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Pedelecs

Mit Übung und Rücksicht

Sie sind schneller, schwerer und fahren mit mehr als nur Muskelkraft: Zu Beginn können die flinken Elektrofahrräder aber knifflig sein

Von 
tmn
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Auf elektrischen Rädern müssen sich Anfänger an das neue Fahrgefühl erst gewöhnen. © Tobias Hase/dpa-tmn

Berlin. Speziell im Sommer wird es auf den Radwegen im Stadtverkehr oft eng: Schutzblech an Schutzblech reihen sich Radfahrende aneinander – immer mehr auch mit Pedelec. Wer zum ersten Mal auf einem Elektrofahrrad sitzt, sollte sich gut vorbereiten. „Radwege hierzulande sind meist viel zu schmal, rumpelig, chaotisch geführt – oder fehlen manchmal ganz.“ Das Urteil von Stephanie Krone vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) über die Fahrradfreundlichkeit der deutschen Städte fällt eindeutig aus. Das heißt auch: Erschwerte Bedingungen für Radfahrer. Wer dann noch recht neu mit dem umgangssprachlich auch E-Bike genannten Pedelec unterwegs ist, muss sich auch noch an das andere Fahrverhalten gewöhnen.

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An Schub gewöhnen

Vor der ersten Fahrt rät Krone deshalb zu einer Probetour in sicherer Umgebung. Denn selbst, wenn viele Modelle sich optisch nicht mehr allzu sehr von einem herkömmlichen Rad unterscheiden, reagieren Elektroräder anders als gewohnt. Eine Eigenart zeigt sich schon im Antritt. Ein Pedelec schiebe sich durch die Motorunterstützung fast von selbst vorwärts, so Krone. „Wenn man damit nicht rechnet und zu stark tritt, kann man schlimmstenfalls einen Satz nach vorn machen.“

Zum Eingewöhnen empfiehlt sie die niedrigste Unterstützungsleistung, um sich an den Schub des Motors besonders beim Anfahren zu gewöhnen. Beim Fahrtraining sollten Anfänger zusätzlich ein paar Schlangenlinien fahren, um das Kurvenfahren zu üben. Erst wenn sich der Radfahrer sicherer fühlt, sollte er sich an die 25 km/h herantasten, bis zu denen das Pedelec beim Treten maximal hilft.

Außerdem rät sie, das Bremsen zu üben. Denn wer so flott unterwegs ist, müsse vor allem im Stadtverkehr jederzeit abbremsen können. Entsprechend kräftig fallen die Bremsen bei Pedelecs aus. Ein nicht zu unterschätzendes Risiko, da sich laut Deutschem Verkehrssicherheitsrat (DVR) durch das höhere Gesamtgewicht und den schnellen Antrieb der Bremsweg verlängert. Entsprechend oft sind Pedelecfahrer regelmäßig im Straßenverkehr in Unfälle verwickelt.

Gerade für unsichere Fahrer, die mit der Eigenart eines Pedelecs überfordert sind, hat Stephanie Krone daher einen Rat. „Ältere und bewegungseingeschränkte Menschen sollten zusätzlich prüfen, ob sie einen Schulterblick noch hinbekommen, ohne ins Schlingern zu geraten“. Ein Rückspiegel oder auch ein Dreirad könnten für sie ansonsten die Lösung sein. Außerdem sollten Helm oder Fahrrad-Airbag nicht fehlen, rät die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie. Und ein regelmäßiger Gesundheitscheck auch angesichts einer Medikamenteneinnahme bringt Gewissheit über die Verkehrstauglichkeit. Womöglich ließen sich mit etwas mehr Vorbereitung viele Pedelec-Unfälle verhindern. Denn laut Jonas Hurlin vom DVR sind diese oft selbst verschuldet, ohne dass ein anderer Verkehrsteilnehmer beteiligt war. Für ihn ein Zeichen, dass „das Gefühl für Geschwindigkeit, Bremsverhalten und Kurvenverhalten erst erlernt werden muss“. Er hält Elektroräder grundsätzlich für stadttauglich – wenngleich etwas mehr Übung nötig ist, um sie richtig zu beherrschen.

Zwei Meter Abstand

Er mahnt auf den Radwegen zu mehr Rücksicht, aber das gilt seiner Meinung nach genauso für sportliche Radfahrer ohne Motorunterstützung. Um Zusammenstöße zu vermeiden, sollten andere, die sich Radweg oder Fahrbahn mit einem Elektrorad teilen, mit einer hohen Geschwindigkeit und raschen Beschleunigung des Fahrers rechnen.

Angesichts der engen Radwege sollten sich Radfahrer gut überlegen, wie und ob sie andere Verkehrsteilnehmer überholen möchten, ohne sich und andere zu gefährden. Denn, um sicher aneinander vorbeifahren zu können, sind laut Siegfried Brockmann mindestens zwei Meter notwendig. Eine Breite, die nicht immer gegeben ist. Auch für den Leiter der Unfallforschung der Versicherer gelten die üblichen Benimmregeln wie für andere sportliche Radler: angepasst fahren.

Wichtig: „Man sollte immer vorhersagbar fahren, also die Änderung der Fahrtrichtung per Handzeichen ankündigen und keine plötzlichen Schlenker fahren oder unvermittelt stehen bleiben“, sagt Krone. tmn

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