Raumfahrt - Ein Amerikaner will mit SpaceX nach den Sternen greifen / Profitieren soll ein Kinderkrankenhaus US-Milliardär Jared Isaacman vergibt Tickets ins All

Von 
Dirk Hautkapp
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Dieses vom St. Jude Children’s Research Hospital zur Verfügung gestellte Foto zeigt Jared Isaacman. © Uncredited/St. Jude Children’s Research Hospital/AP/dpa

Washington. Nach den Sternen greifen und auf Erden Gutes tun: Jared Isaacman, bald 38, Milliardär aus dem beschaulichen Allentown im US-Bundesstaat Pennsylvania, hat genau das vor. Der Vater zweier Töchter (7 und 4) hat bei Elon Musks Raumfahrt-Firma SpaceX vier Sitzplätze ins All reserviert.

Immer wieder Rückschläge

Das Raumfahrtunternehmen SpaceX muss immer wieder herbe Rückschläge hinnehmen. Wie schon im Dezember endete am Dienstag ein Testflug des neuen „Starship“-Raketenprototyps mit einer Explosion.

Nach den Plänen von SpaceX-Gründer Elon Musk soll das „Starship“ eines Tages Fracht und Menschen zum Mond und zum Mars befördern. Der besondere Clou dabei: Die Rakete soll wiederverwendbar werden. Um das zu erreichen, muss das „Starship“ in der Luft ein Wendemanöver vollführen und wieder kontrolliert auf dem Boden landen. So soll die Rakete auch dort einsetzbar werden, wo es keine Startrampen oder ideale Landeplätze gibt – etwa auf dem Mars. dpa

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Einen nimmt der Kampfjetpilot, der seit Kindergartentagen vom Weltraum träumt, für sich. Der Rest soll zugunsten des berühmten Krankenhauses St. Jude gegen Spenden verlost oder vergeben werden. Der Forschungsklinik in Memphis/Tennessee, die Kinder mit schweren Krebserkrankungen kostenlos behandelt, sollen mindestens 200 Millionen Dollar zufließen, 100 Millionen allein aus Isaacmans Tasche.

Training wie Nasa-Astronauten

Die „Inspiration4“ betitelte Mission solle noch in diesem Jahr starten, teilte SpaceX am Montag mit. In der Vergangenheit hatte die Firma selbst gesetzte Fristen allerdings wiederholt nicht eingehalten. Der Trip in den Weltraum, es geht um Erdumrundungen, startet mit einer Falcon-9-Rakete im Weltraum-Mekka Cape Canaveral in Florida. Er soll zwei bis vier Tage dauern; abschließende Wasserlandung vor Florida inklusive. Das Einzigartige: Kein professioneller Astronaut wird im Notfall die autonom betriebene Dragon-Raumkapsel „Resilience“ steuern, die derzeit noch an der Raumstation ISS angedockt ist. Isaacman übernimmt das selbst. Der private Weltraumtourismus hat damit ein neues Level erreicht, sagte SpaceX-Chef Musk, der von einem „Meilenstein“ spricht und sich über willkommene Einnahmen freut. Sie sollen unter anderem in das neue „Starship“-Projekt fließen, mit dem der japanische Milliardär Yusaku Maezawa in zwei Jahren in Richtung Mond aufbrechen will.

Isaacman durchbricht nicht zum ersten Mal Barrieren. Mit 15 startete er sein erstes Geschäft. Ein Jahr später schmiss er die Highschool, um im Keller seiner Eltern Kreditkarten-Terminals zu entwickeln. Das war die Basis für seine 2020 erfolgreich an die Börse gebrachte Firma Shift4 Payments. Das Unternehmen wickelt für über 125 000 Restaurants und 21 000 Hotels in den USA jährlich Zahlungsgeschäfte im Volumen von 200 Milliarden Dollar ab.

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Um dem Burn-out zu entgehen, verlegte sich Isaacman als Mittzwanziger auf die Fliegerei. Mit 26 düste er in Rekordzeit (rund 62 Stunden) um die Welt. Mit 28 startete er „Draken International“, die größte private Kampfjetflotte der Welt, die auch Piloten für die US Air Force ausbildet und später für eine neunstellige Summe an den Finanzriesen Blackstone verkauft wurde.

An seinem Zweit-Wohnsitz im menschenleeren Montana fliegt Isaacman privat unter anderem eine russische MiG. Zusammen mit seinen drei Mitstreitern wird der Unternehmer ein Trainingsprogramm absolvieren, wie es auch reguläre Nasa-Astronauten tun.

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Zur „Team-Bildung“ plant der in New Jersey geborene Unternehmer eine gemeinsame Expedition mit Zeltübernachtung, um sich an die beengten Verhältnisse in der Raumkapsel zu gewöhnen. In Trainingsflügen sollen die Teilnehmer an die „G-Force“ gewöhnt werden. Beim Start der Rakete muss man das Mehrfache des eigenen Körpergewichts aushalten können. Isaacman hält die Risiken für überschaubar. Zum Jahreswechsel war er am höchsten Bergmassiv in der Antarktis – Mount Vinson (4900 Meter) – und musste kurz vor dem Ziel abbrechen. „Wenn man das vergleicht, würde ich mich jeden Tag für die Dragon-Raumkapsel entscheiden.“

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Wer zu seiner Crew gehören wird, soll in den nächsten Wochen bekannt werden. Ein Sitz wird verlost. Dabei können Interessierte, die US-Staatsbürger sein müssen und nicht größer als 1,98 Meter und schwerer als 113 Kilogramm sein dürfen, bereits bei einer Spende von einem Dollar für das St.-Jude-Hospital zum Zug kommen. Ein zweiter Teilnehmer wird aus Unternehmerkreisen rekrutiert. Die dritte Hobby-Astronautin steht bereits fest. Eine Frau, die als Kind im St.-Jude-Krankenhaus vom Krebs geheilt wurde und später dort als medizinische Angestellte die Arbeit aufnahm, wird mit Isaacman auch nach den Sternen greifen.

Aufbruch zur ISS

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass frühestens im kommenden Jahr vier Männer aus den USA, Kanada und Israel als Weltraumtouristen zur ISS fliegen sollen. Der US-Unternehmer Larry Connor, der israelische Geschäftsmann und Pilot Eytan Stibbe und der kanadische Investor Mark Pathy wurden für die „Ax-1“ betitelte Mission ausgewählt, die das Unternehmen Axiom Space gemeinsam mit der US-Raumfahrtbehörde Nasa und SpaceX organisiert. ) (mit dpa