Ausbildung - Chemiekonzern stellt neues Format zur Berufsorientierung vor / Expressbewerbung für Smartphone BASF wirbt um Generation Z

Von 
Bettina Eschbacher
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Neuntklässler der Friedrich-Schiller-Realschule plus aus Frankenthal dürfen als Erste das neue BASF-Angebot ausprobieren und zum Beispiel ein Windrad bauen. © BASF

Ludwigshafen. Die einen bauen ein Windrad, die anderen müssen es zum Laufen bringen. An einer Chemieanlage wird es Zeit, die Solarzellen zu reinigen, während die IT-Experten ein Programm für einen Bewegungssensor entwickeln müssen. Jede Menge Arbeit im Betriebsalltag also. Allerdings ist die Anlage aus Legosteinen gebaut, das Windrad ist nur eine Armlänge hoch. Und an den Arbeitsstationen sitzen und werkeln Neuntklässler der Frankenthaler Schiller-Realschule. Die Schüler sind die Ersten, die am Montagmorgen die neuen Räumlichkeiten für die Berufsorientierung am BASF-Standort Ludwigshafen testen.

Von klein auf digital

  • Als Generation Z werden die Geburten-Jahrgänge zwischen 1995 und 2010 bezeichnet.
  • Sie werden etwa als „Digital Natives“ definiert, die von klein auf mit digitalen Geräten aufgewachsen sind.
  • Die BASF hat 2019 im Stammwerk Ludwigshafen rund 900 Auszubildende eingestellt. Ein Großteil davon wird später auch übernommen.
  • Die Jugendlichen werden in 30 Berufen ausgebildet vom Chemikanten über Anlagenmechaniker bis zum Koch.
  • Die BASF ist mit 39 000 Beschäftigten allein am Standort Ludwigshafen größter Arbeitgeber der Region.

Einblick in die Abläufe

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„Man bekommt einen Einblick, wie die Abläufe sind“, sagt Lia, nachdem ihre Arbeitsgruppe das Windrad angeschlossen hat und per iPad-Befehl Wasser aus einem Tank pumpen lässt. „Ich kann mir jetzt besser vorstellen, wie eine Anlage funktioniert“, sagt Lars nach der erfolgreichen Reinigung der Solarzellen. In einer Anlage arbeiten, etwa als Chemikant, will er trotzdem nicht. „Was Kaufmännisches“ schwebt dem 14-Jährigen vor. Lehrerin Melanie Andres lobt das neue Format der BASF zur Berufsorientierung: „Gerade weil die Schüler selbst Hand anlegen können, erfahren sie besser, was ihre Stärken sind.“

Die Jugendlichen an den Stationen gehören zu einer intensiv umworbenen Gruppe: der Generation Z, also junge Menschen, die einige Jahre vor oder nach 2000 geboren sind. Es sind geburtenschwache Jahrgänge, die aber all die vielen älteren Menschen ersetzen sollen, die jetzt in den Ruhestand gehen. Und weil es weniger Nachwuchs als Pensionäre gibt, bleiben von Jahr zu Jahr mehr Lehrstellen unbesetzt.

Die Folge: Unternehmen wie BASF bemühen sich verstärkt darum, die jungen Menschen anzusprechen. Der Wettbewerb um den Nachwuchs hat längst begonnen, weiß Uwe Liebelt, Werkleiter des Standorts Ludwigshafen. „Vor fünf bis zehn Jahren hat die Marke Ausbildung bei BASF gereicht – jetzt nicht mehr.“ 2019 noch konnte der größte Arbeitgeber der Region alle seine Lehrstellen besetzen. Und für die Ausbildungsrunde 2020 hat sich die Zahl der Bewerber sogar leicht erhöht. Aber es gibt auch bei der BASF eine Reihe von Ausbildungsberufen, die auf die Jugendlichen weniger attraktiv wirken oder die sie gar nicht kennen – Chemikant, Elektroniker oder Anlagenmechaniker zum Beispiel. „Und da würden wir uns mehr Bewerber wünschen“, erklärt Daniela Kalweit, die bei BASF verantwortlich für die Rekrutierung von Auszubildenden ist. Die Mitmach-Stationen sind ein neues Format für den Konzern, um Schüler für technische und naturwissenschaftliche Berufe zu begeistern. BASF tue viel, betont Werkleiter Liebelt, um junge Menschen anzusprechen, über Aktionstage, Messen, Infobörsen bis zu Praktika, Vorträgen von Azubis an Schulen und – Elternabenden. Schließlich gebe die Mehrheit der Generation Z an, dass sie großen Wert auf die Meinung der Eltern legen, erklärt BASF-Ausbildungschef Markus Hermann.

Ansprache auf allen Kanälen

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Längst hat BASF auch die Kommunikationswege erweitert, um die jungen Menschen anzusprechen, die schon von Kindheit an mit digitalen Geräten umgehen und diese mit großer Selbstverständlichkeit nutzen. Auf allen sozialen Medienkanälen wirbt das Unternehmen für seine Ausbildungswege. Inzwischen gibt es eine Expressbewerbung, die an das Format Smartphone angepasst ist. „Das Smartphone ist der Weg, um die Schüler zu erreichen“, bestätigt Lehrerin Andres. Auch die Ansprache hat sich Kalweit zufolge verändert. Wer sich sowieso alle Informationen selbst aus dem Internet besorgen könne, verlange eher kürzere und griffige Botschaften.

Und was kann die aktuelle Bewerbergeneration besser als frühere? Neben der hohen Digitalkompetenz fällt Kalweit das selbstbewusste Auftreten bei Präsentationen und Moderationen auf. Das zeigt sich auch im Bewerbungsprozess: „Sie wissen, dass sie die Wahl haben.“

Redaktion Bettina Eschbacher ist die Koordinatorin Wirtschaft und Wirtschaftsredakteurin.