Elektrifizierter Exzentriker - Hyundai Tucson 1,6 T-GDI 48 V-Hybrid

Von 
Solveig Grewe
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mid Groß Gerau - Ein mutiger Wurf ist den Designern mit der kühn und unverwechselbar gezeichneten Optik des Hyundai Tucson gelungen. © Hyundai

Der Hyundai Tucson gehört zu den Bestsellern des koreanischen Automobilherstellers. In den vergangenen 16 Jahren wurden weltweit mehr als sieben Millionen Fahrzeuge verkauft.

Trotz des Erfolges hat Hyundai die geringfügig gewachsene vierte Generation seines meistverkauften SUV, das in Deutschland zwischen 2010 und 2015 unter dem Namen ix35 angeboten wurde, nicht nur behutsam, sondern deutlich extrovertierter gezeichnet. Ob das Mittelklasse-SUV mit seiner zeitgemäßen Antriebspalette mit zumeist hybridisierten Motoren, Assistenzsystemen auf dem neuesten Stand und einem Preis von ab 26.800 Euro das Zeug zum Trendsetter hat, konnte der Motor-Informations-Dienst (mid) ausgiebig testen.

Ganz und gar nicht konservativ wie sein Vorgänger präsentiert sich der 4,50 Meter lange und 1,86 Meter breite Tucson seinem Betrachter. Scharfe Kanten und Linien fließen von dem prominenten Frontgrill mit integriertem Tagfahrlicht in kühnem Schwung bis hin zum zerklüfteten Heck.

Die futuristische Formgebung, die die koreanischen Designer auf der Basis von geometrischen Algorithmen mit Hilfe digitaler Technik am Computer entwickelt haben, mag nicht unbedingt jedermanns Geschmack sein. Auf jeden Fall sorgt sie wie die leicht eckigen Radhäuser, das ungewöhnliche gläserne Hyundai Logo an der Heckscheibe und das durchgehende Leuchtenband hinten dafür, dass das SUV unverwechselbar vor allen anderen Vertretern dieser Fahrzeugklasse ist.

Im schönen und ordentlich aufgeräumten Innenraum gefallen solide bis hochwertig verarbeitete Materialien mit angenehm weichen Oberflächen nicht nur optisch, sondern auch haptisch. Während Hyundai mit dem Platzangebot vorne eher knauserig ist, sind die Passagiere im Fond mit viel Bein- und genügend Kopffreiheit untergebracht. Wem der Platz dort dennoch noch nicht reicht, der kann den Beifahrersitz über zwei Schalter an der seitlichen Lehne nach vorne fahren.

Das Kofferraumvolumen haben die Koreaner gegenüber dem Vorgänger um 107 Liter auf urlaubstaugliche 620 bis fast 1.800 Liter erweitert. Auf dem Weg zum Ziel begleiten die Insassen nicht nur bis zu 64 verschiedene Ambientebeleuchtungen, sondern auch beheizte oder im Bedarfsfall kühlende Sitze. Für die auf längeren Strecken nun mal unerlässliche Stromversorgung diverser Smartphones und Tablets stehen vorne ein Fach für induktives Laden und ein USB-Anschluss sowie hinten zwei weitere USB-Zugänge zur Verfügung.

Knöpfe oder Drehschalter sucht man im Tucson vergeblich. Alle Funktionen lassen sich über Touchsensoren bedienen. Über die obere Hälfte des 10,25 Zoll großen Touchscreen dirigiert man die Infotainmentfunktionen, der untere Teil übernimmt die Regelung des Klimas. Wenn das während der Fahrt zu umständlich ist, kann man seine Wünsche über - aber bitte gut verständliche - Sprachbefehle äußern.

Die Informationen über Geschwindigkeit, Drehzahl und wichtige Kontrollleuchten erreichen den Fahrer über ein ebenfalls 10,25 Zoll großes zentrales Display im Armaturenbrett. Setzt man den Blinker zum Abbiegen, erscheint dort - gegen sinnvolle 500 Euro Aufpreis leider nur in der obersten Ausstattungslinie - ein rückwärtiges Kamerabild, das den Bereich seitlich hinter dem Auto zeigt. Das funktioniert auch bei Dunkelheit oder Regenwetter. So lässt sich die Gefahr, besonders beim Rechtsabbiegen einen Radfahrer zu übersehen, auf ein Minimum reduzieren. Gut gemacht, Hyundai!

Der Testwagen ist mit einem - wie übrigens alle Motorisierungen im Tucson - 1,6 Liter Vierzylinder bestückt, der - hier als Benziner - auf die Unterstützung durch ein 48- Volt-Hybridsystem mit Riemenstarter-Generator baut. Bei starker Beschleunigung packt der mit einer Leistung von bis zu 12 kW an der Kurbelwelle mit an, beim Bergabfahren, Ausrollen und Bremsen gewinnt er wie ein Dynamo Energie zurück, die dann beim nächsten Spurt wieder zur Verfügung steht.

Für den gefahrenen frontgetriebenen Mild-Hybrid-Benziner mit 180 PS unter der Haube und manuellem Sechsganggetriebe notiert Hyundai einen Kraftstoffverbrauch von 6,7 Litern/100 km (nach WLTP) kombiniert. Im Alltag pendelt sich der Verbrauch für den exzentrischen knapp 1,7 Tonnen schweren Koreaner bei um die sieben Liter ein. Darf er sich auch mal im Fahrprogramm "Sport" bewegen, können es auch mal über acht Liter sein.

Solveig Grewe / mid


Technische Daten Hyundai Tucson 1,6 T- GDI 48 V-Hybrid

- Länge / Breite / Höhe: 4,50 / 1,86 / 1,65 Meter

- Motor: Vierzylinder Benziner mit Mildhybrid-System

- Hubraum: 1.598 ccm

- Benzinmotor Leistung 132 kW / 180 PS

- max. Drehmoment: 265 Nm

- Elektromotor Nennleistung: 12 kW

- Getriebe: manuelle Sechsgangschaltung

- Beschleunigung: 0 - 100 km/h in 9,4 s

- Höchstgeschwindigkeit: 205 km/h

- Normverbrauch ( WLTP): 6,7 l/100 km

- CO2-Emissionen: 152 g/km

- Preis: ab 31.400 Euro