Chemie - Geplanter Abbau von 600 Stellen soll über Abfindungsangebote oder altersbedingte Abgänge laufen / Sinischa Horvat sieht Risiken durch Auslagerung BASF-Betriebsratschef fürchtet „Know-how-Verlust“

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Bettina Eschbacher
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Betriebsbedingte Kündigungen sind im Stammwerk ausgeschlossen. © dpa

Ludwigshafen. Der Betriebsratschef der BASF, Sinischa Horvat, warnt angesichts angekündigter Stellenstreichungen vor „einem umfassenden Know-how-Verlust“ in der Belegschaft. Wie berichtet, baut der Ludwigshafener Chemiekonzern bis Ende 2022 rund 600 Verwaltungsstellen am Standort Ludwigshafen ab, weltweit sind es bis zu 2000. „Von der persönlichen Betroffenheit der Kolleginnen und Kollegen einmal abgesehen, sieht der Betriebsrat in dieser Maßnahme Risiken für das Unternehmen“, so Horvat gegenüber dieser Redaktion.

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Es geht um die Service-Einheit Global Business Services. Darin erbringen rund 8400 Mitarbeitende weltweit für die BASF-Geschäftseinheiten Dienstleistungen – etwa in den Bereichen Kommunikation, Personal, Umwelt, Gesundheit oder Sicherheit und bei finanzwirtschaftlichen oder logistischen Prozessen. Diese Dienstleistungen sollen nun gebündelt und in sogenannte Hubs ausgelagert werden. Diese wiederum docken künftig an die schon bestehenden Dienstleistungszentren der BASF in Berlin, Kuala Lumpur (Malaysia) und Montevideo (Uruguay) an.

Horvat zeigt sich skeptisch angesichts der geplanten Auslagerung und Bündelung von Dienstleistungen. Der Unternehmenserfolg, gerade auch mit Blick auf die aktuelle Unternehmensstrategie, hänge vom Zusammenspiel der verschiedenen Einheiten und von der Expertise der beteiligen Mitarbeiter ab. „Werden wesentliche Teile geschwächt, besteht die Gefahr, dass die Performance der gesamten Organisation sinkt oder Defizite mühsam an anderer Stelle ausgeglichen werden müssen.“ Angst vor Kündigungen müssen die Betroffenen im Stammwerk nicht haben: „Grundsätzlich gilt die Standortvereinbarung, die 2020 zwischen Betriebsrat und Unternehmen abgeschlossen wurde. Das heißt, dass betriebsbedingte Kündigungen für die Laufzeit bis 2025 ausgeschlossen sind“, erklärt Horvat.

Nach Angaben einer Konzernsprecherin soll der Jobabbau zum Beispiel durch altersbedingte Abgänge oder natürliche Fluktuation umgesetzt werden. Auch freiwillige Aufhebungsvereinbarungen mit Abfindungsangeboten seien ein wichtiges Instrument, um den Personalstand zu steuern. Wer dafür nicht infrage komme, werde „in einem zentral gesteuerten Prozess mit oberster Priorität auf andere offene Stellen der BASF SE vermittelt“. Mitarbeiter könnten sich auch für einen neuen Arbeitsvertrag in den Hubs bewerben. Zu den Kosten des Umbaus macht BASF keine Angaben. Klar ist aber, dass er ab 2023 jährliche Kosteneinsparungen von über 200 Millionen Euro bringen soll.

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Redaktion Bettina Eschbacher ist die Koordinatorin Wirtschaft und Wirtschaftsredakteurin.