Chemie - BASF-Vorstandschef nutzt Besuch von Arbeitsminister Heil und Ministerpräsidentin Dreyer zur Mahnung an die Politik Brudermüller spricht Klartext

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Bernhard Zinke
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Im Austausch: die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer, BASF-Chef Martin Brudermüller (Mitte) und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. © Zinke

Ludwigshafen. Als Hubertus Heil und Malu Dreyer (beide SPD) bei der BASF vorfahren, sitzt Martin Brudermüller noch in einer Vorstandssitzung. Der Bundesarbeitsminister ist auf Sommertour durch Deutschland. Beim Termin im Werk des weltgrößten Chemiekonzerns will ihn die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin begleiten. Thema: Ausbildung in Zeiten des digitalen Wandels. Beim Rundgang durch die Ausbildungslabors stößt der BASF-Konzernchef dazu und nutzt die Gelegenheit für deutliche Worte.

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„Es ist falsch, dass wir den Arbeitsmarkt immer mehr regulieren“, sagt Brudermüller. Die Wirtschaft brauche mehr Flexibilität und weniger Regulierung, um die Herausforderungen des digitalen Wandels meistern zu können. Vor allem die Einschränkungen bei der Zeitarbeit schaffen der BASF laut Brudermüller Probleme. Digitale Projektarbeiten erforderten mehr Beweglichkeit im Bereich der Zeitarbeit.

Da sowohl ein Mitglied der Bundesregierung als auch eine – kommissarische – Parteichefin zu Gast sind, nimmt er sich beim Rundumschlag auch die Energiepreise vor. Es sei unsinnig, erneuerbare Energien und gleichzeitig den CO2-Ausstoß zu besteuern. Brudermüller fordert stattdessen „ein größeres Denken, als die CO2-Steuer einfach anzuflanschen“. Der BASF-Vorstandsvorsitzende wirbt für eine Absenkung der Steuer auf erneuerbare Energien. Das bedeute einen Riesenanreiz für diese Wirtschaftsbranche, sagt er. So könne man den Klimaschutz als Wettbewerbsvorteil für Deutschland ausnutzen. Dies werde bei der Ausgestaltung des Klimaschutzgesetzes im September berücksichtigt, versichert Malu Dreyer dem Konzernchef. „Wir werden darauf achten, dass es nicht zulasten der Industrie geht“, verspricht sie.

Sozialpartnerschaft gefährdet

Für den Bundesarbeitsminister ist es indessen wichtig, dass mit dem technologischen auch ein sozialer Fortschritt für die Arbeitnehmer einhergeht. Die Ausbildung bei der BASF sei „großartig“, befindet der Minister nach seinem zweistündigen Besuch. Allerdings weiß er auch: Nur noch 47 Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland seien in tarifgebundenen Unternehmen beschäftigt. Angesichts dieser Zahlen sieht Heil die Sozialpartnerschaft in Gefahr.

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Thema des Besuchs ist auch der Stellenabbau. Wie berichtet sollen 6000 Jobs bis Ende 2021 wegfallen, die Hälfte davon in Deutschland, vor allem in der Verwaltung. In der Produktion sieht Brudermüller dagegen mittelfristig großen Bedarf an gut ausgebildeten jungen Leuten, zumal bis 2030 jährlich rund 1000 Beschäftigte in Rente gehen werden. Allerdings fehle es dem Nachwuchs heute oftmals an Grundkenntnissen in Mathematik und Deutsch. Dass das föderale System Deutschlands mit seiner Bildungspolitik daran seinen Anteil habe, will Malu Dreyer allerdings nicht stehen lassen.

Auf seiner Sommertour hat Hubertus Heil zuvor die Waldorf-Schule in Heidelberg besucht und besichtigt danach den Speyerer Dom. Am Dienstag steht das Benz-Werk in Wörth auf dem Besuchsprogramm.

Autor Stellvertretender Leiter der Redaktion Mannheim und die Region