Formel 1 in Deutschland: Sky ist das Limit

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Andreas Reiners
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mid Groß-Gerau - Die Formel 1 verschwindet zum Großteil hinter der Bezahlschranke. © Daimler

Es gibt nur wenige Dinge, die im Sport so polarisieren wie die TV-Übertragungen. So auch bei der Formel 1. Die einen verfluchen RTL für die Werbeunterbrechungen, die anderen Pay-TV-Sender Sky dafür, dass sie für die Rennen zahlen müssen.

Von den Moderatoren und Kommentatoren ganz zu schweigen: Sie sorgen immer wieder für Diskussionen. Auch da musste RTL für Heiko Wasser und Christian Danner Kritik einstecken, Lob gab es aber zum Beispiel für den Experten Timo Glock.

Fakt ist: Nach rund 30 Jahren ist die Ära Formel 1 bei RTL zu Ende. 2021 übernimmt Sky, der Sender wird die Königsklasse in Deutschland exklusiv übertragen.

Sky zog nach dem Finale im Dezember 2020 eine positive Bilanz, es war die reichweitenstärkste Saison der Sendergeschichte: Am gesamten Rennwochenende sahen im Schnitt 979.000 Zuschauer (Reichweiten jeweils inklusive TV, Sky Go und Sky Ticket) die einzelnen Sessions mit den drei freien Trainings, Qualifying und Rennen. Damit schalteten durchschnittlich rund 19 Prozent mehr Zuschauer am Wochenende ein als in der Vorsaison.

Die Rennen sahen im Schnitt 550.000 Zuschauer. Damit lagen die Renn-Reichweiten um rund 15 Prozent über der Vorsaison. Den Saison-Topwert erzielte der Große Preis der Steiermark am zweiten Formel-1-Wochenende mit 650.000 Zuschauern. Das Saisonfinale in Abu Dhabi sahen noch einmal 562.000 Zuschauer. Der Marktanteil in der Gesamtbevölkerung lag bei 2,6 Prozent und bei 6,8 Prozent in der Zielgruppe der 14 bis 59-Jährigen.

Das ist natürlich kein Vergleich zu der Reichweite, die RTL erreichte, der frei empfangbare Kölner Privatsender verbuchte zuletzt im Schnitt rund vier Millionen Fans pro Rennen. Keine Frage: Diese Zahlen werden erst einmal Geschichte sein, auch wenn mit Mick mal wieder ein Schumacher mitmischen und auch Sebastian Vettel bei Aston Martin noch einmal durchstarten wird.

Doch was ist mit dem grundsätzlichen Stellenwert der Formel 1? Glock, der in der neuen Saison Experte bei Sky sein wird, glaubt, dass die Formel 1 "von Jahr zu Jahr interessanter" wird, "mit dem, was an Entwicklung kommt. Mit den neuen Autos und dem neuen Reglement wird es einen Aufschwung geben. Natürlich auch mit Mick, und alle werden schauen, was Sebastian macht. Der Stellenwert der Formel 1 wird immer hoch sein. Ob sie an den Fußball herankommt, ist eine schwierige Frage, aber ihren Stellenwert wird sie haben."

Sky-Moderator Sascha Roos meint: "Die Formel 1 entwickelt sich weiter. Die Quoten sind großartig, auch wenn es an der Spitze langweilig wird. Ich glaube, dass es 2021 erst richtig losgehen wird."

Sky hat erste Pläne bereits verkündet. Neben Timo Glock bleibt Ralf Schumacher Experte. Der Sender wird alle 23 Wochenenden vom ersten Training bis zum Rennen am Sonntag übertragen. Zudem zeigt Sky alle Sessions der Formel 2 und Formel 3.

Mit "Sky Sport F1" wird Sky zudem den ersten linearen Formel-1-Sender im deutschen Fernsehen an den Start bringen. Eine gute Nachricht: Zudem wird Sky vier ausgewählte Rennen pro Saison frei empfangbar für jedermann ausstrahlen. Das könnte im Rahmen einer Sublizenz RTL übernehmen, so aktuelle Gerüchte.

Zu welcher Quote das am Ende führt, wird natürlich auch vom Sportlichen abhängen, ob Mercedes einmal mehr alles in Grund und Boden fahren wird. Da ruhen die Hoffnungen auf Red Bull Racing und Max Verstappen. Und auch auf Sebastian Vettel bei Aston Martin und Debütant Mick Schumacher.

Red Bulls Motorsportberater Dr. Helmut Marko hatte am Ende dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" vorhergesagt: "Erfahrungsgemäß sinken die Einschaltquoten nach so einem Wechsel in der ersten Phase drastisch." Allerdings wisse man auch, dass sich das mit der Zeit erhole, so Marko.

Wie sehr und wie schnell, wird sich zeigen.

Andreas Reiners / mid