Der mid-Kommentar: Nach dem Lockdown nicht sparen

Von 
Lars Wallerang
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Die Corona-Krise hat die Automobilindustrie und viele andere Wirtschaftsbranchen in einen Dornröschenschlaf versetzt. Nicht das neuartige und lebensgefährliche Virus COVID-19 ist Ursache für dieses Koma, sondern das besonnene Handeln verantwortungsvoller Entscheidungsträger. Sie gaben und geben dem Leben gefährdeter Menschen, der Alten und Kranken, den Vorrang gegenüber ökonomischen Erfordernissen. Und das ist gut so.

Die ethisch wertvolle Maßnahme des Lockdown verursacht andererseits unermesslich hohe wirtschaftliche Kosten. Die Kettenreaktionen einer extrem weit vernetzten Industrie können gravierend sein. Die wechselseitige Abhängigkeit zwischen Autoherstellern und Zulieferern ist nur ein Beispiel für die Komplexität des heruntergefahrenen Systems, das sich nicht so einfach wieder hochfahren lässt wie ein Computer.

Die größte Gefahr besteht in finanziellen Engpässen. Wo Einnahmen wegbrechen, Kosten aber weiterlaufen, wachsen gewaltige Defizite heran. Große Konzerne mögen noch über die besten Mittel verfügen Einbrüche zu kompensieren. Über den Partnern - Zulieferern und Händlern - könnte der Pleitegeier schon viel früher kreisen. Nicht zuletzt werden auch die wirtschaftlichen Probleme der Autokunden, die womöglich den geplanten Neuwagenkauf streichen müssen, zum Problem für die Hersteller.

Die Fahrzeugindustrie, die ihre Produktion nun langsam wieder hochfährt, kann die Probleme nicht alleine lösen. Es bedarf staatlich unterstützter Konjunkturprogramme in einer Größenordnung, die schwindelerregend sein mag. Doch Sparen wäre das Letzte, was aus der Krise heraushelfen könnte. Denn nur durch Investitionen lässt sich der wirtschaftliche Schaden reparieren.

Und in diesem Zusammenhang ist es egal, ob der Staat Schulden macht oder die Notenpresse anwirft. Nur wenn die vorhandenen Potenziale genutzt werden können, kommt der Wirtschaftskreislauf wieder in Gang und auch die Autoindustrie erwacht aus ihrem Dornröschenschlaf.

Lars Wallerang / mid

mid Groß-Gerau - Der Lockdown und seine Folgen: mid-Autor Lars Wallerang beschäftigt sich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Automobilindustrie. © Motor-Informations-Dienst (mid)