Sicherheit - Die Zahl gestohlener Fahrräder ist nach wie vor hoch / GPS-Tracker und andere elektronische Hilfsmittel bieten zusätzlichen Schutz Klassisch mit Stahl und ganz digital

Von
tmn
Lesedauer:

Kassel. Sie gehen runter zu Ihrem Fahrrad und sehen – nichts. Rund 278 000 Fahrräder wurden 2019 gestohlen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das zwar ein leichter Rückgang, gleichzeitig jedoch sind die Räder dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zufolge teurer geworden, denn der versicherte Schaden bewegt sich mit 110 Millionen Euro auf Vorjahresniveau. Je hochwertiger Fahrräder sind, desto wichtiger ist auch eine gute Absicherung. Was also tun?

Der Strom ist schon da: Manche Elektrofahrräder bieten elektronische Diebstahllösungen schon ab Werk an. © dpa
AdUnit urban-intext1

Hier führt Experten zufolge an klassischen Schlössern aus Stahl nach wie vor kein Weg vorbei. „Hochwertige Bügelschlösser sind die sichersten Modelle und hier ist auch das Preis-Sicherheitsverhältnis am besten. Sehr gute Bügelschlösser gibt es schon ab 30 Euro“, sagt René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). Dennoch kann es sinnvoll sein, die physische Sicherheit mit elektronischen Features zu erweitern.

„Fahrraddiebe nehmen das Schloss meistens nicht mit, daher kann es eine große Hilfe sein, wenn ein Rad zusätzlich beispielsweise noch mit einem GSM- beziehungsweise GPS-Modul ausgestattet ist, über das sich das Fahrrad orten lässt“, sagt David Koßmann vom Pressedienst Fahrrad (pd-f). Das allerdings sind Extras, die sich in der Regel nicht selbst installieren lassen. „Hier ist immer eine gesonderte Stromversorgung notwendig und so ein Modul sollte ja auch so angebracht werden, dass es sich möglichst unauffällig ins Rad integriert“, sagt Koßmann.

Beides seien auch Gründe, warum sich das bisher quasi nur an E-Bikes findet. Manche Hersteller wie etwa Riese & Müller und Stromer würden Ortungsmodule aber auch bereits ab Werk anbieten. In Verbindung etwa mit Serviceverträgen könnten Kunden ihre Fahrräder so für Kosten zwischen 50 und 130 Euro pro Jahr zusätzlich absichern.

AdUnit urban-intext2

Daneben gibt es auch spezielle Fahrradversicherungen, die beispielsweise für E-Bikes GPS-Tracker in Verbindung mit einer Versicherungspolice anbieten. „Grundsätzlich lohnt sich für hochpreise Fahrräder eine zusätzliche Diebstahlversicherung. Dann kann man sicher sein, im Falle eines Diebstahls wenigstens einen Teil des Wertes erstattet zu bekommen“, meint Filippek. Zwar sind Fahrräder in der Regel auch über die Hausratversicherung abgesichert, allerdings meist nur in Zusammenhang mit einem Einbruchdiebstahl und auch nur bis zu einer gewissen Höhe. Zusätzliche Fahrradversicherungen kosten meist fünf bis zehn Euro pro Monat.

Über Smartphone gesteuert

Eine Kombination aus klassischem Schloss und digitaler Nachverfolgung ohne zusätzliche Installation bietet zudem ein neues Schlosssystem von Abus, das vorrangig auf Baustellen oder in der Logistik aber auch bei Fahrrädern angewendet werden kann. Das zusammen mit dem Mobilfunkanbieter Vodafone entwickelte Schloss wird komplett über das Smartphone gesteuert und besteht aus einem Bügel oder einer Kette sowie einem digital abgesicherten Schloss.

AdUnit urban-intext3

„Das Schloss an sich beinhaltet eine SIM-Karte, die funkt, wodurch es überall geortet werden kann. Zusätzlich ist das Schloss mit Bluetooth, Bewegungssensoren und einem GPS-Sender ausgestattet“, erklärt Tobias Krzossa von Vodafone. Dadurch seien die abgesicherten Gegenstände immer nachverfolgbar. Die zusätzliche Sicherheit hat allerdings auch ihren Preis: Neben den einmaligen Anschaffungskosten von rund 200 Euro wird für die SIM-Karte im Vodafone-Netz je nach Tarif monatlich ein niedriger einstelliger Euro-Betrag fällig.

AdUnit urban-intext4

Fahrrad-Experte Koßmann hält Ortungsmodule grundsätzlich für eine gute Möglichkeit der zusätzlichen Absicherung, verweist aber auch auf den damit verbundenen Datentransfer: „Man darf nicht vergessen, dass ein Radler durch die Positionsdaten regelrechte Bewegungsprofile erstellt, die für einen Hacker natürlich ein echter Schatz sind.“ Würden etwa potenzielle Fahrraddiebe diese Daten abgreifen, sei damit nicht nur schnell nachvollziehbar, wo ein Fahrrad jeden Tag geparkt werde, sondern auch, wann und wie lange.

Lauter Alarmton

Zudem bieten auch Trackingsysteme keine Garantie, dass gestohlene Fahrräder tatsächlich wiedergefunden werden. „So eine GPS-Ortung ist sehr ungenau, wenn ein Rad etwa in Innenräumen aufbewahrt wird. Die Polizei wird dann im Zweifelsfall auch keinen ganzen Häuserblock nach einem gestohlenen Rad durchsuchen“, sagt Filippek.

„Wir erleben derzeit eine schrittweise Abkehr vom klassischen Schlüssel“, sagt Koßmann. „Immer mehr Fahrradschlösser funktionieren schlüssellos und lassen sich per Fingerprint oder via Bluetooth über eine Smartphone App öffnen. Das ist besonders praktisch, wenn die Räder in der Familie oder im Freundeskreis geteilt werden.“ Daneben werden auch immer mehr Schlösser mit zusätzlichen Alarm-Features ausgestattet. „Hier registrieren dann Bewegungssensoren, wenn sich jemand am Schloss zu schaffen macht“, sagt Koßmann. „Die Reaktion ist dann ein sehr lauter Alarmton, der natürlich zunächst abschreckend wirkt.“ Bei smarten Schlössern erhält der Besitzer zudem eine Warnung via Smartphone. tmn