So kämpft der Motorsport gegen die Corona-Krise

Von 
Andreas Reiners
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mid Groß-Gerau - Die Formel 1 fährt in der Corona-Krise vor einer Geister-Kulisse. © Daimler

Sergio Perez hatte Schwierigkeiten, die Infektion zu akzeptieren. Denn der Formel-1-Pilot von Racing Point war der erste Fahrer, der sich 2020 mit dem Coronavirus angesteckt hatte. Die Schlagzeile ging um die Welt. Er war der Beweis: Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen und Hygienemaßnahmen ist die Formel 1 nicht unverwundbar. Im Gegenteil.

Er musste das trotzdem erst einmal wegstecken. "Jetzt ist es schon ein wenig normaler, dass sich Menschen damit anstecken. Aber ich war der erste Fahrer, der sich infiziert hat. Zu jener Zeit dachte ich, ich sei der dümmste Mensch der Welt. Das war wirklich hart für mich, damit umzugehen", sagt der Mexikaner.

Doch auch, wenn es jetzt "normaler" ist, hat Corona nicht nur die Formel 1, sondern den Motorsport generell fest im Griff. Auch wenn es erste Impfstoffe gibt, ist COVID-19 allgegenwärtig und weiterhin gefährlich. Probleme gibt es im Sport in allen Facetten, die eine Kettenreaktion auslösen.

Ob nun in erster Linie terminlich, weil die Pandemie die Verantwortlichen zu mittelschweren Umbauarbeiten am Rennkalender zwingt. Oder monetär, weil gestrichene Rennen oder Veranstaltungen ohne Zuschauer die Einnahmen mindern. Oder weil die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie für massive Probleme bei der Sponsorensuche oder sogar für Ausstiege der Hersteller sorgen. Viele Folgen sind noch gar nicht absehbar.

So musste die Formel 1 bereits jetzt die Testfahrten von Barcelona nach Bahrain verlegen und auch den traditionellen Auftakt in Australien abblasen, stattdessen wird eine Woche später als geplant in Bahrain gefahren. Wobei sich im Vorfeld viele fragten, warum die Königsklasse in Jahr zwei der Pandemie einen Rekordkalender mit 23 Rennen auflegt und sich so selbst unter massiven Druck setzt.

Der neue Formel-1-Geschäftsleiter Stefano Domenicali gibt im Gespräch mit Sky Sports F1 zu: "Corona wütet weiter, da müssen wir in Sachen WM-Programm sehr flexibel bleiben. Nach jüngstem Stand möchten alle Veranstalter die Läufe wie geplant durchführen. Aber natürlich werden wir mindestens in der ersten Hälfte mit weiteren Änderungen rechnen müssen. Es kann auch sein, dass wir erneut Grand Prix als Geisterrennen durchführen oder mit stark eingeschränkter Besucherzahl."

Auch Präsident Jean Todt vom Automobil-Weltverband FIA rechnet damit, dass zumindest die erste Hälfte 2021 "nicht so sein wird, dass wir eine annähernd normale Saison haben können. Leider ist es nicht vorbei", sagt Todt zur weltweit angespannten Corona-Situation. "Es gibt immer noch Lockdowns. Die Einschränkungen durch das Virus sind da."

Die Formel 1 steht nicht alleine da, auch die Formel E muss neue Pläne entwerfen. Für die Elektrorennserie ist die Terminfindung aufgrund der Tatsache, dass sie in Innenstädten fährt, besonders problematisch. Der Auftakt soll mit zwei Nachtrennen in Saudi-Arabien am 26./27. Februar über die Bühne gehen. Danach ist das weitere Vorgehen offen, die Verantwortlichen schließen ein Ausweichen auf traditionelle Rundstrecken nicht aus. In der Rallye-WM gab es ebenso erste Absagen, in der DTM wurde der Auftakt in St. Petersburg ersatzlos gestrichen. Nahezu jede Rennserie hat mit den Pandemie-Folgen und mit Zukunftsfragen zu kämpfen.

Was bleibt, ist die Hoffnung. Auf die diversen Impfstoffe, auf sinkende Infektions- und Todeszahlen. Darauf, dass nicht die Pandemie, sondern irgendwann das Leben wieder normaler wird.

Andreas Reiners / mid