Industrieservice - Mannheimer Konzern will Konjunkturschwäche trotzen und hält an Jahresziel fest / Börse hat große Zweifel Bilfinger verströmt Zuversicht

Von 
Bettina Eschbacher
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Bilfinger setzt darauf, dass die Nachfrage nach Umweltlösungen steigt. Aber auch im Kraftwerksbereich werden weitere Aufträge erwartet. © Bilfinger

Mannheim. Der Mannheimer Industriedienstleister Bilfinger sieht sich nach dem ersten Halbjahr voll im Plan und bestätigt seine Prognose für das Gesamtjahr. Auf den ersten Blick klingt das wenig aufregend, sondern eher nach dem Motto von Vorstandschef Tom Blades: Bilfinger solle „langweilig, aber nicht enttäuschend sein“. Und doch ist es keine alltägliche Nachricht – weder für Bilfinger, noch für die Region.

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Denn in den vergangenen Monaten mussten mehrere namhafte und erfolgsverwöhnte Konzerne wie Daimler, BASF, Fuchs Petrolub und HeidelbergCement ihre Prognosen zurücknehmen. Und auch Bilfinger musste bis vor Kurzem noch mehrfach Gewinnwarnungen herausgeben, weil in den Krisenjahren immer wieder neue böse Überraschungen in der Bilanz auftauchten.

Und ausgerechnet jetzt, in Zeiten des weltweiten Handelskriegs und schwächerer Konjunktur präsentiert sich das bisherige Sorgenkind Bilfinger stabil und zuversichtlich. Der Mannheimer Konzern erntet nach Einschätzung von Tom Blades langsam, aber sicher die Früchte von Umstrukturierungen, Verkäufen von Verlustbringern und einer neuen Ausrichtung, bei der sehr viel stärker auf minimales Risiko bei Aufträgen und auf die Kostenseite geschaut wird.

Weniger Verwaltungskosten

„Wir sind im achten Quartal in Folge beim Umsatz organisch gewachsen“, so der Vorstandsvorsitzende.

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„Zudem haben wir erstmals unsere Vertriebs- und Verwaltungsquote auf unter acht Prozent gesenkt“, sagt Blades. Dass die Kosten in diesem Bereich gesunken sind, ist auch eine Folge des Stellenabbaus in der Verwaltung. Als wichtigen Erfolg wertet Blades die erfolgreiche Refinanzierung einer Ende 2019 fälligen Anleihe. 500 Millionen Euro muss Bilfinger zurückzahlen, das Geld dafür ist aus mehreren Quellen zusammengekommen. Unter anderem zahlte das Unternehmen Apleona, das 2016 die frühere Hochbau-Sparte gekauft hatte, 128 Millionen aus einer Kaufpreisstundung zurück.

Auch mit dem Auftragseingang zeigt sich Blades zufrieden, er liege auf dem hohen Niveau des Vorjahres. Dazu beigetragen hat der stabile Ölpreis, so stieg die Nachfrage von Kunden aus der Öl- und Gasbranche nach Dienstleistungen – etwa in der Nordsee. In Europa wachse außerdem der Bedarf nach Umweltlösungen aufgrund strengerer Auflagen. „Für unsere Kunden schlecht, für Bilfinger positiv“, fasst Blades diese Entwicklung zusammen. Aber auch der Bereich Kernkraft soll einen Auftragsschub bringen: Für das britische Kernkraftprojekt Hinkley Point C haben die Mannheimer bereits einige Aufträge ergattert, bis Jahresende sollen weitere Großprojekte dazukommen.

Aktie verliert massiv

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Trotzdem sieht es in der Quartalsbilanz nicht überall rosig aus. So wird das Ergebnis von einer Gesellschaft im Bereich Technology belastet, die Sparte schrieb einen Verlust von zwölf Millionen Euro. Bis Jahresende soll die Einheit dank mehrerer Maßnahmen aus der Verlustzone herauskommen, so Finanzvorstand Christina Johansson.

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An der Börse allerdings ist Blades’ Wunsch, nicht zu enttäuschen, am Mittwoch keineswegs in Erfüllung gegangen. Die Aktie verlor am Abend erschreckende 11,75 Prozent auf 61,78 Euro. Offenbar hat der Aktienmarkt Zweifel, dass Bilfinger das Gewinnziel für 2019 tatsächlich erreichen kann.

Analyst Marc Gabriel vom Bankhaus Lampe erklärt: Bilfinger müsste das operative Ergebnis im zweiten Halbjahr auf mehr als 87 Millionen Euro steigern, um die angepeilten 100 Millionen Euro zu erreichen. Bei dem momentanen konjunkturellen Umfeld sei das „eine große Herausforderung“.

Redaktion Bettina Eschbacher ist die Koordinatorin Wirtschaft und Wirtschaftsredakteurin.