Julius Berger - Mannheimer Konzern veräußert verbliebene Anteile / Zehn Millionen Euro Erlös Bilfinger beendet das Kapitel Nigeria

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Alexander Jungert
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Baustelle von Julius Berger in der nigerianischen Stadt Abuja (Archivbild). © dpa

Mannheim. Seit Jahren hat Bilfinger seine Anteile am Bauunternehmen Julius Berger Nigeria schrittweise reduziert. Nun sind auch die verbliebenen 16,5 Prozent der Anteile verkauft. Nach Angaben eines Sprechers spült das zehn Millionen Euro in die Kasse.

Angespannte Sicherheitslage

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Schon 2011 hatte Bilfinger angekündigt, sich nach und nach aus dem westafrikanischen Land zurückzuziehen. Das Baugeschäft passte nicht mehr zur Strategie, ein Industrieservice-Konzern zu werden. Die Sicherheitslage war angespannt, Mitarbeiter wurden entführt. Zudem machte eine Korruptionsaffäre den Mannheimern zu schaffen. Von Dezember 2013 bis Dezember 2018 stand Bilfinger deshalb unter Beobachtung der US-Justizbehörden. Ein externer Aufpasser, der Anwalt Mark Livschitz, überwachte die Verbesserung des Compliance-Systems. Compliance bedeutet die ordentliche Unternehmensführung nach Recht und Gesetz. Bilfinger holte sich Hilfe vom früheren FBI-Chef Louis Freeh und konnte die Behörden schließlich von einem funktionierenden Regelsystem überzeugen. „Kunden, Anteilseigner und Mitarbeiter können darauf vertrauen“, dass Bilfinger nun aus eigener Kraft Compliance-Verstöße verhindern, entdecken und beseitigen könne, erklärte Freeh. Anders hätte die US-Justiz womöglich ihre angedrohte Strafverfolgung wahr gemacht.

Bilfinger hatte 2011 eine Minderheitsbeteiligung von 49,9 Prozent an Julius Berger Nigeria. Dieser Anteil verringerte sich bis zum Jahr 2015 auf 16,5 Prozent. Ein Aktienpaket wurde an die nigerianische Nestoil-Gruppe verkauft, ein Planungs- und Bauunternehmen für die Öl- und Gasindustrie.

In Afrika ist Bilfinger nach Angaben des Sprechers jetzt nur noch im Süden des Landes engagiert. Das Geschäft mit der Wartung von Kraftwerken soll allerdings verkauft werden. Afrika gehört nicht zu den vier Kernregionen, die Vorstandschef Tom Blades für Bilfinger ausgerufen hat. Dazu zählen vielmehr Kontinentaleuropa, Nordwesteuropa, Nordamerika und der Nahe Osten.

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An diesem Mittwoch präsentiert Blades die Zahlen zum zweiten Quartal. Das Geschäftsjahr begann zwar mit einem schwächeren Auftragseingang, dafür aber mit einem höheren Umsatz.

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Redaktion Alexander Jungert, 1980 in Bruchsal geboren, hat beim "Mannheimer Morgen" volontiert und ist seit 2010 Wirtschaftsredakteur. Während des Studiums arbeitete er unter anderem für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und den "Tagesspiegel" in Berlin. Schreibt am liebsten darüber, was regionale Unternehmen und deren Mitarbeiter umtreibt.