Freizeit - Viele Menschen zieht es in die Natur – ein Trend, der im Sommer und während der Corona-Krise zunehmen dürfte Renaissance des Wanderns

Von 
Simon Sachseder
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Berlin. Urlaub wie zu Großmutters Zeiten würden Kritiker zu dem sagen, was den Deutschen bevorsteht. Denn die Drinks am Ballermann, der Surf-Urlaub auf Bali oder die Kreuzfahrt durchs Mittelmeer werden in diesem Sommer wahrscheinlich ausfallen. Stattdessen: Wandern in der Natur vor der eigenen Haustüre als eine der wenigen Arten, seinen Urlaub zu verbringen. Langweilig? Auf keinen Fall, sagt Wanderpapst Manuel Andrack und wirbt mit den freien Flächen der Rhön, dem Abwechslungsreichtum der Eifel und den Traufkanten der Schwäbischen Alb. „Ich habe noch nie verstanden, warum die Leute ins Flugzeug steigen, um auf Malle zu wandern.“

Wanderer genießen den Ausblick über die Rhön. In Deutschland gibt es genug Wege, so dass alle ausreichend Abstand halten können, sagen Experten. © dpa

Wälder verkraften Besucher-Boom

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Das Kompetenzzentrum Tourismus des Bundes erwartet, dass sich der Binnentourismus deutlich früher erholt als der internationale Tourismus. „Da fällt natürlich auch das Wandern drunter“, sagt der Sprecher des Wanderverbandes, Jens Kuhr. Schon alleine deshalb könne man davon ausgehen, dass die Zahl der Wanderer in Deutschland im Sommer zunehmen werde. Und schon jetzt spricht einiges dafür, dass Wandern eine Renaissance erlebt. „Ich bin fast jeden Tag draußen, das sieht man schon“, sagt Andrack, der mehrere Bücher über das Wandern geschrieben hat.

Auch in der Wanderszene werde darüber gesprochen, dass mehr Menschen unterwegs sind. Das sieht auch der Deutsche Wanderverband so und geht aufbauend auf Beobachtungen von „massiven Steigerungen“ der Zahlen aus. Offizielle bundesweite Statistiken gibt es nicht, zumindest einen kleinen Einblick gibt aber eine Zählung des nordrhein-westfälischen Landesbetriebes Wald und Holz von Ende März: Demnach war in der Eifel und im Waldgebiet Kottenforst bei Bonn eine auffällige Steigerung von Besuchern registriert worden. Doch können Wald und Weg diesen zumindest augenscheinlichen Wander-Boom verkraften oder wird es nicht zu voll? „Das ist doch Unsinn“, antwortet Andrack darauf. Es habe schon immer Leute gegeben, die am liebsten einen Zaun um ihren Wald gehabt hätten, er freue sich aber, wenn mehr Menschen unterwegs sind. Das sieht auch der Wanderverband so und ergänzt, dass es in Deutschland genug Wege gebe, damit alle ausreichend Sicherheitsabstand halten könnten. Dabei helfe es Tageszeiten auszuprobieren, an denen nicht jeder gehe oder auch Ziele anzusteuern, die nicht jeder ansteuere, heißt es vom Verband. Und: Wenn man raus wolle, müsse man sich an die gesetzlichen Regelungen zur Eindämmung der Pandemie halten und „sich vor Ort erkundigen, was erlaubt ist und was nicht“.

Auch die Naturschützer sehen keine Probleme durch einen möglichen Anstieg der Wandererzahl. „Wir sind froh um jeden Menschen, der sich für die Natur interessiert und sie zu schätzen weiß“, sagt die BUND-Expertin für Waldpolitik, Nicola Uhde. Rehe und andere Wildtiere seien flexibel – die könnten sich an mehr Menschen auf einem Weg gewöhnen. In Gebieten, in denen zum Beispiel Vögel brüten, müssten Wanderer gelenkt werden. Die verbreitete Einschätzung „Wir dürfen nicht in die Natur, daran geht sie kaputt“, bezeichnete Uhde als Märchen. Das Wälder Probleme haben, liege an einer intensiven Forstwirtschaft und dem Klimawandel.

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Aus Sicht von Wanderverbandssprecher Jens Kuhr kann die Bewegung in der Natur den für viele sehr grauen Corona-Alltag etwas bunter machen. Zu den gestiegenen Zahlen sagt er: „Ich hoffe, dass das auch nach Corona ein bisschen erhalten bleibt.“ dpa