Kriminalität - Reemtsma-Entführer soll spektakuläre Überfälle auf Geldtransporter in Köln, Bonn und Frankfurt verübt haben Thomas Drach erneut in Haft

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Oliver Auster, Ulrike Hofsähs
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Thomas Drach im Jahr 2000 auf der Anklagebank im Hamburger Landgericht. Dem 60-Jährigen wird vorgeworfen, an drei Raubüberfällen beteiligt gewesen zu sein. © dpa

Köln/Amsterdam. Ein kriminelles Genie, ein „Mastermind“ nannten Medien Thomas Drach immer wieder. Die Polizei war nun allerdings schlauer. Die Ermittler hatten den verurteilten Reemtsma-Entführer nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur bereits seit langer Zeit im Visier – und verhafteten den heute 60-Jährigen am Dienstagmorgen in Amsterdam. Er soll an drei spektakulären Raubüberfällen auf Geldtransporter in Köln und Frankfurt am Main beteiligt gewesen sein.

Verurteilter Erpresser

Am 30. August 2000 wurde Anklage gegen Thomas Drach erhoben.

Wegen erpresserischen Menschenraubes wurde er zu 14 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

Drach wurde am 21. Oktober 2013 aus dem Gefängnis entlassen.

Eine Zeit lang lebte er auf Ibiza.

Drachs letztes Geld-Depot wurde 2013 in einem Schließfach in Uruguay von Mitarbeitern einer Sicherheitsfirma ausgeräumt. Es enthielt 459 900 US-Dollar.

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Drach habe sich widerstandslos festnehmen lassen und sitze nun in Auslieferungshaft, meldete der „Spiegel“ am Dienstag. Laut der „Bild“-Zeitung, die Drachs Namen zuerst enthüllt hatte, sucht die Polizei noch nach zwei Komplizen. Für Drach ist es nach acht Jahren eine Rückkehr hinter Gitter. Sollte er schuldig gesprochen werden, wird er dort vermutlich den Rest seines Lebens verbringen.

Er schrammte nach der Entführung des Millionenerben Jan Philipp Reemtsma und einer späteren Erpressung seines Bruders aus dem Knast heraus bereits kurz an der Sicherungsverwahrung vorbei. Thomas Drach, gebürtig aus Erftstadt, brachte die Fahnder bei einem Überfall am nahen Flughafen Köln/Bonn auf seine Spur. Im März 2019 soll er dort mit Komplizen einen Geldtransporter überfallen haben. Ein Augenzeuge filmte den offensichtlich höchst professionell vorbereiteten Coup.

Spur führte bis in die Niederlande

Den ersten Fluchtwagen fackelten die Täter samt der Tatwaffe – einer „Kalaschnikow“ – ab. Den zweiten entdeckte die Polizei auf Videoaufnahmen. Nach den „daraufhin geführten sehr aufwendigen, zum Teil verdeckt geführten Ermittlungen“ sei es den Kölner Fahndern gelungen, die Spur des Wagens bis in die Niederlande zu verfolgen, wie die Staatsanwaltschaft am Dienstag bekanntgab. Der Wagen sei inzwischen sichergestellt.

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Neben dem Raubzug am Airport rechnen die Ermittler Drach auch einen früheren, ähnlichen Überfall am Ikea-Möbelhaus in Köln-Godorf (24. März 2018) und einen späteren an einer Frankfurter Ikea-Filiale (6. März 2019) zu. Die Höhe der Beute ist unklar. Dass Drach nun als Krimineller rückfällig geworden sein soll, würde dafür sprechen, dass von der Beute aus der Reemtsma-Entführung tatsächlich nichts mehr da ist.

Im März 1996 hatten Drach und seine Komplizen den Hamburger Soziologen und Erben der Tabak-Dynastie, Jan Philipp Reemtsma, entführt und nach 33 Tagen wieder freigelassen. Gegen 15 Millionen D-Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken Lösegeld. Zwei Jahre später wurde Drach in Buenos Aires (Argentinien) gefasst und Ende 2000 in Hamburg zu vierzehneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

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Zum Verbleib des Lösegelds hatte Drach stets geschwiegen, beziehungsweise seinen Bruder mit reingezogen. Der sollte Millionen versenkt haben. Staatliche und private Ermittler im Auftrag Reemtsmas sicherten noch Reste des Lösegelds. Als Drach im Herbst 2013 frei kam, bot er sich für Interviews an – gegen Bezahlung. Direkt nach seiner Freilassung setzte er sich ins Ausland ab. Die Staatsanwaltschaft teilte am Dienstag zu dem 60-Jährigen – den Namen Drach bestätigten die Behörden nicht – lediglich mit, dass er aus dem Rheinland stamme und in Deutschland keinen festen Wohnsitz habe. Das dürfte sich in den kommenden Tagen ändern. Die Adresse wird dann die einer deutschen Justizvollzugsanstalt sein.