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Sicherheit - Das elektronische Stabilitätsprogramm rettet seit Jahren Menschenleben / Auto wird in extremen Fahrsituationen stabilisiert

Ein regulierender Eingriff

Von 
tmn
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Ein Güterzug mit Neuwagen: Jedes Modell muss mit einem elektrischen Stabilitätsprogramm ausgestattet sein. Seit November 2014 ist das ESP Pflicht in Europa. © Robert Michael/dpa-Zentralbild

Erfurt. Das Elektronische Stabilitätsprogramm im Auto rettet seit Jahren Menschenleben. Das je nach Hersteller unter Abkürzungen wie ESP oder ESC (Electronic Stability Control) auftretende System kann das Auto in extremen Fahrsituationen stabilisieren und so Unfälle verhindern. Auch wenn die Systeme je nach Hersteller unterschiedlich heißen und im Detail anders abgestimmt sind, ist die grundlegende Funktionsweise immer gleich: Einzelne Räder werden gezielt abgebremst, um ein Untersteuern oder Übersteuern des Fahrzeugs zu verhindern, erklärt Achmed Leser vom TÜV Thüringen.

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System überwacht Signale

„Teilweise wird auch direkt in die Motorsteuerung eingegriffen, was noch schnellere Effekte als ein Bremseingriff bringt“, sagt Leser. All das trägt dazu bei, dass ein Auto in Extremsituationen nicht ausbricht oder ins Schleudern gerät. „Die aktuellsten Systeme greifen sogar in den Lenkvorgang ein und unterstützen den Fahrer so zusätzlich, die gewünschte Spur zu halten“, so der Autoexperte. Um im richtigen Moment eingreifen zu können, überwacht das System permanent die Signale verschiedener Sensoren. Der Abgleich von Raddrehzahlen, Lenkwinkel und Gierrate erlaubt, instabile Fahrzustände in Sekundenbruchteilen zu erkennen.

Registriert das Steuergerät ein anderes Fahrverhalten als vom Fahrer vorgegeben, greift es sofort ins Fahrgeschehen ein. Das Fahrzeug werde dadurch in der Spur gehalten, so lange das physikalisch möglich sei, sagt Leser. „Natürlich gibt es aber weiterhin Situationen, in denen auch ein hochmodernes ESC nicht mehr helfen kann.“

Doch warum lässt sich so ein Sicherheitssystem in einigen Autos auf Knopfdruck abschalten? Einige Hersteller bieten verschiedene Fahrmodi an, um beispielsweise auch sehr sportliches Fahren zu ermöglichen, erklärt Leser. „Hierbei werden die Regelschwellen der Systeme verschoben, die regulierenden Eingriffe erfolgen also etwas später.“ Nur bei wenigen Herstellern sei es dagegen auch heute noch möglich, das ESC komplett zu deaktivieren. In der Regel werde durch das manuelle Ausschalten lediglich die Antriebsschlupfregelung (ASR) deaktiviert, die ein Durchdrehen der Räder verhindert. „Das kann in manchen Fahrbahnsituationen sinnvoll sein, etwa beim Anfahren auf glattem Untergrund im Winter“, so Leser.

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Die ESP-Systeme wurden 1995 von der Firma Bosch entwickelt und waren anfangs teuren Oberklassefahrzeugen vorbehalten, erläutert der TÜV Thüringen. Ihren ersten großen Auftritt hatten die Elektronischen Stabilitätsprogramme 1997 beim sogenannten Elchtest: Damals war ein neuer Kompaktwagen während eines schnellen Ausweichmanövers umgekippt und auf dem Dach gelandet. Dieses Ereignis ebnete den Weg für den flächendeckenden Einsatz elektronischer Fahrdynamikregelungen in Fahrzeugen.

Sie verbesserten die Fahrsicherheit entscheidend. Nach Angaben der Unfallforschung der Versicherer (UDV) haben die elektronischen Systeme allein von 2000 bis 2013 rund 200 000 Unfälle verhindert und 6000 Menschen das Leben gerettet. Seit dem Elchtest stehen ESP & Co. als Synonym für Fahrsicherheit, aber bis zum flächendeckenden Einsatz in Neuwagen dauerte es fast 20 Jahre: Erst im November 2014 wurde ESP in Europa Pflicht in jedem Neufahrzeug. tmn

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