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Fernsehen - An diesem Freitag vor 25 Jahren strahlte der WDR die erste Ausgabe von „Zimmer frei!“ aus

Verwaiste Wohngemeinschaft

Von 
Jonas Erik-Schmidt
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Nach der letzten Sendung: Götz Alsmann und Christine Westermann. © dpa

Köln. Die 1990er Jahre waren im Fernsehen eine wilde Zeit. Die noch jungen Privatsender buhlten um Aufmerksamkeit. Was etwa dazu führte, dass Hella von Sinnen in „Alles Nichts Oder?!“ (RTL) kiloweise Torten ins Gesicht bekam. Es war 1996, als aber plötzlich der öffentlich-rechtliche WDR zeigte, zu wie viel Anarchie er in der Lage ist. „Zimmer frei!“ lief zum ersten Mal, eine Art Kindergeburtstag mit Bildungsauftrag – und blieb länger auf Sendung als viele andere Shows. Erst 2016, nach 20 Jahren, war Schluss.

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Am Freitag liegt die erste Ausgabe von „Zimmer frei!“ 25 Jahre zurück. Und es lohnt sich, an sie zu erinnern, weil sie zeigt, dass die besten Dinge manchmal aus Zufällen und Fügungen geboren werden: Gestartet war die Sendung eigentlich als Pausenfüller im Sommerloch.

Die zweite und wohl noch gewichtigere Fügung: Zwei Moderatoren, die sich vorher im Grunde kaum kannten, hochgradig unterschiedlich waren – und gerade deshalb perfekt zusammenpassten: Christine Westermann und Götz Alsmann machten „Zimmer frei!“ zu einem Ereignis.

Deutlich wurde das daran, dass mit der Zeit das Oberthema der Show, die Suche nach einem WG-Zimmer, in den Hintergrund gedrängt wurde. Kaum noch jemand interessierte sich dafür, ob Promi A oder Promi B ein Zimmer in der Wohngemeinschaft bekam. Interessanter war, mit welchen Kopfbedeckungen Alsmann und Westermann diesmal aufwarten würden.

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Abstruse Spiele

Die Sendung war eine Mischung aus Spiel, Comedy, Musik und Talk. Für den Quatsch war Alsmann zuständig. Er, von Haus aus Unterhalter, gab den Clown, während die Journalistin Westermann, die ihr Volontariat beim „Mannheimer Morgen“ absolvierte, treffsichere Fragen stellte. Am Anfang wurde gutes Essen von einem Koch aufgetischt. Außer, ein Gast wünschte Königsberger Klopse – die machte Westermann der Legende nach immer selbst.

Promis konnten sich in mitunter abstrusen Spielen zum „Vollhorst“ (Zitat Anne Will) machen, behielten dabei aber einen Rest Würde. Vielleicht kamen aus diesem Grund auch so viele so gern. Der Erste war Karl Moik (1938- 2015). Eine gewisse inhaltliche Erdverbundenheit war allerdings sehr gewünscht.

„Der schwierigste Gast war eine sehr junge Frau, sogar noch ein Teenager“, sagt Götz Alsmann. „Da man bei ’Zimmer frei!’ aus dem realen Leben erzählen sollte, gab es da einfach noch nicht viel zu erzählen. Ein quälendes Ereignis.“ Den Namen verrät er nicht.

Eklat um Gast Cherno Jobatey

Ebenso problematisch wie aufsehenerregend war auch eine Show mit Cherno Jobatey, die 2003, nach Jahren im Giftschrank, erstmals ausgestrahlt wurde. Die Gastgeber nahmen ihren Kollegen auf die Schippe, weil Jobatey in einem Interview einmal erwähnt hatte, dass er in seiner Kindheit eine Lese- und Rechtschreibstörung überwunden habe. Alsmann trug ein ABC-Pflaster auf der Stirn, beide servierten Jobatey Buchstabensuppe. Zudem musste er das Wort „Kommunalobligation“ buchstabieren. Jobatey verließ das Studio und kam erst nach zehn Minuten zurück. Alsmann schuf derweil eine Sternstunde des Impro-TV: Er interviewte ihm wildfremde Studiogäste, was sie so zu sagen hätten.

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Auf die Frage, warum das alles 2016 zu Ende gehen musste, antwortete Alsmann damals: „Man behandelt uns heute wie die Könige. Ich möchte lieber so gehen, als dass ich irgendwann wie der alte König vom Hof gejagt werde.“ Der WDR begründete das Ende damit, dass „Zeit für Neues“ sei – die Entscheidung sei mit den Moderatoren gemeinsam getroffen worden. Westermann äußerte sich später kritisch. In einem „Bild am Sonntag“-Interview brachte sie die Einstellung des Formats mit ihrem Alter in Verbindung.

So oder so glaubt Alsmann nicht, dass eine Sendung wie „Zimmer frei!“ heute noch Chancen hätte. „Dazu ist der Einfluss stets beleidigter und empörter Social-Media-Teilnehmer einfach zu groß geworden“, sagt er. „Man bedenke: Als wir anfingen, war Telefax noch das große neue Ding!“ dpa

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