden sind teilweise haarsträubend. Ein Beispiel: Wir wollen uns für die Potenzialanalyse unserer Standorte externe Beratung holen und haben dafür Fördermittel aus einem Dekarbonisierungstopf beantragt. Jetzt haben wir erfahren, dass wir über diese Fördergelder keinen Bescheid bekommen, bis der Bundeshaushalt verabschiedet ist. Das kann Monate dauern. An solchen Punkten muss Fahrt aufgenommen und der enorm hohe Bürokratieaufwand reduziert werden, sonst kommen wir nicht zügig genug voran.

Welche Rolle spielt der Klimaschutz wirtschaftlich?

Boll: Das wird immer wichtiger. Unsere Kunden fragen viel häufiger als früher ausdrücklich danach, wie nachhaltig unsere Produkte sind und wie sie hergestellt werden. Teilweise müssen wir dazu sehr umfangreiche und detaillierte Fragebögen beantworten. Ich denke, das wird zu einem immer wichtigeren Auswahlkriterium für Lieferanten. Auch auf dem Finanzmarkt spielt das Thema eine große Rolle: Investoren sehen immer mehr einen klaren Zusammenhang zwischen der Nachhaltigkeit eines Unternehmens und seinem wirtschaftlichen Erfolg.

Sie hat Energie- und Umweltmanagement studiert und in Abfallwirtschaft promoviert. tat

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