Wetter - Der „Flockdown“ hält weite Teile Deutschlands in Atem / Wetterdienst sagt für die nächsten Tage Tiefkühltemperaturen voraus Schnee und Eis zum Wochenstart – Wetterchaos hält an

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Michael Kieffer, Matthias Armborst
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Ärztin Susanne Millner fährt in Halle auf Langlaufskiern zu ihrer Praxis. © dpa

Berlin. Schnee und Eis haben den Straßen- und Schienenverkehr in vielen Regionen Deutschlands auch zum Start in die neue Woche lahmgelegt. Bei der Deutschen Bahn kam es nach eigenen Angaben auch am Montag „aufgrund von extremem Unwetter“ in weiten Teilen des Landes zu Verspätungen und Zugausfällen. Etliche Fernverkehrsverbindungen waren komplett eingestellt. Auf den Straßen ereigneten sich zahlreiche Unfälle. Steckengebliebene Lastwagen blockierten nach heftigen Schneefällen die Autobahnen, etwa im Norden und Osten Hessens auf der A4 und der A7. „Die Lage ist katastrophal“, sagte ein Sprecher der Polizei in Fulda am frühen Montagmorgen.

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Bei witterungsbedingten Unfällen zählte die Polizei allein in Nordrhein-Westfalen zwischen Sonntagmorgen und Montagmorgen (jeweils 6 Uhr) einen Toten und 37 Leichtverletzte. In Duisburg war am Sonntag ein Auto von der Straße abgekommen und in einem Bach gelandet - dabei starb der Fahrer. Zudem fand die Polizei am Montagmorgen in der Innenstadt von Bielefeld im Schneetreiben einen Toten. Unklar war noch, ob die Person erfroren war oder ob es sich um einen medizinischen Notfall handelte.

Die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) erwarteten für Montag über der Mitte Deutschlands teils noch kräftige Schneefälle. Tagsüber herrsche – außer im Südwesten und ganz im Süden – verbreitet Frost. Die Vorhersage: Es gibt weniger Schnee, aber dafür ist es richtig eisig. In der Mitte und im Osten Deutschlands werden bis minus 18 Grad erwartet. Bei Wind kann die gefühlte Temperatur auch minus 30 Grad betragen.

Hohe Pegelstände an der Ostsee

An der Ostsee mussten sich die Menschen auf Hochwasser einstellen. Ein kontinuierlicher Ostwind bringt Wassermassen an die Ostseeküste, wie ein Meteorologe sagte. Für den Montag sei in der Kieler Bucht mit bis zu 80 Zentimeter höheren Wasserständen zu rechnen und auch in der Lübecker Bucht steige das Wasser deutlich an. Wegen des Wetters stellten mehrere Städte den Busverkehr komplett ein - in Hessen etwa Kassel und Marburg an der Lahn. Grund seien der starke Schneefall sowie vereiste Straßen, teilten die Stadtwerke Marburg mit. In Kassel blieben nach Angaben der dortigen Stadtwerke neben den Bussen auch die Straßenbahnen in den Depots.

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In Jena in Thüringen blieben nach starken Schneefällen am Montag alle Kindertagesstätten geschlossen. Da auch für Dienstag von erschwerten Wetterbedingungen ausgegangen werden müsse, blieben die Einrichtungen weiterhin zu, teilte die Stadtverwaltung mit. Begründet wurde die Schließung auch damit, dass die Essenversorgung dort nicht gewährleistet werden könne. In Thüringen und Sachsen kam am Montag vielerorts wegen des Wetters außerdem keine Müllabfuhr.

Dauereinsatz für Helfer auch in Niedersachsen: Dort lotste das Technische Hilfswerk (THW) die Rettungsdienste durch den Schnee, enteiste Schienen, befreite Dächer von Schneelasten und zog Fahrzeuge aus den Schneemassen. In Salzgitter begleiteten THW-Kräfte die Rettungswagen, um diese notfalls freizuschleppen, wie das THW am Montag mitteilte.

Löschwasser gefriert

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In Mülheim an der Ruhr behinderte das Wetter die Löscharbeiten beim Brand eines leerstehenden Supermarktes. Wegen der eisigen Temperaturen mussten sich die Einsatzkräfte regelmäßig abwechseln. „Alle sind schnell durch das gefrierende Löschwasser vereist“, sagte ein Feuerwehrsprecher. An den Helmen hätten sich Eiszapfen gebildet. Das etwa 150 mal 100 Meter große Gebäude habe am Montag stundenlang voll in Flammen gestanden.

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Der heftige Schneesturm hatte in Teilen Deutschlands bereits am Sonntag ein Verkehrschaos verursacht. Es fielen mancherorts mehr als 30 Zentimeter Schnee, dazu kamen meterhohe Verwehungen. Polizei und Feuerwehr fuhren zahllose Einsätze. Das Winterwetter brachte die Räumdienste etwa in Nordrhein-Westfalen an ihre Grenzen.

Die Polizei musste spiegelglatte Autobahnen sperren, es gab Hunderte Unfälle, bei der Bahn fielen reihenweise Züge wegen vereister Oberleitungen aus. Das Wetter war natürlich auch in sozialen Netzwerken ein großes Thema: Dort bildete sich das Schlagwort „Flockdown“, eine Wortschöpfung aus „Flocke“ und „Lockdown“. dpa