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 Pandemie - Heidelberger Expertin sieht kein Sicherheitsrisiko, in gewissen Fällen kann aber die Schutzwirkung verringert sein / Neue Impfreihenfolge soll Schwerkranke berücksichtigen Patienten haben viele Fragen zur Corona-Impfung

Von 
Madeleine Bierlein
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Heidelberg. In der Pandemie ist die Unsicherheit bei Krebspatienten und -patientinnen groß – dies lässt beim Krebsinformationsdienst (KID) die Telefone heiß laufen. Während sich viel Betroffene im vergangen Jahr Sorgen machten, ob ihre Therapie trotz überlasteter Krankenhäuser gewährleistet ist, rückt mittlerweile das Thema Impfung in den Fokus. „Es gibt sehr viele Anfragen zum Zugang, aber auch zur Wirksamkeit und Sicherheit der Impfstoffe“, berichtet Susanne Weg-Remers (Bild), die am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg den Informationsdienst leitet.

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Was die Sicherheit betrifft, kann Weg-Remers Betroffene beruhigen. Zwar wurden keine Krebskranke in die Zulassungsstudien der derzeit in Deutschland verfügbaren Impfstoffe eingeschlossen, es sei aber dennoch „nicht damit zu rechnen, dass diese schwerere oder andere Nebenwirkungen als bei Gesunden zeigen“. Dafür sprechen Weg-Remers zufolge Erfahrungen aus der Vergangenheit. So werde die jährliche Grippeimpfung und teilweise auch die Pneumokokkenimpfung Krebspatienten empfohlen. Bei klassischen Impfstoffen wie von Astrazeneca erwarten Expertinnen daher keine Überraschungen.

Wirksamkeit eingeschränkt

Auch bei den neuen mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna gebe es keinen Grund zur Beunruhigung. „Diese Methode wurde ursprünglich mit der Absicht entwickelt, Krebspatienten zu behandeln“, sagt Weg-Remers. Schwere Nebenwirkungen wurden in Phase-1-Studien nicht beobachtet.

Problematischer sieht es hingegen bei der Wirksamkeit von Impfstoffen aus. Vor allem Krebserkrankungen, die das Immunsystem beeinträchtigen, etwa Lymphome oder Leukämien, können dazu führen, dass kein wirksamer Impfschutz aufgebaut wird. Auch gewisse Behandlungen wie hochdosierte Chemotherapien können die Immunantwort schwächen. Im ungünstigsten Fall haben Geimpfte dann keinen ausreichenden Schutz vor Corona.

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Ein weiteres Thema, das Anrufer beschäftigt, ist die Impfreihenfolge. Bislang zählten Krebspatienten zur dritten Gruppe, sollten also erst nach den Personen ab 70 Jahren, medizinischem Personal und Personen in Heimen geimpft werden.

Weg-Riemers sieht dies kritisch. „Es ist tatsächlich in Härtefällen schwer vermittelbar, warum Betroffene nicht bevorzugt geimpft werden können.“ Als Beispiel nennt sie Krebspatienten, die vor einer belastenden Therapie stehen. „Es wäre sinnvoll, sie noch schnell zu impfen, bevor die Therapie beginnt.“ Außerdem würde es die Expertin begrüßen, wenn Angehörige von Hochrisiko-Krebspatientinnen, die im gleichen Haushalt leben, bevorzugt immunisiert würden.

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Immerhin: Mit der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), den Impfstoff von Astrazeneca nur unter 65-Jährigen zu verabreichen, soll nun die Reihenfolge neu erarbeitet werden. Ersten Plänen zufolge könnten davon auch Krebskranke profitieren. „Ich bin sehr zufrieden, dass das geändert wird“, freut sich Weg-Riemers. Generell ist die Krebsexpertin zuversichtlich. „Mit der zunehmenden Verfügbarkeit der Impfstoffe werden sich viele Probleme lösen.“ (BILD: DKFZ)

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Info: Tel: 0800/420 30 40 oder krebsinformationsdienst@dkfz.de

Redaktion Stellvertretende Nachrichtenchefin mit den Schwerpunkten Gesundheit, Umwelt, Soziales