Einsturz: Suche nach dem letzten Vermissten kann noch Tage dauern - U-Bahn-Bau streckenweise eingestellt Ungewissheit unter Tonnen von Schutt

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Köln. Eine Woche nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs gibt es von dem Vermissten immer noch keine Spur. Die Suche könne noch Tage dauern, sagte gestern ein Feuerwehrsprecher. Grabungen an der Stelle, wo am Montag die Geldbörse und die Jacke des 24 Jahre alten Studenten Khalil G. gefunden worden waren, blieben ohne Ergebnis. Feuerwehrdirektor Stephan Neuhoff versicherte jedoch: "Wir suchen den Vermissten, bis wir ihn haben."

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Die Bagger drangen mittlerweile auf sechs Meter unter Straßenniveau vor, doch die Spürhunde schlugen nicht mehr an. Am Sonntag war der 17-jährige Kevin K. tot aus den Trümmern geborgen worden.

Wegen Einsturzgefahr sollte gestern ein weiteres Wohnhaus abgerissen werden. Bereits in der Nacht hatte die Feuerwehr kleinere Gegenstände sowie Kleidung der Bewohner aus den zwölf Wohnungen geholt. Insgesamt wurden bisher 1700 Tonnen Schutt abgetragen.

Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) entsprachen gestern teilweise einem Appell des Oberbürgermeisters Fritz Schramma (CDU) und stellten zum Beispiel am Rathaus die Stemmarbeiten beim U-Bahn-Bau ein. An anderen U-Bahn-Baustellen müssten die Arbeiten aber aus Sicherheitsgründen weitergeführt werden, sagte Walter Reinarz aus dem KVB-Vorstand.

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Derweil häuft sich die Zahl besorgter Anwohner entlang der neuen U-Bahn-Strecke. Insgesamt sind in den vergangenen Jahren Schäden an 300 bis 400 Gebäuden gemeldet worden, meist kleinere Risse. Bausachverständige des TÜV Rheinland untersuchen diese nun auf Wunsch von Anwohnern. Etwa 50 Hausbewohner haben sich bisher gemeldet.

Unterdessen gehen immer mehr Hilfsangebote für die Rettung verschütteter Archivdokumente ein. Zusammengerechnet liegen in Köln Hilfsangebote für rund 20 000 Arbeitsstunden vor. In einem ehemaligen Bergwerksstollen in Oberried bei Freiburg lagern mehr als 870 Millionen auf Mikrofilm gebannte Kopien historischer Dokumente; davon stammen rund 1,2 Millionen Aufnahmen aus dem Kölner Archiv. Teile des zerstörten Kulturguts können somit wieder sichtbar gemacht werden, die Arbeiten hierfür haben bereits begonnen. dpa