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Audi macht das Laden leichter - und schöner

Von 
Marcus Efler
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mid Nürnberg - In Klimakammern simuliert Audi die alltägliche Belastung für Akkuzellen. © Audi

Die Zukunft der Mobilität entsteht in einem Keller unter drei unscheinbaren Gebäuden in Gaimersheim, unweit von Ingolstadt. In mehreren kleinen Klimakammern foltern Chemiker von Audi hier Lithium-Ionen-Zellen. Entladen bei niedrigen und hohen Temperaturen, schnelles und langsames Laden, immer und immer wieder, bis 15 Jahre eines Autolebens oder 300.000 Kilometer unter allen erdenklichen Bedingungen simuliert sind. In vier Jahren sollen so leistungsfähige Akkus für Elektroautos zu Großserienprodukten reifen, die Reichweite und Schnellladefähigkeit auf ein neues Level hieven.

Denn obwohl moderne Elektromodelle wie der Audi e-tron je nach Batterie-Pack über 500 Non-Stopp-Kilometer versprechen, müssen Stromer-Fahrer in der Praxis meist deutlich früher an der Ladesäule parken. "Die Reichweite ist bei potenziellen Kunden nach wie vor ein Thema", weiß Alexander Kürzl, bei Audi verantwortlich für den Bereich Laden von EV (Electric Vehicles). Das schöne deutsche Wort "Reichweitenangst" bezeichnet einen der dicken Bremsklötze bei der Verbreitung der Elektromobilität. Die drei Maßnahmen, sie zu mindern oder gar ganz abzuschaffen, stellte Autobauer aus dem Volkswagen-Konzern nun vor.

Der Folterkeller für Akkuzellen ist eigentlich Geheimsache, denn der optimale Energiespeicher ist so etwas wie die Coca-Cola-Formel für Hersteller von Elektroautos. Dabei fährt jeder seine eigene Strategie, um einen entscheidenden Zielkonflikt zu lösen: Entweder Lithium-Ionen-Akkus speichern mehr Energie, oder sie lassen sich schneller laden. Smartphone-Akkus, wie sie frühere Tesla-Modelle verwendeten, gehören beispielsweise zu ersterer Art. Ein unerwünschter chemischer Prozess, der (nach der Verfärbung des Lithium-Container-Materials Graphit) "Deutschland-Flagge" genannt wird, bremst allerdings die Ladung.

Nach wie vor gehört Tesla zu den Herstellern, die einer hohen Akku-Kapazität den Vorzug gegenüber Turbo-Laden geben. Hyundai wiederum setzt auf die entgegengesetzte Strategie. Mittlerweile rücken aber die meisten Automarken und ihre Akku-Lieferanten in die Mitte zwischen den Extremen, wo auch Audi den optimalen Kompromiss sucht: Gute Reichweite bei zügigem Laden.

Aber auch der ausgeklügeltste Akku leert sich, die schwindende Reichweite macht den E-Auto-Fahrer nervös. Hier setzt Audis zweite Maßnahme an: eine verlässliche und präzise Anzeige der Restreichweite - je nach persönlichem Fahrstil. Bei SUVs wie dem e-tron werden die letzten 100 Kilometer als Berechnungsmethode-Grundlage herangezogen. Bei sportlicheren Modellen wie dem e-tron GT ermittelt der Algorithmus das Fahrers Vorlieben über die letzten 600 Kilometer.

Ist ein Ziel im Navi programmiert, fällt eine präzise Prognose anhand der vorausliegenden Strecke natürlich leichter - und auch die Anzeige von Ladepunkten an dieser, sollte der Akkustand nicht bis zu Ziel reichen.

Dank des mittlerweile relativ dicht geknüpften Netzes an Schnelllade-Stationen entlang der Autobahnen, inklusive jener des auch von Volkswagen getragenen Anbieters Ionity, ist die nächste Gleichstrom-Säule auf großer Tour nie weit. Ein Problem hat Audi dagegen im urbanen Bereich ausgemacht: Nicht jeder, der einen Q4 e-tron oder andern Stromer fährt, wohnt im eigenen Haus mit Garage und Wallbox. Schnellladesäulen sind aber auch in großen Städten rar, so gab es bis zur kurzem in Nürnberg keine einzige. Bis Audi kam.

Der neue Charging Hub in Messenähe ist nämlich der erste von insgesamt elf in Deutschland, sowie einem in Zürich und einem in Salzburg geplanten. Sie sind die dritte Maßnahme, die Elektromobilität zu vereinfachen: Rein in die Städte mit schnellen Ladepunkten.

Sechs bedienfreundlich über die Decke geführte Ladekabel füllen den leeren Akku in gut einer halben Stunde auf 80 Prozent. Obwohl Fahrer aller Marken den Charging Hub (inklusive Essens-Automat) nutzen können, haben Audi-Besitzer mit markeneigenem Lade-Vertrag einige Vorteile: Sie müssen zum Bezahlen keine Karte und auch kein Smartphone zücken, denn sie identifizieren sich dank Plug-and-Charge-Technologie des Autos automatisch. Während des Ladevorgangs können die Audi-Fahrer in einer schicken, nur ihnen zugänglichen Lounge relaxen oder arbeiten - und vorab ihren Ladepunkt per App reservieren. "Wenn man 100.000 Euro für ein Auto bezahlt hat, macht das Warten auf eine freie Säule keinen Sinn", findet Projektleiter Ewald Kreml.

Aufgebaut wurde der zweistöckige, modulare Charging Hub in nur einem Monat ohne Erdarbeiten auf einer bestehenden Asphaltfläche - was das Genehmigungsverfahren stark vereinfachte. Auch belasten die Ingolstädter das örtliche Stromnetz nicht über Gebühr, denn die Energie sickert vor allem nachts in den 2,5-Megawatt-Speicher, der aus Second-Hand-Akkus aus e-tron-Modellen zusammengefügt ist. Ökologischer geht es kaum.

Das gilt sogar für den Notfall. Sollte eine Ladeeinheit Feuer fangen, wird sie automatisch mit 50.000 Litern Löschwasser geflutet. Dieses hat, so bescheinigte der TÜV, nach dem Einsatz Trinkwasser-Qualität.

Marcus Efler / mid

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