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Gesundheit - Wissenschaftler haben Übertragungen von Mutationen bereits nachgewiesen

Wie gefährlich ist Corona für Haus- und Wildtiere?

Von 
Gisela Gross
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Besonders gefährdet? Forscher fürchten, dass Sars-CoV-2 über Menschenaffen in den Urwald gelangen könnte. © dpa

Berlin. Corona? Zumindest im Sommer in Deutschland waren die Zahlen lange Zeit gesunken. Doch die Sorge gilt nicht nur menschlichen Patienten, sondern auch solchen aus dem Tierreich. Drohen wir gefährdete Arten anzustecken? Verbreitet sich das Virus schon unter Mäusen? Kann es in Tieren mutieren? Abwegig ist ein solches Szenario nicht.

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„Leider respektiert dieses Virus Barrieren zwischen Arten nicht so gut wie die meisten anderen Krankheitserreger“, sagt Mikrobiologe und Veterinärmediziner Fabian Leendertz vom Robert Koch-Institut. Er ist in Ermittlungen der Weltgesundheitsorganisation zum Corona-Ausbruch in China eingebunden. Ab August ist er Gründungsdirektor eines Helmholtz-Instituts in Greifswald für One Health, was wörtlich übersetzt bedeutet: eine Gesundheit. Es geht um die Schnittstelle von Mensch, Tier und Umwelt.

Wie er sagt, können sich mit den klassischen viralen Atemwegserkrankungen in der Regel höchstens engste Verwandte des Menschen im Tierreich anstecken, etwa Gorillas und Schimpansen. Bei Sars-CoV-2 hingegen seien Übertragungen auf Nerze, Katzen und weitere Tierarten nachgewiesen. Das Spektrum an empfänglichen Arten sei damit größer als gewohnt. Und es verbreitert sich offenbar noch weiter: Im Labor konnten Mäuse mit einigen der neuen Varianten infiziert werden. Mit dem Virus vom Pandemiebeginn war das nicht möglich gewesen.

Trotz dieser Erkenntnisse und Überlegungen zum Aufbau eines stichprobenartigen Wildtiermonitorings in der EU gilt es als sehr unwahrscheinlich, dass in Wildtieren in Deutschland Ansteckungsketten laufen. Es wird nach Auskunft des Präsidenten des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Thomas Mettenleiter, jedoch bislang nicht gezielt untersucht, auch mangels Anhaltspunkten. Eine heimische Art wie der Marderhund etwa sei zwar für das Virus empfänglich. „Ich sehe aber zumindest im Moment nicht die Gefahr, dass sich dort ein Reservoir bildet, das dann gefährlich für den Menschen sein kann.“

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Zoos verschärfen Hygieneregeln

Leendertz’ Befürchtungen beziehen sich eher auf die Tropen, und weniger auf unsere Breiten: Dort sei die Gefahr des Entstehens neuer Reservoire wesentlich wahrscheinlicher, weil es mehr und engere Mensch-Tier-Kontakte gebe. Er warnt vor den Folgen für Tiere: „Wir Menschen müssen auch bedenken, dass wir eine Gefahr für ein bedrohtes Wildtier darstellen können. Wir sollten versuchen, möglichst wenig Arten zu infizieren.“

Die Sorge gilt etwa den Menschenaffen. „So eine garantiert empfängliche Spezies kann für das Virus die Eintrittspforte in den Urwald sein.“ Verendet ein infiziertes Tier und frisst etwa ein Leopard vom Aas, könnte sich die Kette der Ansteckungen fortsetzen. Dass Corona für Tiere nicht harmlos ist, zeigen Zoos, in denen Löwen daran starben.

Auch Zoos in Deutschland sind wachsam. In Berlin zum Beispiel gelten seit 2020 bei Raubtieren und Primaten Hygieneregeln. Wenn möglich komme es nicht zu direktem Kontakt zwischen Pflegern und Tieren, zudem herrsche Maskenpflicht in Anlagen und bei der Futter-Zubereitung, hieß es.

Auch Menschen, die in Beruf oder Freizeit mit Wildtieren in Kontakt kommen, sollten vorsichtig sein, mahnt Mettenleiter: Wer etwa Fledermäuse einfängt, vermisst, beringt oder besendert, sollte Maske tragen. „Auch infektiöse Abfälle sollte man als mögliches Risiko im Blick behalten“, gibt Leendertz mit Blick auf Mäuse, Ratten oder Waschbären zu bedenken, die aus Mülltonnen fressen. „Dass sich eine Art so infiziert, ist zwar unwahrscheinlich, aber auch nicht unmöglich.“

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Entwarnung geben Fachleute in Hinblick auf Haustiere. Zwar zeigen Untersuchungen, dass sich Katzen recht oft mit Corona anstecken. Aber sie erkranken nicht schwer und sind für das Virus, auch mangels Kontakten zu einer großen Zahl anderer Tiere, wohl eher eine Sackgasse: „Es ist eindeutig, dass diese Tiere den Erreger vom Menschen aufschnappen und weiter offenbar epidemiologisch keine Bedeutung haben“, sagte Mettenleiter.

Pelztierzucht besonders betroffen

Die bisherigen Corona-Meldungen von Haustieren – neun bundesweit – verblassen angesichts der Fallhäufung in der Pelztierzucht. Die größte Zahl an bislang nachgewiesenen Fällen bei Tieren in Europa dürfte es auf solchen Farmen gegeben haben: Laut Deutschem Tierschutzbund sind in EU-Staaten bis Mitte Mai Ausbrüche auf mehr als 400 Nerzfarmen bekannt geworden. Die Tierschützer fordern ein Ende der Pelztierhaltung – global. Hintergrund sind auch Befürchtungen von Experten wie Christian Drosten, dass Sars-CoV-2 auf diesem Weg den Sprung aus Fledermäusen auf den Menschen geschafft haben könnte.

Bei Ausbrüchen in Europa ist beobachtet worden, dass Sars-CoV-2 nicht auf die Ställe begrenzt blieb: Als Grund für die Keulung dänischer Nerze hatte die Regierung angegeben, das Virus sei mutiert und auf Menschen übertragen worden. Eine Studie wies Fälle auch bei Katzen nach, die auf Höfen lebten oder herumstreunten. dpa

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