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Monarchie - Die niederländische Thronfolgerin Amalia wird 18 Jahre alt – und äußert sich in einem Buch zu ihrem Liebesleben

Wen heiratet die Prinzessin?

Von 
Jonas Erlenkämper
Lesedauer: 
Die niederländische Thronfolgerin Amalia hat eine Biografie veröffentlicht. © Remko de Waal/ANP Royal Images

Den Haag. Ein Holländer? Kommt eher nicht infrage. Lieber hätte sie einen Deutschen an ihrer Seite. Einen Jungen, der „nicht ungehobelt“ wäre, sondern „gute Manieren“ besäße. Der sich bei der Begrüßung respektvoll verbeugte wie die schicken Monarchen in den „Sissi“-Liebesfilmen. Amalia, Kronprinzessin der Niederlande, mag junge Herren aus dem großen Nachbarland. Denn die Deutschen – jedenfalls die aus kultiviertem Hause – findet sie im Allgemeinen galanter und höflicher als ihre Landsmänner. Jetzt müsste Amalia nur noch jemanden kennenlernen, dem sie ihr Teenagerherz schenken kann.

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Amalia offenbart diese Vorliebe in einer Hochglanzbiografie, die nun anlässlich ihres in anderthalb Wochen bevorstehenden 18. Geburtstags erschienen ist. Die Bekenntnisse der künftigen Königin faszinieren die Massen – die 50 000 Exemplare umfassende erste Auflage ist bereits nach wenigen Tagen ausverkauft. Amalia, die sich noch nie an der Seite eines Mannes gezeigt hat, räumt darin mit Gerüchten um ihre sexuelle Orientierung auf.

Öffentliche Debatte

Denn in den letzten Monaten hatte ihr Volk öffentlich darüber debattiert, was eigentlich wäre, sollte Amalia eines Tages eine Frau heiraten wollen. Ministerpräsident Mark Rutte sah sich zur Klarstellung der „rein hypothetischen Frage“ veranlasst, ob die Prinzessin dann auf den Thron verzichten müsste: „Die Regierung findet, dass ein Thronfolger auch eine Person des gleichen Geschlechts heiraten kann.“ In dem Porträtbuch äußert sich Amalia dazu: Nein, sie glaube nicht, dass es ein Problem gäbe, wenn sie in eine Frau verliebt wäre. Aber sie stehe auf Jungs, und ja, sie habe schon mal einen Freund gehabt – für drei Monate. Das Klatschthema ist damit allerdings nicht aus der Welt. Manche Journalisten und andere professionelle Beobachter des Königshauses mutmaßen, dass Amalia mit der Wahl der Autorin ihrer Biografie eine subtile Botschaft setzen wollte: Claudia de Breij (46), eine in den Niederlanden bekannte Kabarettistin, ist mit einer Frau verheiratet. „Dumm und mittelalterlich“ seien diese Spekulationen um Amalias Liebesleben, schimpft die Zeitung „De Volkskrant“.

Buch zur Volljährigkeit

  • Die Biografie entstand auf Basis mehrerer Gespräche zwischen der Autorin Claudia de Breij und Amalia.
  • In den Niederlanden hat es Tradition, dass zur Volljährigkeit des Thronfolgers ein Buch erscheint.
  • 1985 kam „Alexander“ heraus, 1955 hatten die Niederländer so Amalias Großmutter Beatrix besser kennenlernen können. dpa

 

Ganz schön starker Druck, den die 17-Jährige aushalten muss. Die älteste Tochter von König Willem-Alexander (54) und Königin Máxima (50) geht seit Kindertagen regelmäßig zum Psychologen. „Ich finde das kein Tabu und habe kein Problem, das öffentlich zu sagen“, beteuert Amalia in dem Buch. „Manchmal wird mir alles zu viel, Schule, Freunde – und dann rede ich mit jemandem.“ Autorin de Breij beschreibt, wie Amalia unter dem Tod ihrer Tante Inés Zorreguieta litt – Máximas jüngere Schwester hatte sich 2018 das Leben genommen. Um den Verlust zu verarbeiten, habe Amalia eine Reise nach Südafrika unternommen, 40 Stunden allein auf einem Berg verbracht und ihrer Verwandten eine Art Abschiedsbrief geschrieben. „Ich finde es normal, hin und wieder mit einem Fachmann zu sprechen“, sagt Amalia über ihre Besuche beim Therapeuten. „Besonders nach dem, was meiner Tante passiert ist.“

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Erst studieren

Es ist das erste Mal, dass eine autorisierte Biografie einen tieferen Blick auf den Menschen Amalia ermöglicht. Bislang haben Willem-Alexander und Máxima sie und ihre beiden Schwestern Alexia (16) und Ariane (14) weitgehend von der Öffentlichkeit ferngehalten. Das wird sich für die Thronfolgerin bald ändern: Mit der Volljährigkeit bekommt sie einen Platz im niederländischen Staatsrat, einem Gremium, das zwar nichts entscheidet, die Regierung aber in zentralen Fragen berät. Einen Tag nach dem Geburtstag wird sie im Ballsaal des Kneuterdijk-Palastes in Den Haag ihre erste offizielle Rede halten.

Auf die Prinzessin kommt viel Verantwortung zu. In früheren Jahren hatte Amalia darauf keine Lust und empfand ihre Rolle als belastend. Erst ab dem Alter von 14 Jahren habe sie sich mit ihrer Zukunft „versöhnt“ und realisiert, welche Ehre ihr zuteil werde. Im Buch wird sie pathetisch: „Ich stehe im Dienste meines Landes. Ich gebe mein Leben für die Niederlande.“

Eilig hat sie es allerdings nicht. Sollte ihrem Vater etwas zustoßen, würde sie ihre Mutter bitten, den Thron für eine Übergangszeit zu übernehmen. Vor ihrer Regentschaft will die Abiturientin ein Studium absolvieren sowie zwei Jahre im Ausland verbringen. Und sich ihren Hobbys widmen. Die Niederländer erfahren, dass Amalia gerne reitet, singt und Cocktails mixt. Außerdem hat sie ein Faible für glitzernde Diademe – praktisch für eine Majestät.

Fürs ganz große Glück fehlt nur noch jemand an ihrer Seite. Gut möglich, dass sie wirklich eines Tages einen Deutschen mit nach Hause bringt – wegen familiärer Bindungen hat sie deutsche Freunde. Und sie hat ein Vorbild. Ihre Großmutter Beatrix (83), bis vor acht Jahren selbst Königin, hatte ebenfalls einen deutschen Ehemann, den aus dem Wendland stammenden Diplomaten Claus von Amsberg (gestorben 2002). Ihrer Oma, sagt Amalia, fühle sie sich besonders nahe.

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