Das schwimmende Fahrerlager

Von 
Andreas Reiners
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mid Groß-Gerau - Die RMS St. Helena ist gleichzeitig Transportschiff und Fahrerlager. © Extreme E

Ein schwimmendes Fahrerlager. Ernsthaft? Ja, in der Tat. Was sich zunächst wie ein Aprilscherz anhört, ist ein sicherlich ungewöhnliches, aber zugleich wichtiges Mittel der neuen Rennserie Extreme E, um die eigenen Ziele zu erreichen.

Eine clevere Logistik-Lösung. Denn die Ziele sind hoch gesteckt und stehen auf den drei Säulen Elektrifizierung, Umwelt und Gleichstellung. Grundsätzlich will sie auf die Folgen des Klimawandels hinweisen. Und mit gutem Beispiel vorangehen und dabei so grün wie möglich sein.

Die RMS St. Helena soll dabei so etwas wie ein klimaschonendes Aushängeschild sein, denn der ökologische Fußabdruck wird wesentlich geringer sein als bei der üblichen Reise mit dem Flugzeug zu den Zielen Saudi-Arabien, Senegal, Grönland, Brasilien und Argentinien. Rund zwei Drittel kleiner soll er sein. "Wir werden die Wege, die Routen rund um die Welt minimieren, sie optimieren", kündigte Seriengründer Alejandro Agag bei "Euronews" an.

Es erinnert an die großen Expeditionen aus der Vergangenheit: 2021 wird die Extreme E die Ausrüstung, allen voran die Elektro-SUVs der insgesamt neun Teams, auf dem Seeweg transportieren.

Die RMS St. Helena, ein ehemaliges britisches Postschiff, wurde für die neuen Einsätze renoviert und modernisiert, und das mit Green-Emission-Technologien in der Größenordnung von mehreren Millionen Euro. Die vielleicht größte Nachrüstung betraf die Motoren des 30 Jahre alten Schiffes, diese wurden komplett umgebaut.

"Dies ist eines der wichtigsten Dinge, die wir getan haben, um den ökologischen Fußabdruck zu verringern. Das Schiff wurde früher mit schwerem Kraftstoff betrieben und wird jetzt mit schwefelarmem Schiffsdiesel betrieben. Wir haben die Motoren komplett umgebaut und alle Zylinderblöcke nachbearbeitet", erklärte Allan Wilson bei "Riviera". Er ist Managing Director bei der Firma Wilson Ship Management, die sich um den Umbau gekümmert hat.

Denn die St. Helena ist nicht mehr die Jüngste: Gebaut in Aberdeen, erfolgte der Stapellauf am 31. Oktober 1989. Das 7.000-Tonnen-Schiff ist 105 Meter lang und 19,20 Meter breit, hatte vor der Modernisierung aber auch schon bessere Zeiten gesehen.

Zwei Vorteile hat sie aber: Zum einen kann sie nicht nur das Equipment transportieren, sondern auch bis zu 155 Passagiere. Außerdem ist sie durch eigene Kräne unabhängig von Häfen und Infrastruktur an den insgesamt fünf Zielen der Rennserie.

"In Kangerlussuaq in Grönland können wir beispielsweise direkt in die Bucht gelangen, in der wir fahren möchten, und das Schiff direkt dort entladen", erklärt Agag im "alt-drive"-Magazin: "Wenn wir auf normalen Containerschiffen verschiffen würden, müssten wir zum nächsten Containerhafen und dann alles auf der Straße transportieren", sagte er.

Vor Ort dient die RMS St. Helena als Fahrerlager, im dem die Beteiligten während der Events untergebracht werden.

Doch eine Art Ganzjahres-Traumschiff-Reise für Fahrer, Teamchefs und Mechaniker ist das Extreme-E-Schiff nun auch wieder nicht: Die insgesamt sieben erlaubten Teammitglieder reisen per Flugzeug zu den Rennen.

Andreas Reiners / mid