Test Volvo V 60 B5 AWD - Der Premium-Kombi ist größer, sicherer und sparsamer / Der schwedische Hersteller regelt seine Fahrzeuge bei 180 Stundenkilometern ab Mild-Hybrid und ein Heer von Assistenten

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Jürgen Strein
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Ein typischer Volvo: Der Premium-Kombi des Herstellers aus Göteborg ist in der aktuellen Generation größer, sicherer und sparsamer geworden. Alle Benziner sind nun mit einem Mild-Hybrid-System ausgestattet. © Jürgen Strein

Größer, sicherer, sparsamer: Volvo schickt den Premium-Kombi V 60 mit einem Heer von Assistenten und serienmäßigen Mild Hybrid-Benzinmotoren auf die Straße.

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In der dunkelsten Jahreszeit sich vom Sofa im heimischen Wohnzimmer zum Autotesten vors Haus zu schleppen, dazu gehört einige Überwindung. Nur gut, dass das Testfahrzeug ein bisschen wie das eigene Wohnzimmer ist: Bequeme Sitze, Wohlfühlausstattung, kultiviertes Fahren und ansonsten alles dort, wo man es erwartet. Der Volvo V 60 macht es dem Fahrer leicht, sicher durch Matsch und Schnee und den Dezember-Blues zu cruisen.

Das Testfahrzeug in Zahlen

Fünftüriger, fünfsitziger Premium-Kombi

Länge/Breite/Höhe/Radstand: 4761/1850/1427/2872 mm Leergewicht: 1850 kg Zuladung: 470 kg Kofferraum: 495 bis 1407 Liter Tankinhalt: 60 Liter

Antrieb: Vierzylinder-Turbo Hubraum: 1969 ccm Leistung: 184 kW (250 PS) bei U/min: 5400 bis 5700 max. Drehmoment: 350 Nm bei U/min: 1800 bis 4800 Siebengang-Doppelkupplung, Allradantrieb von 0-100 km/h: 6,6 sec. Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h (abgeregelt) Normverbrauch: 7,7 Liter Super CO2-Emission: 173 g/km Testverbrauch: 8,0 Liter

Anhängelast gebremst: 1800 kg ungebremst: 750 kg

Grundpreis: 49 150 Euro

Leicht auch, weil ein ganzes kleines Heer von elektronischen Helfern Unterstützung bietet auf feuchten und schneeverwehten Straßenbelägen. Zehn Seiten lang ist die Beschreibung der Sicherheitsfeatures des V 60 in der Produktbeschreibung und da ist wirklich alles drin, was man sich unter dem Thema „Auto und Sicherheit“ vorstellen kann: Volvo City Safety nennt der Hersteller das Paket, dessen Kernstück das Notbremssystem ist. Es erkennt neben anderen Fahrzeugen auch Fußgänger, Fahrradfahrer, Motorräder und große Wildtiere, warnt den Fahrer vor einer möglichen Kollision und leitet notfalls eine automatische Bremsung ein, um einen Zusammenprall zu verhindern oder zumindest die Unfallfolgen zu verringern. Dazu gibt es unter anderem den Kreuzungs-Bremsassistenten, der Kollisionen beim Linksabbiegen an Kreuzungen vermeidet.

Das alles, wohlgemerkt, als Serienausstattung: die „Oncoming Lane Mitigation“, die bei drohenden Zusammenstößen mit entgegenkommendem Verkehr eingreift, die „Road Edge Detection“, die ein unbeabsichtigtes Verlassen der Fahrbahn durch Lenk- und Bremseingriffe verhindert, sowie die „Run-off Road Protection“, die bei einem Abkommen von der Fahrbahn präventive Schutzmaßnahmen ergreift, um die Insassen vor Verletzungen zu bewahren. Hinzu kommen ein aktiver Spurhalte-Assistent, ein Geschwindigkeitsbegrenzer und eine Verkehrszeichen-Erkennung.

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Einen Schritt weiter in die Zukunft macht Volvo mit den Systemen „Hazard Light Alert“ und „Slippery Road Alert“. Diese erlauben über ein Cloud-basiertes Netzwerk einen Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen und machen den Fahrer auf mögliche Gefahren aufmerksam.

Und nach ein bisschen Erschrecken am Lenkrad vor der ersten Kurve, liest man sich in den nächsten Sicherheitsassistenten ein: Das optionale Fahrer-Assistenzsystem „Pilot Assist“ verfügt über eine neue Kurvenassistenzfunktion, die das Tempo vor scharfen Kurven reduziert.

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Keine Frage: Wir sitzen in einem Volvo; und hier wird Sicherheit groß geschrieben. Größer als Geschwindigkeit. Denn Volvo hat den V 60 – wie alle anderen Modelle – bei 180 km/h abgeregelt. Das ist konsequent und vernünftig: Wer möchte denn mit über 180 über immer miserablere Autobahnen brettern und zusehen, wie die Tankanzeige Schwindsucht bekommt.

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Der Motor im Testfahrzeug könnte natürlich mehr. Es ist ein B 5 (Volvo zählt seine Benziner von B 3 nach B 6 durch, je nach Leistung): ein Vierzylinder-Turbobenziner mit Mild-Hybrid-System, Benzindirekteinspritzung und Benzinpartikelfilter. Alle Benziner zeichnen sich durch konsequentes Downsizing auf maximal 2,0 Liter Hubraum aus in Verbindung mit fortschrittlichen Einspritz- und Aufladungssystemen. Das sorgt für geringen Kraftstoffverbrauch und niedrige Emissionen bei gleichzeitig kraftvoller Leistungsentfaltung. In Zahlen: 250 PS, maximales Drehmoment 350 Newtonmeter, von null auf hundert in 6,6 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit die erwähnten 180 km/h (der Vorgänger schaffte noch 230 km/h), Kraftstoffverbrauch nach dem neuen Standard WLTP gemäß WLTP, 7,7 Liter – im FN-Test waren es 8,0 Liter. Die Kraft des Motors wird durch eine sauber schaltende Achtgang-Automatik auf die Straße gebracht.

Alle Volvo-Benziner werden nun von einem Mild-Hybrid-System unterstützt. Es umfasst einen integrierten Startergenerator (ISG), eine 48-V-Lithium-Ionen-Batterie und ein System zur Bremsenergie-Rückgewinnung zur Unterstützung des Verbrenners (also keinen eigenen Elektromotor). Dadurch können Kraftstoffverbrauch und Emissionen laut Werksangaben um bis zu 15 Prozent gesenkt werden. Zur weiteren Treibstoffeinsparung kommt bei den neuen Benzin-Triebwerken eine Zylinderabschaltung zum Einsatz. Im Niedriglastbetrieb bis 100 Nm und 3000 U/min werden die Zylinder eins und vier elektromechanisch deaktiviert.

Rein äußerlich ist der Volvo gegenüber dem Vorgängermodell (der ersten Generation des V 60) um 13 Zentimeter gewachsen. Natürlich ist er an den „Thors Hammer“-LED-Scheinwerfern, dem charakteristischen Kühlergrill und den Rückleuchten sofort als Volvo erkennbar. Im Innern gibt es jede Menge Platz (auch im Kofferraum: 525 Liter), angenehme Materialien und einen durchdachten Mix von digitalen Instrumenten und intuitiv zu bedienenden Knöpfen und Tasten.

Alles Premium: auch die Preise. Sie fangen beim kleinsten Benziner B3 in der Grundausstattung bei 39 150 Euro an und gehen bis 56 300 Euro beim B6 AWD. Der getestete B5-Allrader liegt nicht viel darunter. Viel Geld für viel Auto.