Personalie - Vorstandschef Tom Blades verlässt mit sofortiger Wirkung das Mannheimer Unternehmen – Finanzvorständin Johansson übernimmt übergangsweise Bilfinger verliert erfolgreichen Sanierer

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Bettina Eschbacher
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Tom Blades zieht sich zurück, bevor sein Vertrag ausläuft. Er will sich nach eigenen Angaben stärker auf seine Familie konzentrieren. © dpa/Manfred Rinderspacher

Mannheim. Überraschender Rückzug: Bilfinger-Chef Tom Blades, Vorstandsvorsitzender des Mannheimer Industriedienstleisters Bilfinger, verlässt mit sofortiger Wirkung das Unternehmen. Finanzvorständin Christina Johansson (kleines Bild) übernimmt als Interim-Vorstandsvorsitzende.

Seit 2016 Bilfinger-Chef

Tom Blades wurde 1956 in Hamburg als Engländer geboren. Seine Mutter ist Deutsche.

Der „im Herzen“ überzeugte Brite hat inzwischen auch einen deutschen Pass – weil seine Frau ihn dazu überredet hat. Er hat zwei Kinder.

Der Elektrotechnik-Ingenieur hat in der Öl- und Gasbranche für die US-Firmen Haliburton und Schlumberger sowie für Siemens gearbeitet.

Er war ab 2016 Vorstandsvorsitzender des Mannheimer Industriedienstleisters Bilfinger. Zuvor war er Vorstand beim Gase-Konzern Linde. be

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Eigentlich hätte Blades noch einen Vertrag bis zum Juni 2021 gehabt. Noch vor einem Jahr hatte der 64-Jährige seinen Wunsch nach einer Vertragsverlängerung geäußert. „Ich bin fit, mache noch Triathlons“, hatte er vor Journalisten erklärt. Am Dienstagabend ließ er mitteilen: „Für mich ist nun die Zeit gekommen, mich aus der operativen Unternehmensführung zurückzuziehen. Mit fast 65 Jahren und einer intensiven beruflichen Laufbahn werde ich mich nun stärker auf meine Familie und das Privatleben konzentrieren.“

„Persönliche Gründe“

In der Mitteilung hieß es außerdem, der Aufsichtsrat und Blades hätten sich am Dienstag „einvernehmlich darauf verständigt, dem heutigen Wunsch von Tom Blades zu entsprechen, seinen Vertrag aus persönlichen Gründen und vor dem Hintergrund des Erreichens seines 65. Lebensjahres nicht über den 30. Juni 2021 hinaus zu verlängern“. Blades habe sein Mandat als Vorstandsvorsitzender mit sofortiger Wirkung niedergelegt und ziehe sich aus dem Tagesgeschäft zurück.

„Im Sinne eines reibungslosen Übergangs hat Tom Blades zugesagt, dem Unternehmen weiter unterstützend zur Verfügung zu stehen“, teilte Bilfinger mit. Der Aufsichtsrat befasse sich mit der Frage der langfristigen Nachfolge und werde darüber in den kommenden Monaten abschließend entscheiden. Übergangsweise übernimmt nun Christina Johansson den Vorstandsvorsitz und den Aufgabenbereich als Arbeitsdirektorin. Gleichzeitig behält sie ihre Funktion als Finanzchefin.

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Tom Blades übernahm 2016 den Chefsessel, als Bilfinger sich in einer schweren Krise befand und rote Zahlen schrieb. Er brachte den Konzern wieder in stabilere Gewässer mit einem harten Sanierungskurs und einer strategischen Neuausrichtung. Dazu gehörten auch ein massiver Stellenabbau, die Konzentration auf das Kerngeschäft und der Verkauf von mehreren Gesellschaften. Auch die Mannheimer Zentrale wurde personell deutlich verkleinert.

Sein Hauptziel war, aus den Hunderten Einzelgesellschaften ein Ganzes zu schmieden, das auch gegenüber den Kunden als Einheit auftritt. Und: Mehr Ruhe in einen Konzern zu bringen, der mehrfach in die Schlagzeilen gekommen war, etwa wegen millionenschwerer Schadenersatzforderungen an frühere Vorstandsmitglieder und Korruptionsvorwürfen. In seiner Amtszeit konnte Bilfinger schwere Lasten aus der Vergangenheit abstreifen: So endete die wegen Bestechungsfällen aufgezwungene jahrelange Überwachung durch die US-Justiz, nachdem Bilfinger ein funktionierendes Regelsystem aufgebaut hatte, das vor Korruption schützen soll.

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„Unter seiner Führung hat sich Bilfinger zu einem international führenden Industriedienstleister weiterentwickelt, der heute deutlich fokussierter und profitabler aufgestellt ist“, sagte der Bilfinger-Aufsichtsratsvorsitzende Eckhard Cordes laut Mitteilung. „Das ist das Ergebnis wegweisender strategischer Veränderungen, die Tom Blades und sein Team in den vergangenen Jahren entschlossenumgesetzt haben.“ Blades wiederum erklärte: „Mein Ziel war es, Bilfinger wieder auf Erfolgskurs zu bringen und mit den Altlasten aus der Vergangenheit abzuschließen.“ Er sei davon überzeugt, „dass wir mit der strategischen Neuausrichtung die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt haben“.

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Möglicherweise muss sich die Bilfinger-Belegschaft nicht nur auf eine neue Führungsspitze, sondern auch auf einen neuen Eigner einstellen. In den vergangenen Wochen kamen immer wieder Verkaufsgerüchte auf. Vor allem für Finanzinvestoren ist der Konzern interessant, dessen Aktienkurs deutlich gestiegen ist.

Redaktion Bettina Eschbacher ist die Koordinatorin Wirtschaft und Wirtschaftsredakteurin.