Freizeit - Codes entschlüsseln, auf Bäume klettern, Schilder abtasten – Geocaching wurde vor 20 Jahren erfunden Schatzsuche in der Natur

Von 
Ann-Kristin Wenzel
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Monheim am Rhein/Potsdam. Ist das Vogelhäuschen ein Hinweis? Geocacher müssen aufmerksam sein. Was gerne als moderne Schnitzeljagd bezeichnet wird, ist oft anspruchsvoll. Mit Hilfe von GPS-Geräten oder Navigations-Apps fürs Handy sucht man dabei nach dem „cache“ (Versteck). Wer fündig wird, trägt sich ins Logbuch ein, das am Ziel versteckt ist, und notiert online, wann er den Cache gefunden hat.

Geocacher Uwe Stelzmann kriecht aus einem Bunker im Westen Dänemarks hervor. Der 57-Jährige hat mehr als 10 000 Caches in über 20 Ländern gefunden. © dpa
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„Man sieht die Welt mit anderen Augen, wenn man das jahrelang macht“, erzählt Uwe Stelzmann. Der 57-Jährige hat Geocaching vor elf Jahren das erste Mal mit seiner Familie ausprobiert. Der erste Versuch war holprig: Das Navigationsgerät hatte er falsch eingestellt, die Suche führte an den Gartenzaun einer Anwohnerin statt zum Schatz.

Kreative Verstecke

Trotzdem hatte es den Rheinländer gepackt. Mehr als 10 000 Caches in über 20 Ländern hat er mittlerweile gefunden. In verlassenen Gebäuden, auf dem höchsten Berg Schottlands, in einer Höhle auf Mallorca oder daheim in Nordrhein-Westfalen. Für manche muss der Bankmitarbeiter vor allem gut zu Fuß sein, bei anderen im Team Rätsel lösen. „Jeder Cache ist anders“, erzählt er.

Am 3. Mai 2000 veröffentlichte Dave Ulmer im Netz die Koordinaten des ersten Caches. In der Nähe von Portland im Nordwesten der USA hatte er zuvor einen schwarzen Plastikeimer vergraben. Unter anderem eine Software mit den topographischen Karten der USA, Videos, Bücher und Essen habe er darin versteckt, schrieb er. „Nehmt etwas mit, lasst etwas da! Notiert alles im Logbuch! Habt Spaß!“

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Am Tag zuvor hatten die USA die bisher übliche Störung der GPS-Signale beendet. Mehrere Leser machten sich nach Ulmers Nachricht erfolgreich auf die Suche. Bald gingen die ersten Webseiten online, auf denen neue Caches eingetragen wurden. Weltweit bekannt ist heute geocaching.com. Mehr als drei Millionen Geocaches in 191 Staaten finden sich dort. In Deutschland ist auch die Seite opencaching.de beliebt.

Um zu starten, braucht man nur ein GPS-Gerät oder eine Smartphone-App, in die die Koordinaten eingegeben werden, sagt Stelzmann. Die finden Geocacher entweder im Internet oder müssen sie erknobeln. Nur auf das GPS sollte man sich bei der Suche nicht verlassen: „Wenn ich in die richtige Richtung gehe, zeigt mein Gerät eine immer kleinere Entfernung an“, erklärt Stelzmann. „Wenn man bei fünf Metern angekommen ist, sollte man nicht mehr auf das Gerät gucken, sondern sich umschauen. Im Wald bieten sich Verstecke an einem Baumstamm oder an einer Wurzel oder in einem Astloch oder unter Laub an.“

Auch in Corona-Zeiten machbar

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Bei den Rätseln sei alles möglich: „Es kann sein, dass die nächste Koordinate in Klarschrift an einem Verkehrsschild klebt oder dass ich aus einem Text die richtigen Buchstaben herausfinden und dann in Zahlen übersetzen muss: Der Buchstabe A steht dann zum Beispiel für 1, B für 2 und so weiter.“ Daraus ergibt sich die nächste Koordinate. „Das kann über zehn, 15 Stationen gehen.“

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Manchmal müssen auch Puzzleteile richtig zusammengesetzt werden, um die nächste Koordinate zu finden. Oder sie werde unter UV-Licht sichtbar. Oder eine Batterie muss an ein Versteck gehalten werden, das dann eine Botschaft abspielt. „Das ist wahnsinnig vielfältig. Ich gebe zu, am Anfang war ich auch etwas überfordert. Aber man wächst schnell rein“, sagt Stelzmann.

Auch während der Corona-Pandemie können Geocacher sich auf die Suche machen – wenn sie den nötigen Abstand zu anderen Menschen einhalten und alleine oder mit der erlaubten Zahl an Begleitern unterwegs sind. dpa