Assistenzsystem für Paket-Zustellung

Von 
Lars Wallerang
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mid Groß-Gerau - Auf Basis der GPS-Koordinaten des VW Crafter werden im Infotainment-System die Taschen der aktuell in der Nähe abzuliefernden Pakete angezeigt. © Volkswagen

VW arbeitet mit dem Liefer-Unternehmen Hermes an einem neuen Assistenzsystem. Es soll die Sortierung und Zustellung von Paketen optimieren.

Ein Pilotprojekt des Münchner Start-ups Viscopic startet dazu jetzt in Bayern. Deren Software-Lösung lernt zunächst die örtlichen Routen und ordnet dann die Pakete für die nächste Auslieferung in eine logische Reihenfolge für die Beladung, um dem Fahrer lästiges Suchen und Sortieren unterwegs zu ersparen.

"Wir unterteilen die große Frachtmenge zunächst in kleine Portionen, die jeweils in einer Packtasche Platz finden", erklärt Geschäftsführer Felix Meißgeier von Viscopic. Diese quaderförmigen Taschen werden anschließend im Crafter verstaut. "Entscheidend ist dabei die Reihenfolge", so Meißgeier. "Weil die Touren einem ähnlichen Ablauf folgen, können die Taschen auch entsprechend beladen werden."

Der Vorteil für den Fahrer: Er sieht auf einer dazugehörigen App, in welcher Tasche sich welches Paket für den jeweils nächsten Kunden befindet. Auf Basis der GPS-Koordinaten des Volkswagen Crafter werden im Infotainment-System des Vans sowie auf einem Handheld die Taschen der aktuell in der Nähe abzuliefernden Pakete angezeigt. Hierdurch sollen erhebliche Zeitersparnisse beim Auffinden von Paketen an der Zustelladresse realisiert werden.

Die digitale Unterstützung käme zur rechten Zeit, soll doch das Wachstum der Branche laut Parcel Shipping Index 2021 anhalten: Für den Zeitraum bis 2026 prognostiziert die Studie eine jährliche Wachstumsrate von mindestens sechs Prozent. Allein im Weihnachtsgeschäft 2020 (Oktober bis Dezember) hat Hermes in Deutschland die Rekordmenge von 126 Millionen Sendungen zugestellt - dies entspricht einem Plus von etwa 25 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum.

Doch es gehe nicht allein darum, Zeit zu sparen, sondern auch die Arbeits-Bedingungen für die Fahrer zu verbessern, erläutert Volkswagen-Nutzfahrzeuge-Projektleiter Artur Hasselbach: "Die Paketzustellung ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe." Besonders der innerstädtische Verkehr verlange volle Konzentration, die Haltezonen für großeFahrzeuge seien rar und gerade durch Corona und die damit verbundenen einzuhaltenden Sicherheitsmaßnahmen sei die Zustellung noch komplexer geworden. "Da sind solche intelligenten Lösungen für die letzte Meile hochinteressant für unsere Kunden im Logistik-Sektor."

In der Future Logistics Challenge von Hermes und Volkswagen Nutzfahrzeuge, einem Wettbewerb um die vielversprechendsten Lösungen zu den Themen "Delivery Driver Experience" und "Smart Delivery Vehicles", haben sich Viscopic und ein weiteres Projekt unter 180 Bewerbungen aus ganz Europa durchgesetzt. Im Zeitraum bis Ende März 2021 geht es darum, den Effizienzgewinn und die Akzeptanz des Systems an einem Standort bei Augsburg im Alltag mit verschiedenen Fahrern zu testen.