Chemie Starker Schlussspurt bei BASF

Von 
Tatjana Junker
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Ludwigshafen. Der Chemiekonzern BASF hat im letzten Quartal des Krisenjahres 2020 einen überraschend starken Schlussspurt hingelegt – das zeigen vorläufige Zahlen, die das Unternehmen mit Sitz in Ludwigshafen am Mittwoch vorgelegt hat. Im Gesamtjahr 2020 hinterlässt die Pandemie trotzdem deutliche Spuren in der Bilanz. Hohe Rückstellungen für den Konzernumbau und Wertberichtigungen bescheren dem Konzern unter dem Strich mit minus 191 Millionen Euro sogar ein leicht negatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT). Details zur Bilanz will BASF am 26. Februar vorstellen.

Vorläufige Zahlen

  • Die BASF hat am Mittwoch ad hoc vorläufige Zahlen für das vierte Quartal und das Geschäftsjahr 2020 veröffentlicht.
  • Die Zahlen liegen teils deutlich über dem, was Analysten erwartet hatten. Details zur Jahresbilanz legt der Konzern am 26. Februar vor.
  • Den jetzt veröffentlichten Zahlen nach erwirtschaftete BASF 2020 einen Umsatz von rund 59,15 Milliarden Euro, das sind 167 Millionen Euro weniger als im Jahr 2019.
  • Im vierten Quartal 2020 stieg der Umsatz dank höherer Preise und Mengen um acht Prozent auf 15,9 Milliarden Euro. tat
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Erholung in China erwartet

Vor allem in drei Segmenten lief es im vierten Quartal für den Chemieriesen deutlich besser als von vielen Analysten erwartet: Chemicals (Basis-Chemikalien), Materials (u.a. spezielle Kunststoffe) und Industrielösungen (Inhalts- und Zusatzstoffe wie Harze oder Pigmente für die Industrie).

Bereinigt um Sondereinflüsse – wie beispielsweise Kosten für den Konzernumbau – lag das EBIT im Schlussquartal mit rund 1,1 Milliarden Euro um satte 32 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert. „BASF hat das Jahr besser abgeschlossen, als vom Markt erwartet wurde“, schreibt Peter Spengler, Analyst bei der DZ-BANK in einer aktuellen Studie. Er erwarte eine stetige Erholung auf den Endmärkten, vor allem in China.

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Für das Gesamtjahr 2020 muss BASF aber erst einmal noch einen deutlichen Rückgang verkraften – vor allem die schwache Nachfrage aus der Autoindustrie, der wichtigsten Kundenbranche des Konzerns, belastete das Geschäft im Corona-Jahr 2020. Nach Angaben des Unternehmens liegt das EBIT vor Sondereinflüssen mit voraussichtlich 3,56 Milliarden Euro 23 Prozent unter dem Vorjahreswert. Analysten hatten allerdings mit einem noch stärkeren Rückgang gerechnet. Auch BASF selbst hatte seine Prognose mit einer Spanne von 3,0 bis 3,3 Milliarden Euro niedriger angesetzt.

Nach Sondereinflüssen ergibt sich für 2020 ein leicht negatives EBIT von minus 191 Millionen Euro. Zum Vergleich: Das Geschäftsjahr 2019 hatte BASF noch mit einem EBIT von rund 4,2 Milliarden Euro abgeschlossen.

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Neben Wertberichtigungen zählen zu den Sondereinflüssen vor allem hohe Restrukturierungsrückstellungen, also Kosten für den aktuellen Stellenabbau. Sie hatten vor allem im dritten Quartal das Ergebnis belastet. Im Zuge ihres sogenannten Exzellenzprogramms baut die BASF weltweit 6000 Stellen ab, etwa die Hälfte davon in Deutschland. Davon wiederum entfällt der größte Teil auf den Standort Ludwigshafen. Hier arbeiteten zuletzt knapp 39 400 Beschäftigte.

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Stellenabbau verzögert sich

Ursprünglich sollte der Abbau Ende 2020 abgeschlossen sein – doch auch hier machte die Corona-Pandemie dem Unternehmen einen Strich durch die Rechnung. Weil die Jobaussichten in der Krise schlechter geworden sind, haben bislang weniger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die freiwilligen Abfindungsprogramme angenommen. Betriebsbedingte Kündigungen sind wiederum durch eine Vereinbarung mit den Arbeitnehmervertretern bis Ende 2025 ausgeschlossen.

Unklar ist unterdessen noch, wie sich ein zweites Abbauprogramm auf den Standort Ludwigshafen auswirken wird, das BASF vor einigen Monaten angekündigt hatte. Demnach sollen bis Ende 2022 weltweit weitere 2000 Arbeitsplätze in der Einheit „Global Business Services“ wegfallen.

 

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Redaktion Wirtschaftsreporterin