AdUnit Billboard
Im Test - Mercedes-Benz hat sein Volumenmodell, die C-Klasse, runderneuert und viele Elemente aus dem Topmodell S-Klasse übernommen

Innovativ und kein bisschen bieder

Von 
Stephan Eisner
Lesedauer: 
Der breite Kühlergrill und die coupéhafte Linie machen die C-Klasse zum schicken Hingucker. © Daimler

Mannheim. Es war eine Großtante, die dem Autor mit den Worten: „Du bist aber groß geworden“ in die Wange kniff. Situationen, an die man sich erinnert. Das dürfte auch so um 1982 herum gewesen sein – das Jahr, in dem Mercedes seinen 190er vorstellt, der später liebevoll Baby-Benz genannt wird. Und wenn nun, 40 Jahre später, die neue C-Klasse als Ur-Enkel vor einem steht, möchte die Hand fast auf die Suche nach einer Blechwange gehen. Mehr als 30 Zentimeter in die Länge und fast 20 in die Breite ist er gewachsen – wow.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Der Testwagen ist eine Limousine – Mercedes verkauft übrigens zwei von drei C-Klassen als T-Modell genannte Kombis. Die Motorhaube schmücken Powerdomes, jene Erhebungen, die früher Mustang und Co. zierten. Das knackige Heck unterbrechen spitz zulaufende Leuchten, die Linie könnte auch einen CLA zeigen: Die miefig-biedere Design-Zeit ist lange vorbei.

Perfektes Start-Stopp-System

Mercedes-Benz C 300 4MATIC AMG-Line

Motor: Vierzylinder-Benziner

Hubraum: 1999 ccm

Leistung: 190 kW / 258 PS; Booster: 15 kW / 20 PS (plus 200 Nm)

Max. Drehmoment: 400 Nm

Antrieb: Allradantrieb, neunstufige G-Tronic

Höchstgeschw.: 250 km/h

Beschleunigung: 6,0 Sekunden von 0-100 km/h

Verbrauch pro 100 Kilometer (Werksangaben/WLTP): 7,9 l / Testverbrauch: 8,2 l

Schadstoffklasse: Euro 6d ISC-FM

CO2 Emissionen: 161 g/km

Länge: 4751 mm, Breite: 1820 mm, Höhe: 1438 mm

Leergewicht: 1730 kg

Kofferraumvolumen: 455 l

Preis: 55 019 Euro

Serienausstattung: LED-High-Performance-Scheinwerfer, Instrumententafel und Bordkanten in Ledernachbildung, Sitze in Ledernachbildung ARTICO / Mikrofaser DINAMICA schwarz, Multifunktions-Sportlenkrad in Leder Nappa, Sportfahrwerk, diverse Assistenz-Systeme. se

Der schon erwähnte Wachstumsschub hat den Baby-Benz nicht nur reifer gemacht, die Passagiere profitieren auf allen Plätzen davon. Der Radstand misst inzwischen 2,86 Meter, da muss auch hinten niemand mehr die Beine anziehen. Allerdings kann es beim Aussteigen durchaus zu Holm-Kopf-Kontakt kommen. Die Sitze sind ein Traum, geben guten Halt und sind voll langstreckentauglich. Und: Wohl dem, der einen großen Bruder hat. Im Fahrzeugbereich hat das den Vorteil, dass teure und innovative Neuerungen in die Topmodelle eingebaut werden – und später profitieren die „Kleinen“ davon. Und da die S-Klasse zu den besten Fahrzeugen der Welt gehört, schmückt es die C-Klasse natürlich, dass im Inneren beispielsweise das gleiche Anzeige- und Bedienkonzept Einzug hält. Im kleinen Mercedes werden sie etwas sportlicher interpretiert, Instrumententafel samt Zentral-Display sind dem Fahrer leicht zugeneigt. Die Fahrzeugfunktionen sind über den Touchscreen steuerbar, er scheint fast über der Zierteilfläche zu schweben. Das ist schon sehr schick und funktional.

Angetrieben wird die C-Klasse von Vierzylindern – als Diesel oder Benziner. Lange vorbei sind die Zeiten, als man über die Modellbezeichnung noch auf den Hubraum schließen konnte. Der Test-C 300 hat einen Zweiliter-Benziner, der, wenn er kalt ist, ein bisschen nach Diesel klingt. Das könnte man dann auch noch beim Beschleunigen denken, denn der Benz wirkt über ein breites Drehzahlspektrum hinweg sehr kraftvoll. Wie ein Diesel eben.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Den Dauerschub verdankt er dem integrierten Starter-Generator, zu dem das 48-Volt-Bordnetz gehört. Dieser Mild-Hybrid beherrscht die Klaviatur des Segelns oder er rekuperiert, was Verbrauchseinsparungen ermöglicht. Es gibt auch einen Booster, der ihn – trefflich unterstützt von der Neungang-Automatik – springen lässt. Ist der Motor warm, beeindruckt er mit Laufruhe. In der Stadt fällt auf, dass Mercedes das Start-Stopp-System perfektioniert hat. Leiser, sanfter und schneller startet kein Motor.

Die C-Klasse lässt sich sehr agil dirigieren. Das Sportfahrwerk im Testwagen hat durchaus zur Freude bei Kurvenfahrten beigetragen, ohne mörderisch unbequem zu sein: flink, kaum Wankbewegungen und sehr spurtreu. Der Wendekreis verringert sich mit der Hinterachslenkung (1249 Euro) um mehr als 40 Zentimeter. Das macht vor allem das Rangieren in enge Lücken beeindruckend einfach.

Der Einstieg in die C-Klasse beginnt mit dem 180 ab rund 41 000 Euro. Wer will, kann auch eine Plug-in-Hybrid-Variante mit mehr als 100 Kilometern elektrischer Reichweite ordern – und denken: „Du bist aber groß geworden.“

Autor Projektredakteur/Autoredakteur

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1